SZ

Blick in die Geschichte der Stadt
Widerlager der Zugbrücke in Attendorn entdeckt

Dr. Eva Cichy und der Bauleiter der Stadt Attendorn, Frederik Schmidt, besprechen, wie die vielleicht 700 Jahre alte Mauer abgetragen werden soll. Sie bildet vermutlich eine Seite des Widerlagers der einstigen Zugbrücke am Wassertor.
3Bilder
  • Dr. Eva Cichy und der Bauleiter der Stadt Attendorn, Frederik Schmidt, besprechen, wie die vielleicht 700 Jahre alte Mauer abgetragen werden soll. Sie bildet vermutlich eine Seite des Widerlagers der einstigen Zugbrücke am Wassertor.
  • Foto: win
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

win Attendorn. Im nächsten Jahr soll in Attendorn groß gefeiert werden. Der Anlass ist gegeben: Denn 2022 liegt die Verleihung der Stadtrechte genau 800 Jahre zurück. Für diesen Anlass putzt sich die Stadt derzeit heraus; viele Straßen und das Zentrum werden saniert und aufgehübscht. Auch das Wassertor. Wie schon zuvor bei anderen Straßen der Hansestadt an der Bigge mit einem „Tor“ im Namen, soll auch diese Einfallstraße so umgestaltet werden, dass Besucher der Stadt erkennen, warum sie so heißen: dass hier eben früher eines der Stadttore Einlass durch die Mauern gewährten.

Dazu wird ausgeschachtet.

win Attendorn. Im nächsten Jahr soll in Attendorn groß gefeiert werden. Der Anlass ist gegeben: Denn 2022 liegt die Verleihung der Stadtrechte genau 800 Jahre zurück. Für diesen Anlass putzt sich die Stadt derzeit heraus; viele Straßen und das Zentrum werden saniert und aufgehübscht. Auch das Wassertor. Wie schon zuvor bei anderen Straßen der Hansestadt an der Bigge mit einem „Tor“ im Namen, soll auch diese Einfallstraße so umgestaltet werden, dass Besucher der Stadt erkennen, warum sie so heißen: dass hier eben früher eines der Stadttore Einlass durch die Mauern gewährten.

Dazu wird ausgeschachtet. Und weil Attendorn eben viele Hundert Jahre alt ist und weil auch in der Vergangenheit schon viele Relikte der Jahrhunderte im Boden entdeckt wurden, werden die Tiefbauer in solchen Fällen stets von den Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) begleitet. Und diese wurden nicht enttäuscht. Am Freitag stellten sie zur Halbzeit der Arbeiten am Wassertor ihre Ergebnisse vor.

Eins stand in Attendorn ein prächtiges Stadttor

„Dass wir etwas finden würden, wussten wir ja“, so Dr. Eva Cichy, die mit ihren Kolleginnen und Kollegen auf Unterlagen des Attendorner Stadtarchivs und die Arbeit ihrer Vorgänger bei der LWL-Archäologie in der Außenstelle Olpe zurückgreifen konnten. Es gibt alte Ansichten der Stadt, etwa eine von 1750 des bekannten Zeichners Renier Roidkin, die ahnen lassen, welch prächtiges Stadttor hier einst stand, und bei Tiefbauarbeiten in den 1960er- und den 1980er-Jahren waren links und rechts der Straße bereits die Grundmauern der beiden vorgelagerten Wachtürme gefunden und kartiert worden. So legte der unter Archäologen-Aufsicht vorsichtig geführte Bagger der Firma Kebben, wie erwartet, auch Reste der einstigen Stadtbefestigung frei, genau da und genau so wie von den Fachleuten vermutet.

Diese Zeichnung des wallonischen Malers Renier Roidkin zeigt Attendorn um 1750, das Wassertor in Gelb hervorgehoben.
  • Diese Zeichnung des wallonischen Malers Renier Roidkin zeigt Attendorn um 1750, das Wassertor in Gelb hervorgehoben.
  • Foto: win
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Und mehr. Denn ein wenig schräg zur und leicht vor der Mauer lagen weitere geschichtete Steine, gröber behauen und ganz offensichtlich älter. „Ich war sehr irritiert und hatte zuerst gar keine Idee, was das hier sein könnte“, so die promovierte Archäologin. Doch dann kam ihr eine Idee in den Sinn, die der 2007 verstorbene Attendorner Heimatforscher Ludwig Korte einmal festgehalten hatte. Dieser war sicher, dass vor der von Roidkin gezeichneten, festungsartigen Anlage des Wassertors hier eine Zugbrücke gewesen sei. Und das passt genau zu dem jüngsten Fund. „Ich habe so etwas mal in England gesehen, und das passt genau. Wir sind fast sicher, dass wir hier das Widerlager der Zugbrücke haben, also den Teil, auf den die Brücke herabgelassen wurde“, so Dr. Eva Cichy.

Alte Mauer in Attendorn kann nicht komplett erhalten werden

Mit ihrem Chef, Prof. Dr. Michael Baales, dem Leiter der LWL-Archäologie in Olpe, ist sie nun gespannt auf die Fortsetzung der Arbeiten auf der anderen Seite der Straße. „Leider können wir die Mauer nur teilweise erhalten“, so Prof. Baales, denn ein dickes Rohr muss hier verlegt werden und fordert das Abtragen eines Großteils der alten Mauer.

Einen Blick in die Vergangenheit bieten die Tiefbauarbeiten am Wassertor. Eine Gartenmauer, vermutlich erst nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet, steht auf einer Schicht aus Kopfsteinpflaster, das wiederum auf eine planierte Brandschicht bildet, unter der ein Teil der ursprünglichen Zwingermauer des Wassertors erhalten ist.
  • Einen Blick in die Vergangenheit bieten die Tiefbauarbeiten am Wassertor. Eine Gartenmauer, vermutlich erst nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet, steht auf einer Schicht aus Kopfsteinpflaster, das wiederum auf eine planierte Brandschicht bildet, unter der ein Teil der ursprünglichen Zwingermauer des Wassertors erhalten ist.
  • Foto: win
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Beim Abtragen sind die Archäologen allerdings dabei und hoffen auf Funde wie Scherben oder Münzen, die helfen können, das Alter der Mauer genauer zu datieren, die wohl aus dem 14. Jahrhundert stammt. „In jedem Fall machen wir eine Mörtel-Analyse“, erklärt Dr. Cichy. Luftaufnahmen eines Multicopters wurden angefertigt, bevor der Bagger anrollte, und wenn die Firma Kebben die nun offene Baugrube verfüllt und zur provisorischen Fahrbahn ausgebaut hat, ist die andere Seite des Wassertors an der Reihe. „Da müssten wir vermutlich noch mehr finden als hier“, ist Prof. Baales die Vorfreude auf das, was kommt, anzumerken.

Zwar werden die historischen Mauern durch die Bauarbeiten teilweise zerstört, sind aber durch die genaue Kartierung nun wissenschaftlich erfasst und als Bilder digital für die Nachwelt erhalten. Sie sollen Teil einer Ausstellung zum Stadtjubiläum werden, wenn die eigentliche Straße in frischem Glanz erstrahlt und zumindest durch Stelen auch wieder als Tor erkennbar ist.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen