Geschenke aus dem Gefängnis

JVA-Verkaufsausstellung mit rund 5000 Artikeln / 1500 Besucher werden erwartet

hobö Attendorn. Viele Menschen aus der Region fiebern alljährlich einem Termin in der Vorweihnachtszeit entgegen: die Verkaufsausstellung in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Attendorn. Dort in Gut Ewig können an diesem Tag Holzarbeiten der Gefangenen besichtigt und erworben werden – und das für einen günstigen Preis. Denn lediglich die Material- und Energiekosten fließen in die Preisgestaltung ein. Auf einer Verkaufsfläche von ca. 1000m2 werden zusätzlich zu den 1700 Holzartikel und -spielzeugen rund 3500 Holzfiguren angeboten. Die Verkaufsausstellung in der JVA Attendorn findet in diesem Jahr am Samstag, 2. Dezember von 12 bis 17 Uhr statt. »Hier das ist schon etwas Besonderes«, erklärte gestern JVA-Leiter Michael Wulf im Rahmen eines Pressegesprächs. Das Warenangebot und die Menge seien einzigartig.

Angefertigt werden die Artikel in der JVA-Arbeitstherapie. Ziel dieser ist es, Fähigkeiten für eine Erwerbstätigkeit nach der Entlassung zu vermitteln, zu erhalten oder zu fördern. Ein wichtiger Gesichtspunkt ist die Förderung von persönlicher und sozialer Kompetenz (Fähigkeit zur Gruppenarbeit fördern, Belastbarkeit erhöhen, Arbeitsleistung steigern und Fertigkeiten erwerben). »Das ist kein Zuckerschlecken oder eine Bastelaktion«, unterstrich Wulf. Die Gefangenen müssen um 6.15 Uhr zum Arbeitsantritt erscheinen, um 15 Uhr ist Schichtende.

Von den derzeit 356 Gefangenen in der JVA Attendorn befinden sich 208 in einem Beschäftigungsverhältnis. 170 außerhalb der Gefängnismauern und 38 in Arbeitstherapie. Unbeschäftigte Gefangene gibt es 148. 68 davon sind wegen Krankheit, Nichteignung oder wegen Zu- und Abgangsregelungen nicht arbeitsfähig, immerhin 80 können mangels Arbeit nicht beschäftigt werden. Das Problem Arbeitslosigkeit ist insofern zwar nicht mehr ganz so dramatisch wie im Vorjahr, aber weiterhin eines der Hauptthemen innerhalb der JVA.

Bedingt durch die allgemeine Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt befinden sich in der JVA Attendorn vermehrt Inhaftierte, de seit längerer Zeit nicht mehr im Arbeitsprozess gestanden haben und teilweise auch keinen geregelten Arbeits- bzw. Tagesablauf kennen gelernt haben. Gerade hier soll die Arbeitstherapie ansetzen. In Attendorn sind in den Bereichen Holzbearbeitung bis zu 50 Plätze sowie Gartenbau und -pflege bis zu zehn Plätze eingerichtet. Die in dieser Therapieform eingesetzten Gefangenen erhalten pro Tag ein Entgelt von 5,95e.

In der Arbeitstherapie Holz werden ausschließlich Produkte aus Lärchenholz gefertigt. Sie werden anschließend mit Speiseöl behandelt. Besonders stark zu beanspruchende Artikel wie Stehtische oder Bollerwagen sind mit Parkettlack versiegelt. Die handgeschliffenen und bemalten Figuren bekommen einen Überzug aus speichelfestem Lack, damit sie den Anforderungen an Kinderspielzeug genügen. Diesbezüglich hat die Arbeitstherapie in Attendorn Modellcharakter. Inzwischen werden die dort erstellten Spielzeug-Modelle zertifiziert und mit einer Altersempfehlung gekennzeichnet. »Unser Spielzeug war schon immer sicher, aber jetzt wird dies auch noch mit Bauplänen und -beschreibungen dokumentiert«, betonte Sachgebietsleiter Jürgen Streiß.

Er erwartet bei der Verkaufsausstellung bis zu 1500 Gäste, die überwiegend nach Geschenken für Weihnachten suchen. Um diesen ein entsprechendes Angebot zu schaffen, wird derzeit kräftig gewerkelt und der ansonsten immer werktags geöffnete Verkaufsraum im Monat November komplett geschlossen. Somit stehen den Besuchern am 2. Dezember annähernd 5000 Artikel zur Auswahl. Die Palette der Erzeugnisse erstreckt sich von Nützlichem für den Garten über Nistkästen und Gartenmöbel, vielseitiges Holzspielzeug bis hin zu Großprojekten. Großprojekte waren in den vergangenen Jahren beispielsweise auch der originalgetreue Holz-Nachbau eines Lanz »Bulldog« oder Opel »Blitz« im Maßstab 1:1, die sogar Eintrag in Guiness-Buch der Rekorde fanden und am Verkaufstag zu besichtigen sind. Bereits im Bau befindet sich ein Nachbau des legendären VW »Bully« T1.

Für die Gefangenen sei die Verkaufsausstellung auch etwas Besonderes, erklärte Michael Wulf abschließend. Es sei immer wieder ein Erlebnis, zu sehen, mit wie viel Stolz die Inhaftierten ihren Angehörigen zeigten, was sie geschaffen haben. Und außerdem seien die Gefangenen keine Nummer, sondern voll integrierte Mitarbeiter.

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