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CDU-Bewerber für Bundestags-Kandidatur stellen sich (mit Kommentar)
Die Qual der Wahl

Techniker und Technik statt Parteimitglieder: Die zwei Bewerberinnen und drei Bewerber um die CDU-Bundestagswahl-Kandidatur mussten bzw. durften sich am Montag- und am Dienstagabend einem ungewohnten Vorstellungsformat stellen.
  • Techniker und Technik statt Parteimitglieder: Die zwei Bewerberinnen und drei Bewerber um die CDU-Bundestagswahl-Kandidatur mussten bzw. durften sich am Montag- und am Dienstagabend einem ungewohnten Vorstellungsformat stellen.
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hobö Neu-Listernohl. „Es geht um was“, hob Jochen Ritter die Bedeutung des Verfahrens hervor, das die CDU im Kreis Olpe und im südlichen Märkischen Kreis in den nächsten Wochen noch reichlich beschäftigen wird. Denn nach dem plötzlichen Verzicht von Dr. Matthias Heider auf eine erneute Kandidatur für die CDU im Bundestags-Wahlkreis Olpe/Märkischer Kreis I ist die Suche nach einem Nachfolger bzw. einer Nachfolgerin gestartet, die ihren ersten „Höhepunkt“ am Montag erlebte.
Wie die SZ berichtete, gibt es bislang keine Bewerbungen aus dem Märkischen, während sich dem Bewerbungsverfahren des CDU-Kreisverbands Olpe fünf Christdemokraten stellen: mit Kerstin Brauer und Hildegard Hansmann-Machula zwei Frauen sowie mit Bernd Hesse, Florian Müller und Paul Rötz drei Männer.

hobö Neu-Listernohl. „Es geht um was“, hob Jochen Ritter die Bedeutung des Verfahrens hervor, das die CDU im Kreis Olpe und im südlichen Märkischen Kreis in den nächsten Wochen noch reichlich beschäftigen wird. Denn nach dem plötzlichen Verzicht von Dr. Matthias Heider auf eine erneute Kandidatur für die CDU im Bundestags-Wahlkreis Olpe/Märkischer Kreis I ist die Suche nach einem Nachfolger bzw. einer Nachfolgerin gestartet, die ihren ersten „Höhepunkt“ am Montag erlebte.
Wie die SZ berichtete, gibt es bislang keine Bewerbungen aus dem Märkischen, während sich dem Bewerbungsverfahren des CDU-Kreisverbands Olpe fünf Christdemokraten stellen: mit Kerstin Brauer und Hildegard Hansmann-Machula zwei Frauen sowie mit Bernd Hesse, Florian Müller und Paul Rötz drei Männer. Wer aus diesem parteiinternen Verfahren als Sieger hervorgeht und für die CDU in besagtem Wahlkreis kandidiert, besitzt bekanntlich sehr gute Chancen, in den im September 2021 neu zu wählenden Bundestag einzuziehen. Dr. Heider gewann das Direktmandat bei den zurückliegenden drei Wahlen jeweils souverän.

Fünf Bewerber in zwei Vorstellungsrunden

Da eine Mitgliederversammlung Corona-bedingt derzeit nicht möglich ist, entschied sich der CDU-Kreisverband Olpe um Vorsitzenden Jochen Ritter dafür, die fünf Bewerber den Mitgliedern in zwei Vorstellungsrunden am Montag und Dienstag zu präsentieren – und das online. Die Mitglieder hatten im Vorfeld einen Link erhalten, über den sie einen auf sie und die Presse beschränkten Zugang zu der „Live-Schalte“ auf „Youtube“ erhielten.

Tücken der Technik

Aufgezeichnet wurde das Quintett in der Biggesee-Akademie in Neu-Listernohl. Als sich immer mehr Mitglieder im parallel geöffneten Chatroom über die schlechte Tonqualität beschwerten, wurde nach knapp 14 Minuten eine Pause für eine technische Nachbesserung eingelegt. Doof nur, dass man als Online-Zuschauer aus der Übertragung geworfen wurde und über den besagten Link nur die bis dahin aufgezeichneten Minuten wieder aufrufen konnte. Erst ein weiterer Klick auf das weiter unten auf der Seite angezeigte Emblem ermöglichte das weitere Zusehen des Live-Angebots. Waren vor der Technikpause noch 84 Zuschauer live vor den Bildschirmen, sahen die Vorstellung von Paul Rötz unter zehn und die von Bernd Hesse lediglich zwölf Christdemokraten. Nach und nach erhöhte sich die Zuschauerzahl auf knapp über 100. Offenbar musste sich die richtige Klickfolge erst über andere Kanäle rumsprechen.
Die fünf Bewerber erhielten zunächst die Möglichkeit, sich persönlich vorzustellen, um sodann ihre Motivation für diesen Schritt zu erläutern.
Kerstin Brauer aus Lennestadt machte den Anfang. Die 48-jährige Polizeibeamtin erklärte, dass der Wunsch nach innerer Sicherheit immer wichtiger werde. Diesbezüglich könne sich aus 30 Jahren Dienst für die Polizei viel Erfahrung und Wissen einbringen. Auch die Arbeit in Netzwerken und in der Partei sei ihr vertraut, weswegen sie eine „Starke Stimme für die Heimat“ sein könne.
Paul Rötz aus Olpe stellte seinen beruflichen Werdegang bis zum Redakteur an Tageszeitungen und den Eintritt in den Ruhestand vor. „Weil der Lotse viel zu früh von Bord geht“, habe er sich beworben, lobte der 73-jährige Rötz Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wegen ihr könne man abends beruhigt zu Bett gehen. Er wolle dafür eintreten, dass sich die Gesellschaft nicht weiter teilt. „Einigkeit macht stark, Wohlstand aller Menschen ist wichtig.“
Als erfolgreicher Unternehmer stellte sich Bernd Hesse aus Gerlingen vor. Er stehe für den Mittelstand sowie für Land- und Forstwirtschaft, so der 72-Jährige. Er würde in Berlin auf seine berufliche Erfahrung und seine Verbindungen in den Bundesverband für mittelständische Wirtschaft zurückgreifen. Zudem wolle er sich für einen Tunnel zwischen Gerlingen und Möllmicke bis nach Altenkleusheim einsetzen.
Florian Müller aus Drolshagen erklärte seine Verbundenheit zum Sauerland. Hier zählten Gemeinschaft und das Wir-Gefühl. Seit 2002 gehöre er der Jungen Union an und sei stellv. Landesvorsitzender und im Bundesvorstand gewesen. Seit vier Jahren sei er Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Drolshagen. Der bei der Lufthansa in Köln tätige Müller arbeitete zwischenzeitlich im Büro von Dr. Matthias Heider in Berlin. Daher kenne er viele Abläufe in der Hauptstadt. Sein erstes Ziel sei es, so der 33-Jährige, dass das Sauerland eine Urlaubs-, Wohlstands- und Wirtschaftsregion bleibe.
Hildegard Hansmann-Machula aus Weringhausen betonte, dass es wichtig sei, dass bodenständige Menschen in der Politik aktiv seien und diese erklärten. Seit ihrer Jugend sei sie ehrenamtlich aktiv, strich die 55-Jährige heraus, „das bereichert mein Leben“. Als Geschäftsführern der Waldbesitzerinnen NRW und Schöffin am Landgericht Siegen habe sie wichtige Erfahrungen gesammelt. Während ihrer Zeit im Kreistag in Olpe habe sie gemerkt, dass ihr die politische Arbeit Spaß bereite.

Wenig Neues, Innovatives und Überzeugendes

Nach dieser Einführungsrunde konnten die Bewerber in der mehr als zweieinhalbstündigen Veranstaltung zu Themen wie Wirtschaft, Corona-Krise, Umwelt- und Klimaschutz, innere Sicherheit, Europa sowie Arbeit und Soziales Stellung beziehen. Die Beiträge waren interessant, enthielten aber wenig Neues, Innovatives oder Überzeugendes.
Die CDU-Mitglieder haben alsbald die Qual der Wahl – wenn irgendwann wieder eine Präsenzversammlung möglich sein wird. Denn die Nominierung des Kandidaten muss in einer solchen erfolgen. Nach den Erfahrungen vom Montag keine schlechte Nachricht  ...

Kommentar: Keine „Häuptlinge“ Hartmut Schauerte, ehemaliger CDU-Bundestagsabgeordneter aus dem Kreis Olpe und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, erklärte die politische Arbeit in Berlin einst mit einem bildhaften Vergleich: Man habe es in der Bundeshauptstadt nur mit „Häuptlingen“ zu tun, „normale Indianer“ suche man vergebens. Das mache das Durchsetzen eigener Ideen und Vorstellungen alles andere als einfach. Das mag jetzt despektierlich klingen, aber die erste Vorstellungsrunde der CDU-Bewerber für die Bundestagswahl lässt vermuten, dass doch wieder „normale Indianer“ in den Bundestag ziehen könnten. Keiner der fünf Christdemokraten hinterließ den Eindruck, künftig als „Häuptling“ die Interessen des eigenen Wahlkreises in Berlin durchsetzen zu können – weder vom Auftreten her und leider noch weniger von inhaltlicher Seite. Probleme wurden – mehr oder meist weniger wohlfeil formuliert – analysiert sowie auch Stärken der hiesigen Region benannt. Aber konkrete Lösungsvorschläge oder gar visionäre Vorstellungen gaben weder die beiden Bewerberinnen noch deren drei männlichen Widersacher zu Protokoll. Die Beiträge wirkten inhaltlich dünn, oft beliebig und zumeist wenig geeignet, als künftiger „Häuptling“ in politischen Debatten charakterisiert zu werden – um in Schauertes Bild zu bleiben. Wer sich im internen CDU-Wettstreit um die Kandidatur im Wahlkreis Olpe/Märkischer Kreis I durchsetzt, hat empirisch gesehen hervorragende Chancen, in den nächsten Bundestag gewählt zu werden. Bleibt daher zu hoffen, dass der alles andere als überzeugende Auftritt sämtlicher Bewerber am Montagabend dem neuen Format eines Livestreams ohne Rückkopplung mit den Zuhörern sowie einer gewissen Nervosität geschuldet war. Denn dem hiesigen Wahlkreis täte ein „Häuptling“ mit Durchsetzungskraft für möglichst viele zukunftsweisende politische Ideen gut.
Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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