Delegierte der IG Metall tagen im Autokino
"Corona ein Fest für die Superreichen"

Versammlung in der Pandemie: Die Delegierten der IG Metall lauschten in ihren Autos den Ausführungen des 1. Bevollmächtigten André Arenz.
  • Versammlung in der Pandemie: Die Delegierten der IG Metall lauschten in ihren Autos den Ausführungen des 1. Bevollmächtigten André Arenz.
  • Foto: IG Metall
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sz Attendorn. Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen: Die erste Delegiertenkonferenz 2021 der IG Metall des Kreises Olpe fand am Montag im Autokino-Format an der Attendorner Stadthalle statt. Die Teilnehmer konnten den Ausführungen des 1. Bevollmächtigten André Arenz vom Auto aus bequem via Radio folgen und über ihr Handy Fragen stellen oder an Umfragen teilnehmen. Neben den Regularien, die eine relativ normale Entwicklung skizzierten, standen die Ergebnisse der Tarifverhandlungen, die Betriebsratswahlen 2022 sowie das aktuelle politische Geschehen in der Corona-Krise auf dem Programm.

Unternehmen keine Corona-Hotspots

„Statistiken zeigen, dass ein Schließen der Betriebe im Zuge eines harten Lockdowns das Infektionsgeschehen hierzulande nicht verbessern würde, da es sich bei den Unternehmen der Metall- und Elektrobranche nachgewiesenermaßen nicht um besondere Corona-Hotspots handelt“, hob André Arenz hervor. Die geplante Einführung verpflichtender Corona-Schnelltests im Rahmen des neuen Infektionsschutzgesetzes werde diesen Umstand weiter begünstigen.
In einer virtuellen Umfrage fragte der 1. Bevollmächtigte die Delegierten schließlich danach, ob in ihren Betrieben bereits kostenlose Schnelltests angeboten werden. Dies ist demnach in 54 Prozent der Firmen bereits der Fall.

IG Metall benötigt dringend neue Mitglieder

Anschließend gab Arenz ein Update zum Betriebsräte-Modernisierungsgesetz, das es inzwischen durch das Bundeskabinett geschafft hat. Es soll unter anderem die Gründung von Betriebsräten sowie die Wahlverfahren erleichtern. Die Beschlussfassung und Durchführung von Betriebsratssitzungen mittels Video- und Telefonkonferenzen bleiben damit nun auch dauerhaft erlaubt, können aber nicht vom Arbeitgeber erzwungen werden. Präsenzsitzungen sollen auf Dauer wieder die Regel werden.

Die Inhalte des Reformvorhabens seien grundsätzlich zu begrüßen. „Trotzdem gibt es noch Luft nach oben“, sagte Arenz. So greife etwa der Kündigungsschutz für Initiatoren zu kurz. Insgesamt brauche eine Ausrichtung der Mitbestimmung an die Anforderungen der sich verändernden Arbeitswelt mehr als nur kleine Anpassungen, so Arenz, der außerdem einige aktuelle Eckpunkte zu den Themen Corona-Beihilfe, Transformationsgeld, Zukunftstarifverträge, Beschäftigungssicherung und Mitgliederentwicklung aufgriff. „Die Mitgliederzahlen sind im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Hier müssen wir dringend Fahrt auf den Zug kriegen“, so der Bevollmächtigte, der die Delegierten deshalb dazu aufrief, potenzielle Neumitglieder gezielt anzusprechen.

"Corona treibt die Spaltung weiter auseinander"

Bei den Betriebsratswahlen 2022, die vom 1. März bis zum 31. Mai 2022 stattfinden werden, wird die „Neue Normalität“ nach der Corona-Krise im Fokus stehen. „Die Wahlperiode 2022 bis 2026 ist wesentlich für das Gelingen der sozialen und ökologischen Transformation“, betonte Arenz. Dem 1. Bevollmächtigten zufolge hat die Pandemie die Schere zwischen Arm und Reich noch vergrößert. „Corona treibt die Spaltung weiter auseinander. Sie ist ein Fest für die Superreichen, während die unteren Einkommen stark leiden“, führte er aus. Immerhin habe dieser Umstand die Debatte über eine Umverteilung wieder aufflammen lassen.

Autor:

Redaktion Olpe aus Stadt Olpe

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