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Pianist Sebastian Knauer zweimal bei "Hope@Home"
Abwarten bei Musikfestwoche in Bad Berleburg

Der Radius des Hamburger Pianisten Sebastian Knauer ist derzeit sehr klein. Statt auf Tournee nach China, in die USA und das europäische Ausland führt ihn sein Weg erstmal nur nach Berlin, zu "Hope@Home". Dort tritt er im Wohnzimmer von Violinist Daniel Hope auf. Arte streamt live.
  • Der Radius des Hamburger Pianisten Sebastian Knauer ist derzeit sehr klein. Statt auf Tournee nach China, in die USA und das europäische Ausland führt ihn sein Weg erstmal nur nach Berlin, zu "Hope@Home". Dort tritt er im Wohnzimmer von Violinist Daniel Hope auf. Arte streamt live.
  • Foto: Gregor Hohenberg
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

zel Hamburg/Bad Berleburg. Sein letztes Konzert vor Live-Publikum hat Sebastian Knauer am 2. März beim Kurt-Weill-Fest in Dessau vor ausverkauftem Haus gespielt. Danach war der Pianist aus Hamburg in den Bergen zum Skifahren – und hat dort alsbald die Flucht ergriffen, als aus der latenten Corona-Gefahr eine Pandemie wurde. Seitdem ist Knauer, der nicht nur weltweit als Künstler, sondern auch in Deutschland als Festivalleiter (u. a. bei der Musikfestwoche in Bad Berleburg) gefragt ist, wie viele andere, wahrscheinlich wie alle anderen Musiker ohne Auftrittsmöglichkeit, denn das Virus hat die Konzertsäle der Welt geschlossen.
Mit Ulrich Tukur in Daniel Hopes WohnzimmerGeöffnet ist jedoch das Berliner Wohnzimmer von Daniel Hope.

zel Hamburg/Bad Berleburg. Sein letztes Konzert vor Live-Publikum hat Sebastian Knauer am 2. März beim Kurt-Weill-Fest in Dessau vor ausverkauftem Haus gespielt. Danach war der Pianist aus Hamburg in den Bergen zum Skifahren – und hat dort alsbald die Flucht ergriffen, als aus der latenten Corona-Gefahr eine Pandemie wurde. Seitdem ist Knauer, der nicht nur weltweit als Künstler, sondern auch in Deutschland als Festivalleiter (u. a. bei der Musikfestwoche in Bad Berleburg) gefragt ist, wie viele andere, wahrscheinlich wie alle anderen Musiker ohne Auftrittsmöglichkeit, denn das Virus hat die Konzertsäle der Welt geschlossen.

Mit Ulrich Tukur in Daniel Hopes Wohnzimmer

Geöffnet ist jedoch das Berliner Wohnzimmer von Daniel Hope. Dorthin lädt der Geiger seit einigen Wochen in der Arte-Sendereihe „Hope@Home“ Künstlerkollegen ein, um – in angemessenem Abstand – gemeinsam zu musizieren, zu lesen, zu sprechen und eingesandte Videos von Künstlerkollegen zu schauen, kurz: Kultur zu leben und daran teilzuhaben. Jeden Tag um 18 Uhr streamt Arte live, die Folgen sind auch im Nachgang noch anzusehen (www.arte.tv/hopeathome). Für diejenigen, die nicht streamen können odermögen: Am Sonntag um 17.40 Uhr strahlt Arte ein Best-of von „Hope@Home“ aus.
Sänger Max Raabe war schon da, Dirigent Christian Thielemann, Schauspielerin Katharina Thalbach, die Sänger Max Herre und Joy Delanane, Oboist Albrecht Mayer – und an diesem Freitag und Samstag ist Sebastian Knauer zu Gast. Am Freitag tritt Knauer mit seinem „alten Freund“ Ulrich Tukur auf, mit dem er vergangenes Jahr in Bad Berleburg einen großartigen „Moby-Dick“-Abend gab; am Samstag ist Knauer solo zu erleben und gemeinsam mit Daniel Hope, der die Reihe (auf Englisch) auch moderiert.

Besonderer Beethoven auf der neuen CD

Knauer will am Samstag erstmals ein kleines Stück von seiner neuen CD vorstellen, auf der er sich dem Geburtstagskind Beethoven auf ungewöhnliche Art und Weise nähert. „Das wird sich vom klassischen Beethoven entfernen“, orakeltSebastian Knauer am Donnerstag am Telefon. Wer jedoch seine CD „ÜberBach“ kenne, kann schon erahnen, wohin die Reise gehen könnte.
Mehr kann und will Knauer noch nicht verraten, denn der Veröffentlichungstermin der neuen CD ist coronabedingt verschoben worden. „Die Welt dreht sich ja nur noch um dieses kleine Biest, nichts anderes ist mehr von Interesse.“ Es fehle die Möglichkeit, das neue Werk im Laden zu kaufen, „unser Publikum kennt sich noch nicht so sehr mit Streaming aus“, glaubt der Pianist. Er selbst habe sich „bewusst ein bisschen zurückgehalten“ beim Livestreaming, obwohl es genug Anfragen gegeben habe, wollte „ein klein bisschen ruhig bleiben“.

Erinnerungen an ein anderes Virus: Sars

Eine Grußbotschaft habe er aufgenommen für China, wo er aktuell nicht spielen kann. Da gibt es eine besondere Verbindung, und sie hat auch mit einem Virus zu tun: Sars. Vor 17 Jahren war das, da sei er in einer Boing 747 (mit drei weiteren Passagieren) nach China gereist, „als niemand mehr nach China gereist ist“, um in Shanghai open air ein Benefizkonzert für die Sars-Opfer zu geben. „Das war ein Erlebnis, und es ist gut, das gemacht zu haben.“ Daher der kleine Gruß per Video. 

Schrecklich: die US-Kollegen arbeitslos

China, USA, das europäische Ausland, Südamerika – alles Länder, in die Sebastian Knauer sein Tourneeplan geführt hätte. Abgesagt. Verschoben. Und Knauer in Telefonkonferenzen, am Absagen, am Verschieben. Er berichtet Schreckliches aus den USA, etwa vom New York Philharmonic Orchester oder der Metropolitan Opera – die Kollegen dort seien allearbeitslos. Sie waren nicht in staatlichen Orchestern beschäftigt. „Das ist schon dramatisch für unsere Branche“, sagt Knauer, nicht nur für die Künstler, sondern auch für Veranstalter und Agenturen.

"Was ist schon groß?"

Er selbst ist nicht nur als Künstler, sondern auch als künstlerischer Leiter internationaler Musikfestspiele von der Corona-Pandemie betroffen. In Aachen sollte nächste Woche ein neues Festival starten – sollte. Großveranstaltungen sind, wieberichtet, bis 31. August abgesagt – „aber was ist groß?“ Die 48. Musikfestwoche auf Schloss Berleburg vom 6. bis 12. Juli könnte betroffen sein, muss sie aber nicht. In Abstimmung mit der Kulturgemeinde und der Stadt will Knauer erst einmal abwarten, wie das Land die Regelung präzisieren und umsetzen will. Wie gern würde man Sebastian Knauer, würde man Daniel Hope mit dem Zuckerman Trio live erleben!

In diesem Netzwerk sind alle Profis

Knauer, Hope, Tukur, Albrecht Mayer, Katja Riemann und all die anderen: Die Künstler kennen sich sehr gut und haben über viele Jahre ein enges Netzwerk aufgebaut, in dem man sich gegenseitig hilft,
Informationen austauscht, sich vertraut, wenn einer sagt: „Da musst du hin, die Atmosphäre ist einmalig.“ (So geschehen in Bad Berleburg.)Und so funktioniert auch das Format „Hope@Home“, das bereits über 650 000 Zuschauer in aller Welt hat(te): „Wir sind alle Profi genug und relativ spontan bei der Sache – es ist alles vorhanden.“

Autor:

Regine Wenzel (Redakteurin) aus Siegen

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