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Lehrlinge aus dem Ruhrgebiet
Firma Kröger baut Haus für ihre Azubis

Thorsten Withake (l.) und Daniela Tomczak (M.) lassen sich von Christian Hegener (r.) das Wohnhaus zeigen, in dem Auszubildende der Firma untergebracht werden.
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  • Thorsten Withake (l.) und Daniela Tomczak (M.) lassen sich von Christian Hegener (r.) das Wohnhaus zeigen, in dem Auszubildende der Firma untergebracht werden.
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win Kraghammer. Schon vor der Fabrikhalle der Firma Theodor Kröger ahnt man, dass es drinnen laut wird. „Wir gehen für Sie durch die Hölle“, mit diesem Spruch wirbt die 1884 gegründete Gesenkschmiede für ihre Dienstleistung, die darin besteht, glühendes Metall zu verformen. Zwar gibt es auch einige Schmiedepressen, in denen die rotglühenden Stahlwerkstücke mit unvorstellbarem Druck langsam in die gewünschte Form gebracht werden, doch die meisten Arbeitsplätze befinden sich an klassischen Hämmern. Die tonnenschweren Geräte werden hochgezogen und knallen dann mit großer, allerdings genau berechneter Wucht auf die Formstücke. Es ist heiß, es ist laut, es vibriert. High-Tech in seiner archaischsten Form.

win Kraghammer. Schon vor der Fabrikhalle der Firma Theodor Kröger ahnt man, dass es drinnen laut wird. „Wir gehen für Sie durch die Hölle“, mit diesem Spruch wirbt die 1884 gegründete Gesenkschmiede für ihre Dienstleistung, die darin besteht, glühendes Metall zu verformen. Zwar gibt es auch einige Schmiedepressen, in denen die rotglühenden Stahlwerkstücke mit unvorstellbarem Druck langsam in die gewünschte Form gebracht werden, doch die meisten Arbeitsplätze befinden sich an klassischen Hämmern. Die tonnenschweren Geräte werden hochgezogen und knallen dann mit großer, allerdings genau berechneter Wucht auf die Formstücke. Es ist heiß, es ist laut, es vibriert. High-Tech in seiner archaischsten Form. Mit den Männern, die hier an den Schmiedehämmern arbeiten, sollte man kein Armdrücken wagen.

Tendenz wird überdeutlich

Christian Hegener ist kaufmännischer Geschäftsführer des Familienunternehmens und hat einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen, um dem nicht mehr nur drohenden, sondern schon akuten Facharbeitermangel zu begegnen. Aus diesem Anlass hatte die Agentur für Arbeit zu einem Pressegespräch bei der Firma Kröger eingeladen. Denn im Kreis Olpe wird eine Tendenz überdeutlich, die im gesamten Arbeitsamtsbezirk zu sehen ist: Es gibt weniger Ausbildungsplatzsuchende als Ausbildungsplätze. Kommen im gesamten Bezirk der Arbeitsagentur Siegen (Siegerland, Wittgenstein, Kreis Olpe) inzwischen auf einen Bewerber 1,62 freie Ausbildungsplätze, sind es im Kreis Olpe allein sogar 2,12. Und das merken insbesondere Firmen wie Kröger.Denn das Unternehmen mit 87 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wirbt für Nachwuchskräfte auf demselben Markt wie die benachbarten Branchenriesen wie Viega, Mubea oder Kirchhoff.
„Anderswo in Nordrhein-Westfalen sieht es ganz anders aus“, weiß Daniela Tomczak, Chefin der Agentur für Arbeit in Siegen. In Bochum etwa müssen sich 100 Ausbildungsplatzbewerber um 74 freie Stellen streiten, in Detmold sind es sogar nur 69, in Gelsenkirchen 67 und in Recklinghausen 64. Gemeinsam mit Thorsten Withake, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Agentur für Arbeit, sieht sie als eine Möglichkeit, das doppelte Dilemma zu beenden, die Auszubildenden mobil zu machen. Bereits vor einigen Jahren gab es eine Kooperation zwischen den Agenturen in Siegen und Recklinghausen. Das Ergebnis war sparsam: Gerade zwei Auszubildende wagten den Schritt, für ihre Ausbildung vom Ruhrgebiet ins Sauerland zu wechseln – beide landeten bei Kröger.

Betriebswohnung wurde umgebaut

Gelernt haben sie, gearbeitet auch – und bei Christian Hegener einen Prozess in Gang gebracht, der nun Folgen zeigt. Er erinnert sich: „Die kamen an und hatten nichts. Keine Wohnung, keinen Schlafplatz, sie mussten praktisch im Auto übernachten. Wir haben dann losgelegt, um eine Wohnung für sie zu finden. Die haben wir kurzfristig bei einer Mitarbeiterin gefunden. Aber das war nicht lustig.“ Er habe schier endlose Gespräche geführt: „Versuchen Sie mal, eine Wohnung für einen 16-jährigen dunkelhäutigen Auszubildenden zu finden, wenn der Mitbewerber ein 38-jähriger Bankkaufmann ist.“ Und da der Wohnungsmarkt in Attendorn nun mal ist, wie er ist, hat Hegener die Eigentümer der Firma Kröger dazu gebracht, Geld in die Hand zu nehmen: Die Firma baute direkt gegenüber dem Fabrikgebäude ein Haus, und darin wohnen nun Auszubildende.Unter dem Dach des Verwaltungsgebäudes hat Hegener zudem eine dort vorhandene Betriebswohnung umbauen lassen, hier leben nun seit dem 1. August zwei Auszubildende und ein Einstiegsqualifikations-Praktikant in einer Wohngemeinschaft. Alle drei kommen aus dem Ruhrgebiet, und einer von ihnen ist so begeistert, dass er seinen Cousin angesteckt hat, er stellt sich demnächst auch bei Kröger vor. „Das einzige Problem: Zwei sind Schalker, einer Dortmunder“, schmunzelt Hegener.

Mustergültiges Vorgehen

Daniela Tomczak und Thorsten Withake loben das Vorgehen der Firma Kröger als mustergültig. Es sei nicht leicht, Eltern beispielsweise im Ruhrgebiet davon zu überzeugen, ihre Kinder zur Ausbildung wegziehen zu lassen – was im Studium ganz normal sei, sei bei der Ausbildung nicht mehr üblich. Doch wenn ein solches Angebot existiere wie bei Kröger, dann falle es leichter. Insbesondere die Idee mit der Wohngemeinschaft sei vorbildlich.

Thorsten Withake (l.) und Daniela Tomczak (M.) lassen sich von Christian Hegener (r.) das Wohnhaus zeigen, in dem Auszubildende der Firma untergebracht werden.
Glühender Stahl wird bei Kröger geformt. Das geschieht mit Lärm, Funkenflug und Vibrationen.
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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