SZ

22. Türchen im SZ-Adventskalender
Eine „Schatztruhe“ öffnet sich

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yve Attendorn. Christian Schnatz schließt das eiserne Gittertor auf, dann die dahinterliegene massive Holztür. Sie führt ins Innere des Bieketurms, in ein Denkmal aus dem 13. Jahrhundert. Einst Wehrturm als Bestandteil der Stadtbefestigung, seit 1985 im Eigentum der Schützengesellschaft „1222“ Attendorn. „Unsere Vorgänger haben sich viel, viel Zeit genommen, um aus dem Turm das zu machen, was er heute ist“, sagt Schnatz, bei der Schützengesellschaft für die Pressearbeit verantwortlich.
Zwei Schützenfeste in der Hansestadt
Dreigeschossig, ist das historische Gebäude heute Zeughaus, Museum und Versammlungsstätte. Der untere Bereich sei früher Kerker gewesen, „da kamen die bösen Strolche rein“, gibt Hauptmann Sascha Koch Einblick in die lange und bedeutsame Historie des Bieketurms.

yve Attendorn. Christian Schnatz schließt das eiserne Gittertor auf, dann die dahinterliegene massive Holztür. Sie führt ins Innere des Bieketurms, in ein Denkmal aus dem 13. Jahrhundert. Einst Wehrturm als Bestandteil der Stadtbefestigung, seit 1985 im Eigentum der Schützengesellschaft „1222“ Attendorn. „Unsere Vorgänger haben sich viel, viel Zeit genommen, um aus dem Turm das zu machen, was er heute ist“, sagt Schnatz, bei der Schützengesellschaft für die Pressearbeit verantwortlich.

Zwei Schützenfeste in der Hansestadt

Dreigeschossig, ist das historische Gebäude heute Zeughaus, Museum und Versammlungsstätte. Der untere Bereich sei früher Kerker gewesen, „da kamen die bösen Strolche rein“, gibt Hauptmann Sascha Koch Einblick in die lange und bedeutsame Historie des Bieketurms. Er blickt in die Vitrinen des Museums, stundenlang könne er über die ausgestellten Objekte sprechen, über Zeugnisse der fast 800-jährigen Geschichte der 1222 gegründeten Schützengesellschaft. Auf dasselbe Jahr datiert ist die Verleihung der Attendorner Stadtrechte.

Sascha Koch und Christian Schnatz zeigen beim Besuch der SZ Repliken von Hieb- und Stichwaffen, Rüstungen sowie Fahnen, Fotos oder Gemälde. Kunstvolle Schmuckscheiben der Scheibenkönige bilden einen Kreis an den gewölbten Mauern, zentral in der Mitte des zweiten Geschosses glänzen Plaketten an zwei Königsketten, eine mit Silberadler, die andere mit Silbertaube. Seit Jahrzehnten ist einzigartiges Merkmal des Attendorner Hochfestes, zwei Regenten zu ermitteln. Und zwar aus der 1. Kompanie den Vogelkönig aus der Riege der verheirateten Schützen sowie aus der 2. Kompanie den Scheibenkönig aus dem Kreis der Junggesellen. Das entstamme, so Sascha Koch, dem früheren Brauchtum, dass in der Hansestadt zwei Schützenfeste ausgetragen worden seien – an Fronleichnam und an Pfingsten.

Drei Rüstungen aus dem Dreißigjährigen Krieg

Dass die Attendorner Schützen keine Grünröcke sind, zeigt die ausgestellte Uniform im Bieketurm. „Wir tragen den guten Schwarzen“, sagt Koch. Dazu einen mit Federn geschmückten Zweispitz und Harnisch. Das Attendorner Brauchtum ist wahrlich besonders, selbst Rüstungen werden zum Schützenfest getragen – von den „Iserköppen“ in Anlehnung an historische Helme. Als Bürger der Hansestadt während des Dreißigjährigen Krieges die Schweden in die Flucht schlugen, erbeuteten sie zahlreich deren Rüstungen. Drei davon sind bis heute erhalten. Im Bieketurm befinden sich Nachbildungen. Die originale Schutzkleidung sei für den Gebrauch nicht tauglich, erklärt Schnatz. „Die Helme wären auch viel zu klein.“ Auf einem Foto sind Jungschützen mit Haselruten zu sehen. „Damit wird der Bügeltanz auf dem Schützenfest aufgeführt“, erklärt der Hauptmann. Zur Gruppe gehöre ein Vortänzer und ein Lustigmacher, Hänsel genannt.

2020 wurde die Sanierung abgeschlossen

Schnatz und Koch führen dann über eine schmale Steintreppe ins Obergeschoss. Jahrhunderte alte Gerüstbalken tragen das neu geschieferte Kegeldach, freigelegt im Zuge der 2020 abgeschlossenen und durch Fördermittel finanzierten Sanierung des Bieketurms. Sichtbar sind nun auch die ehemals zugemauerten Schießscharten. Vom wuchernden Efeu befreit, wurde das 420 Quadratmeter umfassende Mauerwerk mit einem eigens für den Turm konzipierten Fugenmörtel ausgespritzt, Bodenstrahler installiert, wurden Gesimse und Gaube mit Leinöl gestrichen.

Da kamen die bösen Strolche rein.
Sascha Koch
Hauptmann Schützengesellschaft

Nur der Pulverturm und der Bieketurm blieben erhalten

Sascha Koch schaut aus einer Schießscharte direkt auf die Stelen, die seit einigen Jahren an das Ennester Tor erinnern, eines von vier Toren der damaligen Wehranlage. Daneben gab es zwölf Wehrtürme. Der Bieketurm grenzte wie das Ennester Tor an einen Feuerteich. Mit dem Wasser wurden Brände gelöscht, beizeiten Unrat und Abfälle weggespült oder in Kriegszeiten die Gräben vor der Stadtmauer gefüllt. Nach dem großen Stadtbrand von 1783 sei das Material der Befestigung zum Wiederaufbau genutzt worden, so Koch. Der fast vollständige Abriss folgte 1812. Neben dem Pulverturm blieb nur noch der Bieketurm erhalten – in den 1950er-Jahren Treffpunkt der Katholischen Jugend.

Zuvor diente das Erdgeschoss als Eiskeller, jetzt ist dort Platz für kleine Versammlungsrunden in urigem Ambiente. Schmuckstück des Raums ist die vom Attendorner Künstler Karl-Josef Hoffmann geschaffene Lampe aus Holz. Früher hatte sie ihren Platz über der Theke in der Gaststätte „Zum Ritter“. Die Schützengesellschaft hat den Bieketurm im Laufe der Jahre mit viel Enthusiasmus und Liebe zum Detail in eine „Schatztruhe“ verwandelt – um Bräuche und Traditionen sowie die untrennbare Stadt- und Schützengeschichte für folgende Generationen aufzubewahren.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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