Neue Benefiztour für „Strahlemännchen“
Auf dem Rad zurück ins Leben

Oliver Trelenberg radelt für den guten Zweck.
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yve Attendorn. „Für mich ist das Projekt mein Leben, über die Weihnachtstage habe ich meine Tour geplant.“ Oliver Trelenberg aus Hagen steht mit seinem E-Bike vor dem Attendorner Rathaus. Er bittet, geduzt zu werden – „ich bin der Oli“. Und „Oli radelt“ ins Leben. Er macht Menschen Mut, die schwerst- und krebserkrankt sind. Er tritt für sie in die Pedalen, damit letzte große Träume oder dringend benötigte Urlaube verwirklicht werden. „Ich hatte das Glück, nicht zu sterben,“ Das Radfahren gebe ihm aber auch Halt.

In der Hansestadt gesellen sich Eric und Joanna Junge zu Oli. Vor 20 Jahren gründeten sie „Strahlemännchen – Herzenswünsche für krebskranke Kinder“, ein bundesweit agierender Verein mit Sitz in Heggen. Eric Junge verfolgt die Aktivitäten des Hageners bei Facebook. Trelenberg wiederum stößt im Internet auf den Verein. Schnell steht fest, dass Oli in diesem Jahr für „Strahlemännchen“ etwa 5500 Kilometer fahren möchte.

Nächste Station in Siegen

Am Montag ist Trelenberg in Hagen gestartet, nach dem Treffen mit dem Stellvertreter des Attendorner Bürgermeisters, Horst Peter Jagusch, ist er einen Tag später in Siegen. Weiter geht es in Richtung Bodensee, Oli steuert auch Passau, Würzburg, Berlin, Usedom, Flensburg, Hamburg und Cuxhaven an, „nach dem Stopp in Osnabrück geht es langsam wieder zurück nach Hagen“. Dabei betreibe er kein Leistungssport, „die körperliche Belastungsgrenze ist schnell erreicht“.

Oliver Trelenberg radelt für den guten Zweck.

„Am 23. September bin ich zurück“, um 16.30 Uhr schließe er seine Wohnungstür auf. Das wisse er genau, das sei der Vorteil von Zwangserkrankungen, lacht der 56-Jährige. Offen geht er mit seiner Vergangenheit und mit seinem Schicksal um. Er spricht von desolaten Jahren und Alkoholabhängigkeit, arbeitet einige Zeit als Lkw-Fahrer „oder was so gerade anfiel“. Er habe nichts gelernt, „bei zwei Freiheitsstrafen war da keine Zeit für“. 2003 schafft er die Kehrtwende, begibt sich in ärztliche und therapeutische Behandlung. Sechs Jahre später entdeckt er das Radfahren für sich. 2013 dann die Schockdiagnose Kehlkopfkrebs – „mit viel Glück habe ich meine Stimme behalten“.

Projekt 2014 gestartet

Trelenberg setzt sich wieder auf sein Zweirad, schöpft neuen Lebensmut. Nur ein Jahr später gelingt ihm Unglaubliches. Er legt 5460 Kilometer in Tages-Radausflügen zurück und startet sein Projekt „Oli radelt“. 92 Etappen zwischen Rhein und Ruhr legt er zunächst für den Deutschen Kinderhospizverein unter der Schirmherrschaft von Heinrich Böckelühr, dem damaligen Bürgermeister der Stadt Schwerte, zurück. Nach 2015 ist es das Stadtoberhaupt von Hagen, Erik Schulz, der diese Funktion bekleidet.

"Jedes Gespräch lohnt sich."
Oliver Trelenberg
fährt Rad für den guten Zweck

Tretenberg braucht auf seinen Benefiztouren kein Navigationsgerät. „Ich kann ja schließlich noch Karte lesen.“ Eine Tasche am Lenker ist gefüllt mit Flyern. Die verteilt der 56-Jährige an Menschen, die ihm begegnen. „Da steht alles über mich und mein Projekt drin.“ Auch das Spendenkonto ist angegeben. „Ich persönlich nehme kein Geld an“, sämtliche Beträge gingen an die Stadt Hagen.

Es sei manchmal nicht einfach, Passanten zum Zuhören zu begeistern. „Ich sehe ja nicht unbedingt wie ein seriöser Spendensammler aus“, blickt Oli auf seine bunten Tattoos an Armen und Beinen. „Da hält manche ältere Dame ihre Handtasche fest umklammert.“ Seine Offenheit wird aber deutlich mehr belohnt als abgelehnt, bereits über 41 000 Euro hat der Hagener für die gute Sache erwirtschaftet.

Er habe einmal in einem Salon nach einem Termin gefragt und dem Friseur erzählt, warum er gerade in der Stadt sei. „Ein Kunde saß im Stuhl, der verzog keine Miene.“ Aber er müsse zugehört haben. Als Chef eines Hotels habe er wenig später Geburtstag gefeiert. „Statt um Geschenke bat er um Geld für mein Projekt.“ 750 Euro seien zusammengekommen. In Dortmund am Ems-Kanal traf er auf einen Mann, der Geld anlässlich der Beerdigung seines Vaters stiftete. „Jedes Gespräch lohnt sich“, so Trelenberg. „Die Menschen sollen spüren, warum ich das mache, dafür lebe ich.“

Kostenlose Auszeit für gebeutelte Familien

„Uns geht das ähnlich“, hält Eric Junge fest. Er und seine Frau arbeiten mit der Kinderklinik Siegen und Unterstützern im gesamten Bundesgebiet zusammen, die unkompliziert beim Herzenswünsche erfüllen helfen. An der Lister betreibt das Ehepaar mittlerweile fünf Häuser, in denen Familien mit schwersterkrankten Kindern kostenlos Urlaub verbringen können, und stellt medizinische Transporter zur Verfügung. Ohne Menschen wie Oli, der radelt, blieben viele Träume in dem oft nur kurzen Leben dieser Kinder unerfüllt.

Weitere Informationen gibt es hier.

Oliver Trelenberg radelt für den guten Zweck.
Von Siegen aus führt die Tour für „Strahlemännchen“ um Joanna (l.) und Eric (2.v.l.) Junge quer durchs Bundesgebiet. Horst Peter Jagusch (Mi.) wünschte gute Weiterfahrt.
Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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