Regionalrat befasst sich umfassend mit dem Thema
Digitalisierung erfordert anderes Lehren

Die Digitalisierung des Lernens besteht keineswegs nur
darin, den Schülerinnen und Schülern Laptops und schnelles Internet zur Verfügung zu stellen. Vielmehr muss das ganze System Schule darauf abgestellt werden.
  • Die Digitalisierung des Lernens besteht keineswegs nur
    darin, den Schülerinnen und Schülern Laptops und schnelles Internet zur Verfügung zu stellen. Vielmehr muss das ganze System Schule darauf abgestellt werden.
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win Attendorn. Es ist ein Thema, das viele schon nicht mehr hören wollen oder können: die digitale Transformation. Die Gesellschaft ist im Wandel, ähnlich wie beim Übergang von der Handschrift zum Buchdruck, und das viel schneller und tiefgründiger. Als am Donnerstag die Mitglieder des Regionalrats in der Attendorner Stadthalle zusammenkamen, stand als Hauptberatungspunkt die Digitalisierung in der Lehrerfortbildung auf dem Programm – am Ende kam viel mehr dabei heraus, das eigentliche Thema wurde lediglich gestreift.

Denn tatsächlich thematisiert wurde die Digitalisierung der Schule, des Lernens an sich.
Monika Nienaber-Willaredt, Leiterin der Abteilung 4 (Schule) der Bezirksregierung, erklärte den Mitgliedern des kommunalpolitischen Gremiums für den Regierungsbezirk Arnsberg, bei diesem Thema gelte es, den Blick zu weiten und nicht nur auf Lehrkräfte, sondern auf Kinder und Gesellschaft zu richten: „Alle Lehrkräftefortbildung muss vom Kind aus gedacht werden und dort ankommen.“ Auch „vor Corona“ habe der digitale Wandel längst eingesetzt, „das wird uns nur jetzt viel bewusster. Wir bereiten Kinder auf Jobs vor, die es noch gar nicht gibt und auf Probleme, die wir nur zum Teil kennen und oft nur erahnen. Wissen allein hilft da nicht. Die Welt belohnt Menschen viel weniger für Wissen – dafür gibt es Suchmaschinen.“ Viel wichtiger werde, wie Wissen angewandt wird.

Schulentwicklungsberatung "ein Riesenbaustein"

Der Bildungsauftrag müsse umgebaut werden dahin, eine sichere Navigation zu vermitteln, „den eigenen Weg in einer zunehmend unbeständigen und mehrdeutigen Welt“ zu finden.

Der Leiter der Fortbildungsabteilung, Dirk Kolar, betonte: „Wir sprechen über 500 000 Schülerinnen und Schüler, 40 000 Lehrkräfte und 1200 Schulen. Das ist eine Mammutaufgabe insbesondere in pandemischen, schnelllebigen Zeiten, in denen wir der Entwicklung kaum hinterherkommen.“ Die Schulentwicklungsberatung sei „ein Riesenbaustein“, den die Bezirksregierung für ganz Nordrhein-Westfalen steuere. „Das ist der Zündfunke in den Schulen für die Entwicklungsprozesse.“ Für die digitale Transformation an Schulen sei ein eigenes Trainerteam am Start, „diese Menschen bieten wir feil, damit die Schulen diese Unterstützung nutzen können“. Generell müsse bei aller Digitalisierung das Primat der Pädagogik gelten. Schwierig sei: „Wir haben keine Blaupause – wir sind in einer Situation, die es noch nie gab“. Nötig sei eine Fehlerkultur, es müsse erlaubt sein, Dinge auszuprobieren. „Dass ein Arbeitsplatz nicht mehr als Matrize, sondern digital vorliegt, ist nur die allererste Stufe.“ Inzwischen gebe es keine einzige Fortbildung mehr, die nicht die Digitalisierung „im Rucksack“ habe.

Bereitstehende Mittel seit 2019 nicht abgerufen

Regierungspräsident Hans-Josef Vogel (CDU) warf ein: „Es gibt Kommunen, die bereitstehende Mittel seit 2019 nicht abgerufen haben.“ Die ungezählten Seiten der Bereinigten Amtlichen Sammlung der Schulvorschriften (BASS) stamme aus der vordigitalen Zeit. „Das sind Tausende von Vorschriften, und die Schulen müssen das einhalten. Das alles muss man wegschmeißen, und das traut sich derzeit niemand.“ Denn auch überholte Vorschriften müssten eingehalten werden. Das System Schule stehe vor einer wesentlich komplexeren Situation als eine Firma.

Haupthindernis am Gelingen sei bisher die „Teilung zwischen den Menschen, die unterrichten, und denen, die Unterricht entwickeln. Wir wissen aber, dass man Betroffene zu Beteiligten machen muss. Alles liefe wesentlich besser, wenn die Lehrer die Unterrichtsplanung mitentwickeln könnten.“ Er hoffe, dass alle, die „jetzt in der Pandemie die Wichtigkeit der Schule betonen, auch nach der Pandemie bereit sind, das nötige Geld zur Verfügung zu stellen“. Stadtentwicklung sei heute Schulentwicklung, „die regelt, ob junge Leute in der Region bleiben oder gehen“.

Warnung vor zu einseitiger Ausrichtung

Dezernentin Nienaber-Willaredt hatte eine Warnung vor zu einseitiger Ausrichtung parat: „Wenn wir das Wort Digitalisierung hören, haben wir in der Regel den Rechner im Kopf und dass Lehrer und Schüler diesen bedienen können. Das ist aber absolut die Niveaustufe 1. Wer das an den Schulen macht, ist ohnehin technik-affin, und es ist vor allem wichtig, die Schüler ins Zentrum zu stellen – die Technik nur, wenn sie Lerngegenstand ist.“ Besonders an gut ausgerüsteten Schulen könne sonst passieren, dass der Blick auf die Schülerinnen und Schüler verloren gehe.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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