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Leiter Ulf Borrmann zieht positives Fazit
JVA Attendorn kommt gut durch die Corona-Krise

Die Corona-Pandemie prägt auch das Leben in der Justizvollzugsanstalt Attendorn. Bislang gab es kein Infektionsgeschehen innerhalb der Anstalt.
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  • Die Corona-Pandemie prägt auch das Leben in der Justizvollzugsanstalt Attendorn. Bislang gab es kein Infektionsgeschehen innerhalb der Anstalt.
  • Foto: mari (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

mari Attendorn. Das Coronavirus prägt seit Mitte März auch das Leben in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Attendorn. Doch Anstaltsleiter Ulf Borrmann kann zum Jahresende ein aus seiner Sicht überaus positives Fazit ziehen: „Nach dem ersten Lockdown wurden für die Gefangenen des offenen Vollzugs bis Ende Juni die Heimaturlaube gestrichen – und es waren keine Besuche zugelassen. Auch die Ausgänge wurden weitestgehend gecancelt und nur bei nachgewiesenem Bedarf erlaubt. Phasenweise eingeschränkt wurden auch externe Angebote wie die Suchttherapien und das Antigewalttraining. Es war überraschend, wie gut unsere Gefangenen die Maßnahmen und Einschränkungen, die wir konsequent durchziehen, mitgetragen haben. Es gab nicht einen Fall von Lagerkoller. Das ist bemerkenswert.

mari Attendorn. Das Coronavirus prägt seit Mitte März auch das Leben in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Attendorn. Doch Anstaltsleiter Ulf Borrmann kann zum Jahresende ein aus seiner Sicht überaus positives Fazit ziehen: „Nach dem ersten Lockdown wurden für die Gefangenen des offenen Vollzugs bis Ende Juni die Heimaturlaube gestrichen – und es waren keine Besuche zugelassen. Auch die Ausgänge wurden weitestgehend gecancelt und nur bei nachgewiesenem Bedarf erlaubt. Phasenweise eingeschränkt wurden auch externe Angebote wie die Suchttherapien und das Antigewalttraining. Es war überraschend, wie gut unsere Gefangenen die Maßnahmen und Einschränkungen, die wir konsequent durchziehen, mitgetragen haben. Es gab nicht einen Fall von Lagerkoller. Das ist bemerkenswert.“

Hygiene hat in der JVA Attendorn höchste Priorität

Die Umsetzung der Hygienemaßnahmen hatte von Anfang hohe Priorität, sowohl bei den Begegnungen der Bediensteten untereinander, mit den Häftlingen und in den Arbeitstherapien. Borrmann: „Die Abstandsregeln wurden seit dem 16. März strikt eingehalten, zumal in den ersten Wochen die Desinfektionsmittel und Masken sehr knapp waren. Dienstbesprechungen wurden auf das Notwendigste beschränkt und viele Dinge am Telefon besprochen.“ Damit nicht zu viele Gefangene im Speisesaal zusammenkamen, habe man für Häftlinge der verschiedenen Arbeitstherapien separate Essenszeiten angeboten. Viele von ihnen hätten sich ihre Mahlzeiten auch mit in die Zelle genommen.
„Wir haben davon profitiert, dass seit März Ersatzfreiheitsstrafen nicht vollstreckt worden sind. Daher war die Belegung im offenen Vollzug sehr niedrig, und wir konnten die Gefangenen in Einzelzellen unterbringen“, erklärte der Anstaltsleiter. „Nachdem im November 16 Inhaftierte von der Weihnachtsamnestie profitierten, sind derzeit 120 Inhaftierte im offenen Vollzug, für den wir 300 Haftplätze haben. Im geschlossenen Vollzug haben wir 130 Haftplätze und derzeit 100 Inhaftierte. Von ihnen sind auch einige in Einzelzellen, doch eine Einzelunterbringung eignet sich nicht für alle Gefangenen.“

Häftlinge fahren wieder zur Arbeit

Seit Ende Juni sind Besuche wieder erlaubt. Damit es nicht zu Infizierungen kommt, wurden Plexiglasboxen installiert. Die Häftlinge, die in Attendorner Firmen beschäftigt sind, fahren auch wieder zur Arbeit. Freigänge werden für die Inhaftierten, die sich selbst verpflegen, die Vorbereitungen für ihre Entlassung treffen oder zum Arzt müssen, ebenfalls wieder genehmigt. Alles läuft nach Auskunft des Anstaltsleiters reibungslos.
Er ist froh, dass es bislang kein Infektionsgeschehen innerhalb der Anstalt gab. „Aus dem Bereich der Bediensteten gab es den ein oder anderen Fall, doch die Infizierung erfolgte im privaten Bereich. Bei allen Zugängen für den offenen und geschlossenen Vollzug erfolgte eine Testung, und die Gefangenen wurden bis zur Vorlage des Ergebnisses isoliert untergebracht. Zwei Inhaftierte, die in Attendorner Firmen arbeiten und auch Freigang haben, haben sich draußen angesteckt. Davon erkrankte einer schwer und musste im Krankenhaus behandelt werden. Er hat sich aber inzwischen wieder erholt. Stand heute sind wir corona-frei. Bis jetzt sind wir mit unseren Maßnahmen gut gefahren. Wenn jedoch noch weitere Einschränkungen kommen, womit ich rechne, müssen wir schauen, wie es weitergeht. Ich bin auch gespannt auf die Impfphase und froh darüber, dass Bedienstete im Strafvollzug dabei eine gewisse Priorität haben sollen.“

Adventsbasar wandert in die Stadt

Neben den positiven Erfahrungen, die Anstaltsleiter Ulf Borrmann und seine Kolleginnen und Kollegen im Corona-Jahr machten, gab es noch einen weiteren positiven Effekt für die Justizvollzugsanstalt Attendorn. Als im Herbst die Infektionszahlen wieder in die Höhe gingen, kam natürlich die Frage auf, was aus dem traditionellen Adventsbasar wird, der jährlich Tausende Besucher in die JVA lockt. Um wie in den Vorjahren ein attraktives Angebot anzubieten, haben die Häftlinge aus der Arbeitstherapie Holz wieder das ganze Jahr emsig gewerkelt. „Da haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und den Basar in ein leerstehendes Ladenlokal in der Stadt, das uns die Stadt Attendorn zur Verfügung gestellt hat, verlegt“, berichtete Borrmann.
„Wir hatten bis zum 15. Dezember drei Wochen lang jeden Nachmittag geöffnet. Es gab viel Laufkundschaft – und unsere Erwartungen sind übertroffen worden. Die bisherigen Umsätze konnten getoppt werden. Nach dieser positiven Erfahrung überlegen wir, den Basar auch in den nächsten Jahren außerhalb zu veranstalten.“

Die Corona-Pandemie prägt auch das Leben in der Justizvollzugsanstalt Attendorn. Bislang gab es kein Infektionsgeschehen innerhalb der Anstalt.
Ulf Borrmann, Leiter der Justizvollzugsanstalt Attendorn.
Autor:

Marianne Möller

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