SZ

SZ-Serie über Mikrobrauereien (Teil 6)
Freundschaft verbindet Hopfen und Malz

Tobias Bock und Christian Springob (v. l.) vor dem Pulverturm in Attendorn.
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yve Attendorn. „Das hat uns nicht mehr losgelassen“, sagt Tobias Bock und ruft sich das Jahr 2012 in Erinnerung. Vor fast zehn Jahren besucht er mit Christian Springob das Esloher Brauhaus. Die Freunde belegen dort ein Bierseminar und geraten ins Schwärmen – „so etwas müsste es auch in Attendorn geben“.
Kaum ein Treffen vergeht, ohne dass Bock (44) und Springob (45) über Bier „made in der Hansestadt“ sinnieren. Bildlich stellen sie sich eine Attraktivierung der Hansestadt vor, sehen die denkmalgeschützte und derzeit ungenutzte Speckschule am Ennester Tor als gemütliches Gasthaus, auf dem angrenzenden Parkplatz Bierzeltgarnituren und Sonnenschirme und sich selbst im Pulverturm an den Braukesseln stehen.

yve Attendorn. „Das hat uns nicht mehr losgelassen“, sagt Tobias Bock und ruft sich das Jahr 2012 in Erinnerung. Vor fast zehn Jahren besucht er mit Christian Springob das Esloher Brauhaus. Die Freunde belegen dort ein Bierseminar und geraten ins Schwärmen – „so etwas müsste es auch in Attendorn geben“.
Kaum ein Treffen vergeht, ohne dass Bock (44) und Springob (45) über Bier „made in der Hansestadt“ sinnieren. Bildlich stellen sie sich eine Attraktivierung der Hansestadt vor, sehen die denkmalgeschützte und derzeit ungenutzte Speckschule am Ennester Tor als gemütliches Gasthaus, auf dem angrenzenden Parkplatz Bierzeltgarnituren und Sonnenschirme und sich selbst im Pulverturm an den Braukesseln stehen.

Brauen aus Freundschaft: Pulverbräu aus Attendorn.

Der Pulverturm als Brauturm

Das sei natürlich utopisch, erzählen Bock und Springob im Gespräch mit der SZ, die die Freunde für den sechsten Teil der Serie über Mikrobrauereien an der Nicolai-Apotheke in Attendorn trifft. Die wird von Christian Springob geführt und befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Pulverturm, der neben dem Bieketurm der einzig erhaltene Bestandteil der Stadtbefestigung ist. Nach dem Stadtbrand von 1812 wird aus übrigen abgetragenen Toren, Türmen und Mauern Baumaterial für den Wiederaufbau der Innenstadt.
Fast täglich hat der 45-Jährige den Pulverturm also vor Augen. „Neben dem Bieketurm führt er ein Schattendasein.“ Er sei sozusagen das Stiefkind neben seinem großen Bruder, ergänzt Bock. „Das wollten wir ändern.“ Also legen der Sicherheitsingenieur und der Apotheker ihren Traum von der Umgestaltung am Ennester Tor nicht gänzlich auf Eis. Nach einem Familienurlaub der Springobs auf der Insel Texel, die bekannt ist für ihre Brauereien und prämierten Biere, sind die Freunde nicht mehr zu bremsen. Sie möchten endlich loslegen. Bock sichtet zahlreiche Literatur und schafft die ersten Utensilien an.
Wo der eigene Gerstensaft produziert werden soll, steht seit Jahren fest – natürlich im denkmalgeschützten Pulverturm. Springob und Bock wenden sich mit einer Anfrage an Bürgermeister Christian Pospischil. „Wir haben ihn gefragt, ob es möglich ist, dass wir im Turm brauen“, erinnert sich der 44-Jährige. „Das war völlig unkompliziert.“ Das Stadtoberhaupt habe sofort zugestimmt, „zumal wir keine kommerziellen Ziele verfolgen“.

Brauen aus Freundschaft: Pulverbräu aus Attendorn.

Bürgermeister durfte als Erster probieren

Mit Einkochkessel und Co. funktionieren die Freunde im April 2018 das historische Gebäude in einen Braukeller um. Stellen Stühle vor den Turm und bauen einen Grill auf. „Das war irre gemütlich“, blickt Tobias Bock auf ein unvergesslichen Tag und eine ebensolche Nacht zurück. „Wir waren erst frühmorgens zu Hause.“ Schroten, Maischen, Läutern und Kochen brauche schließlich seine Zeit. Woche für Woche füllen die beiden Attendorner eine Probe aus dem Lagertank ab, kontrollieren Farbe und Geruch und entwickeln das Logo für ihre Etiketten.
Nach einigen Wochen ist es endlich so weit. Das Pulverbräu kann verkostet werden. „Der Bürgermeister war der Erste, der probieren durfte“, so Bock. Hinter der Apotheke von Christian Springob bauen die Freunde seinerzeit einen Stand auf, „wir haben dort ein kleines Tasting veranstaltet.“ Dazu reichen sie Treberbrot aus dem Holzofen. „Das backen wir heute noch“, lobt Bock den herzhaften Geschmack. „Wir waren mit dem ersten Brauergebnis zufrieden“, erzählt Springob. Daher behalten die Freunde die Rezeptur bei, optimieren aber Technik und die Optik. Herausragenden Suden geben sie einen Namen – erzeugen ein Wunschkind und ein Prinzesschen nach Märzener Brauart mit Röst- und Karamellmalz. „Pulverbräu ist ein recht frisches Bier“, sagt Bock. Ungeklärt und ungefiltert schmecke es ein wenig nach Honig, habe trotz seiner Fruchtnote eine leichte Hopfenbittere im Abgang.

Brauen aus Freundschaft: Pulverbräu aus Attendorn.

20 Liter Pulverbräu pro Brautag

20 Liter Pulverbräu stellen die Attendorner an einem Brautag her, rein für den Eigenverbrauch. Derzeit nur nicht mehr im Pulverturm. „Während der Pandemie verzichten wir darauf.“ Jetzt muss die Gartenküche von Tobias Bock herhalten. Die Produktion ausbauen möchten die Kleinbrauer vorerst nicht. „Das Hobby ist zeitintensiv“, weiß Springob, „vielleicht vergrößern wir irgendwann unsere Anlage, dann könnten wir auf einer privaten Party unser eigenes Bier aus dem Zapfhahn fließen lassen.“ Brauen entspanne, ist sich Bock sicher. „Das soll auch so bleiben. Wir haben viel Zeit zum Quatschen und zum Philosophieren.“
Seit Kindheitstagen kennen und schätzen sich die beiden Attendorner. So ist auf den Etiketten der 1-Liter-Flaschen nicht nur der in einen Krug verwandelte Turm zu sehen, sondern ist auch „Brauen aus Freundschaft“ zu lesen. „Genau das ist unsere Intention“, hält Bock fest. Wann der Apotheker und der Ingenieur die schwere Tür des Pulverturms wieder aufschließen werden, ist ungewiss.
So pflegen sie ihre Freundschaft bis auf Weiteres in Bocks Garten, während die Rückkehr des geschichtsträchtigen Bauwerks am Ennester Tor in den Dornröschenschlaf einhergeht mit der Krise.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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