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Käse aus der Atta-Höhle
Gereift neben Stalagmiten und Stalaktiten

Bis zu 2000 Laibe Käse reifen in der Atta-Höhle.
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yve Attendorn. Ein lauter Knall, eine Wolke aus Staub steigt auf. Dann wird es ruhig. Arbeiter der Biggetaler Kalkwerke aus Attendorn können kaum glauben, was ihre herbeigeführte Explosion ans Licht gefördert hat. Sie blicken in ein atemberaubendes Tropfstein-Labyrinth. Vor ihnen hat sich eine bezaubernde Welt aus Stalagmiten und Stalaktiten aufgetan – ein wahres Naturwunder, entdeckt im Jahr 1907.
1800 Meter der Atta-Höhle frei zugänglichDie spätere Atta-Höhle, benannt nach der Fürstin Atta, die der Hansestadt ihren Namen gab, wird zu einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in der Region und weit darüber hinaus. Der von Felsen umgebende Raum misst 6670 Meter, frei zugänglich sind 1800 Meter.

yve Attendorn. Ein lauter Knall, eine Wolke aus Staub steigt auf. Dann wird es ruhig. Arbeiter der Biggetaler Kalkwerke aus Attendorn können kaum glauben, was ihre herbeigeführte Explosion ans Licht gefördert hat. Sie blicken in ein atemberaubendes Tropfstein-Labyrinth. Vor ihnen hat sich eine bezaubernde Welt aus Stalagmiten und Stalaktiten aufgetan – ein wahres Naturwunder, entdeckt im Jahr 1907.

1800 Meter der Atta-Höhle frei zugänglich

Die spätere Atta-Höhle, benannt nach der Fürstin Atta, die der Hansestadt ihren Namen gab, wird zu einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in der Region und weit darüber hinaus. Der von Felsen umgebende Raum misst 6670 Meter, frei zugänglich sind 1800 Meter.
Geschichtsträchtig ist auch das Jahr 1986, Forscher finden eine weitere 5 Kilometer lange Höhle mit einem faszinierenden Arrangement aus Tropfsteinen, die nur 8 bis 15 Millimeter in 100 Jahren wachsen. Eine Erschließung ist zu gefährlich, der Zugang bleibt der Öffentlichkeit verwehrt.

2000 Laibe Käse

Doch die Attendorner Attraktion birgt noch ein weiteres Kuriosum. Bis zu 2000 Laibe Käse lagern in einem früher ungenutzten Bereich der unterirdischen Berühmtheit. Vor etwa 15 Jahren beginnt die Erfolgsgeschichte des Atta-Käses. Ein Landwirte-Ehepaar aus dem Oberbergischen nimmt Kontakt zum Betreiber der Atta-Höhle auf. Auf seinem Hof produziert das Paar Bio-Käse. Doch wie mundet dieser wohl, wenn er in einer Höhle reift? Eine Frage, die in Attendorn gewaltige Neugierde weckt. „Am Anfang war es ein Experiment“, erinnert sich Sabine Kindervater, heute Inhaberin der Atta-Käserei und Tochter von Wolfgang Böhmer, Geschäftsführer der Atta-Höhle.
Zunächst lagern sechs bis sieben Käseräder in der Nachbarschaft zu bizarren Gebilden. Nach vier Wochen wird der erste Laib ans Tageslicht geholt und in das angrenzende Restaurant „Himmelreich“ gebracht. Das gesamte Personal erlebt das Debüt des in den Tiefen der Wunderwelt gereiften Käses mit – inklusive Kostprobe. Die allerdings fällt ernüchternd aus. „Das Ergebnis war nicht befriedigend“, erzählt Sabine Kindervater.

Zehn Woche unter der Felsspalte

Die Testphase geht also in die zweite Runde. Nun verbleiben die Laibe zehn Wochen unter der mächtigen Felsspalte. Dann die Überraschung. „Alle empfanden den Geschmack als exzellent“, weiß Sabine Kindervater. Nach dem geglückten Reifeprozess treten die Räder ihre Reise zurück ins Oberbergische an. Irgendwann manifestiert sich in der Hansestadt der Wunsch nach einer eigenen Käserei, Kontakt zu hiesigen Bauern wird aufgenommen, Milch von Kühen aus der Mittelgebirgslandschaft, dem Sauerland, soll der Hauptbestandteil des Edelprodukts sein. Ein Käsemeister wird gefunden, und fortan läuft die Herstellung in Eigenregie.
Heute entwickelt sich jeder Laib zunächst zehn Wochen im Reiferaum der Käserei und weitere zehn Wochen in der Tropfsteinhöhle, die vor unglaublichen 400 Millionen Jahren entstand, als der heutige Felsen noch Korallenriff in einer Meeresbucht der Urzeit war.

Ganz besonderes Klima

Sabine Kindervater beschreibt den Ort als einen einmaligen Raum mit einer konstanten Temperatur von 9 Grad Celsius und mit einer gleichbleibenden Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent. „Dieses Klima kann man künstlich nicht erzeugen.“ Es sei einfach unnachahmlich und verleihe dem Käse seine einzigartige Note. Wochenlang werde er „gepflegt“. „Das ist richtige Handarbeit.“ Mehrmals wöchentlich müssen die Räder von Hand mit Salzlake gewaschen und gewendet werden. „Der Atta-Käse ist ein reines Naturprodukt, daher ist auch die Rinde zum Verzehr geeignet.“

Käse als Souvenir

Die würzige Variante der Anfangszeit ist immer noch die beliebteste. Sie hat aber mit den Zutaten Kümmel, Pfeffer, Bockshornklee oder Bärlauch pikante Geschwister bekommen. Viele Touristen, die die Atta-Höhle besuchen, kaufen die Sorten als Souvenir. Der herzhafte „Gusto“ bleibe einigen Gästen so sehr in Erinnerung, dass sie teils von weither ins Sauerland zurückkehrten, nur um sich mit Käse zu bevorraten, freut sich Sabine Kindervater.
Zu den Hauptabnehmern gehören ansonsten viele Hotelbetreiber und Gastronomen aus der Umgebung, die derzeit ihre Häuser aufgrund der Pandemie geschlossen halten müssen. Daher hat auch die Käserei im zweiten Lockdown ihren Betrieb heruntergefahren. Doch in der heimischen Stube macht der von Hand geformte Atta-Käse eine ebenso gute Figur. Veredelt als Zutat zum Beispiel Gerichte wie Burger, Flammkuchen und mehr. Ansonsten einfach anschneiden, zu feinen Weinen oder Bier und rustikaler Brotzeit reichen. Lecker!

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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