Heimatpflege aus einem »Tief« geholt

Kreisheimatpfleger Günther Becker hielt Rückblick auf die vergangenen 25 Jahre

nico Niederhelden. Den eigentlichen Teil der Versammlung, die einstimmige Wiederwahl der 2. Vorsitzenden, Susanne Falk, der Beisitzer Antonius Klein (Wenden) und Christof Hennrichs (Heinsberg), konnte Professor Hubertus Halbfas, bei der 20. Herbstversammlung des Kreisheimatbundes am Freitag im Hotel Platte bereits nach acht Minuten beenden. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen hernach Grundfragen der Heimatpflege im Kreis Olpe sowie Aspekte der Heimatarbeit im kurkölnischen Sauerland und in Westfalen.

Kreisheimatpfleger Günter Becker, der zum Ende des Jahres sein Amt niederlegt (die SZ berichtete), ließ in diesem Zusammenhang die vergangenen 25 Jahre seiner Arbeit Revue passieren. Angefangen beim Westfalentag 1965 in Soest. Becker erinnerte sich an das Zitat eines Besuchers: »Den Heimatbund wird es in 20 Jahren nicht mehr geben.« Becker betonte, dass die 60er Jahre geprägt gewesen seien von Geschichtslosigkeit und Desinteresse Der damalige Kreisdirektor Theo Hundt habe dieser Interesselosigkeit vehement entgegengewirkt, bedauerte jedoch noch zehn Jahre später geringes Interesse an der Heimatkunde.

Der Wandel kündigte sich erst in der zweiten Hälfte der 70er Jahre an. Neues Bewusstsein konnte durch die kommunale Neugliederung im Kreis Olpe und im südwestfälischen Raum gewonnen werden. Becker sieht den Vorteil auch darin, dass die sieben Heimatvereine im Kreis für ihn leicht überschaubar waren. Am 1. Oktober 1977 nutzte Becker laut eigner Aussage die Gunst der Stunde, als der Wind den Heimatvereinen nicht mehr ins Gesicht blies und übernahm das Amt des Kreisheimatpflegers.

Mit der Zeit, berichtete Becker weiter, besannen sich auch die Ortschaften wieder auf Tradition. Im Jahre 1979 feierten insgesamt 19 Ortschaften ein Jubiläum. Das folgende Jahr war auch ein denkwürdiges – das Denkmalschutzgesetz wurde aus der Taufe gehoben. Und 1981 trat der erste hauptberufliche Archivar seinen Dienst beim Kreis an. Im September 1986 wurde der Kreisheimatbund mit 134 Personen auf der Hohen Bracht gegründet und sofort überall gut aufgenommen. Die Zahl der Mitglieder sei kontinuierlich bis auf momentan 461 angewachsen.

Becker verwies auch auf die »Heimatstimmen«, die es seit Anfang der 1920er Jahre gibt und vom Kreisheimatbund 1981 übernommen wurden. Von 1978 bis 1994 übernahm Becker die Schriftführung, bis er 1995 von Josef Wermert abgelöst wurde.

Becker kritisierte jedoch, dass die Heimatstimmen mit ihren etwa 1130 Abonnenten zu unbekannt seien und man nur durch Mundpropaganda neue Leser gewinnen könne. Becker erinnerte in seinen Ausführungen, an das Kreisheimatmuseum, das 1980 in Attendorn seine Pforten öffnete und dem 18 Einrichtungen folgten, beispielsweise die Wendener Hütte, das Museum der Stadt Lennestadt und das Heimathaus in Schönholthausen. Verbessert habe sich die bessere Zugänglichkeit zu kommunalen Archiven und die Pflege der Plattdeutschen Sprache, die nicht ausgestorben sei.

Wenn über Heimatpflege gesprochen werde, habe auch der Wettbewerb »Unser Dorf soll schöner werden« einen hohen Stellenwert, der sich vom »Blümchenwettbewerb« zu einem wichtigen und unentbehrlichen Element etabliert habe und mit 123 teilnehmenden Dörfern im Kreis Olpe einen Rekord auf Landesebene darstelle. Zum Abschluss seiner Ausführungen richtete Becker seinen Blick in die Zukunft und betonte: »Es gibt viel zu tun.«

Professor Hubertus Halbfas erinnerte im Anschluss an wichtige Säulen der Arbeit des Kreisheimatbundes. Dazu gehöre die Baupflege, bei der insbesondere die Gesichter der Ortschaften gepflegt werden müssten. Ortschaften sollten nicht wie beispielsweise im oberbergischen Land, den Charakter eines »Legolandes« annehmen. Ebenso solle der Naturschutz intensiviert werden. Das Ziel, eine Landschaftsstation zu errichten, sei bislang jedoch seitens der Politiker abgelehnt worden. In Arbeit sei ein Buch, in dem der Denkmalbegriff Platz finden solle und alle Formen der Architektur im Kreis Olpe widerspiegeln solle. Für dieses Werk, das voraussichtlich bis Ende 2005 fertig sein soll, werden alle finanziellen Mittel des Kreisheimatbundes aufgebraucht.

Geplant sei weiterhin eine bunte und informative Internetpräsenz. Zu diesem Thema konnte die eingeladene Geschäftsführerin des Westfälischen Heimatbundes, Dr. Edeltraud Klueting, den ersten Entwurf präsentieren. Dr. Klueting betonte, dass es kein Medium zur Mitgliederwerbung sei, sondern zur kommunikativen Darstellung. Ab Dezember solle der Westfälische Heimatbund online zu finden sein. Links führen beispielsweise zu den Themen Organisation, Wanderwege, Geschäftsstelle, Termine und Aktuelles. Dr. Klueting rief die Heimatvereine auf, ihre eigenen Seiten auf dem Heimatbundportal einzutragen um somit einen besseren Informationsfluss zu gewährleisten.

Die Geschäftsführerin bedankte sich bei Günther Becker, dass er und seine Mitstreiter der Untergangsstimmung von 1965 stets entgegen wirkten.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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