Mystische Klänge, Märchen und Skulpturen verzaubern Publikum
Verwunschene Wirklichkeit am Biggesee

7Bilder

sz Attendorn. Erwartungsvoll versammeln sich bei strahlendem Sonnenschein rund 30 Menschen in der Nähe der Kapelle an der Waldenburger Bucht am Biggesee. „Verwunschen“ lautet der Titel der Veranstaltung, die im Rahmen des Erzählfestivals „Südwestfalen Sagenhaft“ – initiiert und organisiert vom Kulturverein MuT-Sauerland – hier beginnen soll. Ulrike Wesely, künstlerische Leitung des Vereins, begrüßt die Gäste und stimmt auf ein Erlebnis ein: Es gilt, einzutauchen in den Zauber der Darbietungen und zugleich die Kraft der Natur mit allen Sinnen auf- und wahrzunehmen. Mit diesen einführenden Worten geleitet sie die Gäste zur Kapelle, wo die erste Erzählerin ein französisches Märchen darbietet:

Ein König stellt seinen drei Söhnen drei schwierige Aufgaben. Er will den richtigen Erben finden. Zuletzt sollen sie ihm die schönste Frau bringen, die er heiraten möchte. Ausgerechnet der jüngste, missgestaltete Sohn löst mit Hilfe einer weißen Katze die Aufgaben. Die Katze aber verwandelt sich schließlich in ein wunderschönes Mädchen, das den tapferen und letztlich von seiner Missgestalt erlösten Jüngling heiratet.

Schweigend geht es für die Gruppe weiter – zur Burgruine. Die Märchenwanderer tauchen ein in den lichtdurchfluteten Laubwald, auf der rechten Seite begleitet sie eine kleine Schlucht mit erfrischend murmelndem Bach. Gedanken an fantastische und sagenumwobene Gestalten drängen sich auf. Von fern sind glockenähnliche Klänge und wehmütige Flötentöne zu vernehmen. Beim Näherkommen sind drei Gestalten zu erkennen, wie verwachsen mit dem Erdboden und selbstvergessen in ihre Musik vertieft: schwebende Klänge, ein verwehtes Rauschen – mal zart, mal eindringlich, geheimnisvoll entrückt und anmutig. Fasziniert lauschen die Gäste, bevor sie weiter aufwärts gehen.
Da ertönt von hoch oben eine Fanfare, und ein mittelalterlich gewandeter Bote stellt sich der Gruppe in den Weg und erzählt die Sage von der Entstehung der Glocke aus Attendorn:

Einst wurde diese Glocke zum Teil mit Gold gegossen und war dadurch besonders wohlklingend. Leider wurde der Glockengießergeselle aus Missgunst von seinem Meister ermordet. Die Glocke fiel einem Brand zum Opfer …

Begleitet von erneutem Fanfarensignal setzen die Zuhörer ihren Weg fort, doch schon werden sie von wundersamen Violinenklängen in den Bann gezogen. Mitten im Wald steht ein elfenhaftes Wesen, das der Violine die lieblichsten Weisen entlockt. Nun taucht hoch oben auf einer Klippe eine mittelalterlich gekleidete Hofdame auf. Sie berichtet:

„Es war einmal ein Fingerhütchen, ein armer Buckliger, dessen Gesang die Elfen so begeistert, dass sie ihn in ihr Reich holen und ihn von seinem Buckel befreien – einem Bösewicht dagegen einen zweiten Buckel verpassen …“

Nachdem sie ihre Geschichte beendet hat, erstarrt auch die Dame auf der Klippe zu einem Standbild – wie versteinert, unwirklich und unnahbar. Bevor die letzten Stufen zur Ruine erklommen werden, lauschen die Gäste noch der Geschichte von der Königstochter in der Flammenburg: Wieder ist es ein armer Jüngling, der tapfer und geschickt viele Gefahren meistert und schließlich die Königstochter erlöst.

Skurrile Skulpuren auf der Waldenburg

Dudelsackklänge locken zur Burg. Burgberg und Ruine scheinen zum Leben erwacht. Hoch oben thront majestätisch in roten Samt gewandet die Burgherrin, während der Burgherr die Gäste hochherrschaftlich mit Musik willkommen heißt. Überall im Gelände entdeckt man skurrile Skulpturen aus Holz, sie scheinen mit der hier kargen Natur verwachsen zu sein: Fabelwesen, Tier- und Menschenköpfe, Zwerge, Räuber. Ein Ort zum Bleiben, zum Genießen – auch des Ausblicks auf den im Sonnenlicht glitzernden See. Auch einige Passanten lassen sich von der besonderen Atmosphäre einfangen, bewegen sich respektvoll und behutsam. Wieder ist die Luft erfüllt von zarten, teils kaum wahrnehmbaren Schwebe-Klängen und Flötenmelodien. Sie vermischen sich mit dem lautstarken Zirpen der realen (!) Grillen. In diese Stimmung hinein spricht die Hofdame und gibt ein Lehrstück zum Besten:

Ein armer Bauer träumt davon, dass Goldstücke auf ihn herabregnen. Als er Gold findet, lässt er es stehen, weil er glaubt, es gehöre einem anderen. Dafür wird er belohnt: Sein Goldregen-Traum erfüllt sich.

Die Violinen-Elfe hat den Burgberg erklommen, erfreut erneut mit ihren Klängen, während die Burgherrin hinabschreitet, um höchstselbst dem „gemeinen Volk“ eine letzte große Erzählung darzubieten:

Ein hässliches Weiblein bietet dem König eine Antwort auf die Frage an, was sich eine Frau am allermeisten auf der Welt wünscht. Nach dieser Antwort hat er jahrelang vergeblich gesucht. Die Bedingung des Weibleins freilich ist, dass einer seiner Ritter sie heiraten würde …

Mit den Klängen des Dudelsacks werden die Besucher nach zweieinhalb Stunden aus der mittelalterlichen Szenerie entlassen. Nur langsam verlassen sie den magischen Ort, müssen zurückkehren aus einer fernen Zeit und Welt in die Gegenwart.

Zwei weitere Male "Verwunschen"

Unter der Regie von Ulrike Wesely agierten als Erzählerinnen und Erzähler: Katja Heinzelmann, Petra Griese, Petra Strassdas, Günter Sagafe. Die Musikerinnen und Musiker waren Esther Delport (Violine), Günter Sagafe (Fanfare, Dudelsack), das Team ergänzten Sigrid Baust, Andrea Frink, Elisabeth Lammers (diverse Instrumente und Gesang). Die Skulpturen fertigte die Künstlerin Beate Fasulo aus Marmecke.„Verwunschen“ bietet der Kulturverein MuT zwei weitere Male an: am 25. August an der Ginsburg und am 1. September in Silberg. Beginn ist jeweils um 14.30 Uhr, mehr unter www.mut-sauerland.de.

Autor:

Redaktion Kultur aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.