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Begegnung von Nham-hee Völkel-Song und Ida Dehmel
Dialog in Galerie GEDOK Berlin

Sowohl der jüdische Davidstern als auch der koreanische Taegeuk verweisen darauf, dass es ein Mehr hinter dem Offensichtlichen gibt, eine göttliche Kraft, die den Menschen nicht sich selbst überlassen will. Die beiden Arbeiten stehen auch sinnbildhaft für das Schaffen der lange in Wittgenstein beheimateten Künstlerin Nham-hee Völkel-Song.
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  • Sowohl der jüdische Davidstern als auch der koreanische Taegeuk verweisen darauf, dass es ein Mehr hinter dem Offensichtlichen gibt, eine göttliche Kraft, die den Menschen nicht sich selbst überlassen will. Die beiden Arbeiten stehen auch sinnbildhaft für das Schaffen der lange in Wittgenstein beheimateten Künstlerin Nham-hee Völkel-Song.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

ciu Berlin/Bad Berleburg. In der Begegnung schärft sich der Blick auf das eigene Leben. 75 Jahre – in der Rückschau. Ein Auf und ein Ab, ein Wechselspiel von Schwer und Leicht, von Hell und Dunkel. Erzählt in Bildern und Texten und in der Verbindung von beidem, von Schrift, die zum Bild wird und in Verbindung mit dem Grund, dem Papier, auch zum Objekt. Nham-hee Völkel-Song kann auf ein langes künstlerisches Schaffen blicken. Sie reflektiert ihr Tun und auch ihr Lassen dabei nicht allein in der Selbstbetrachtung, sondern spiegelt es im Leben einer Frau, mit der sie sich in einem tiefen Sinn verbunden fühlt, mit der Kunstförderin und Frauenrechtlerin Ida Dehmel.

ciu Berlin/Bad Berleburg. In der Begegnung schärft sich der Blick auf das eigene Leben. 75 Jahre – in der Rückschau. Ein Auf und ein Ab, ein Wechselspiel von Schwer und Leicht, von Hell und Dunkel. Erzählt in Bildern und Texten und in der Verbindung von beidem, von Schrift, die zum Bild wird und in Verbindung mit dem Grund, dem Papier, auch zum Objekt. Nham-hee Völkel-Song kann auf ein langes künstlerisches Schaffen blicken. Sie reflektiert ihr Tun und auch ihr Lassen dabei nicht allein in der Selbstbetrachtung, sondern spiegelt es im Leben einer Frau, mit der sie sich in einem tiefen Sinn verbunden fühlt, mit der Kunstförderin und Frauenrechtlerin Ida Dehmel.

Neue Impulse in Berlin

Hier die „Tochter des Südens“, so überträgt Nham-hee Völkel-Song ihren koreanischen Namen ins Deutsche, eine Weltenwanderin, die 1967 aus Korea nach Deutschland, nach Wittgenstein, kam und sich 2007 noch einmal neu auf den Weg machte, um in Berlin frische künstlerische Impulse aufzunehmen und für sich weiterzuentwickeln. Dort die in der deutsch-jüdischen Tradition aufgewachsene Rheinländerin (1870 in Bingen geboren), auch deren Geschichte die einer Emanzipation ist. Sie agierte mit ihrem Engagement in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wegweisend und inspirierend, wurde von den Nationalsozialisten aber zusehends verfemt, bekämpft, zerstört – Ida Dehmel setzte ihrem Leben 1942 nach zu vielen „Höllenstunden“ ein Ende.

Ida Dehmel: Gründerin von GEDOK

Was sie angestoßen hat, hat die Zeiten überdauert: 1926 gründete sie in Hamburg die „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“, die GEDOK, die gegenwärtig fast 3500 Mitglieder zählt, ein Netzwerk für Künstlerinnen unterschiedlicher Disziplinen.
In der Galerie GEDOK Berlin ist der Begegnung von Nham-hee Völkel-Song mit Ida Dehmel augenblicklich nachzuspüren. Dabei führt die „Tochter des Südens“ die Augen zunächst nach oben. Sie hat zwei zarte weiße Baumwollstoffbahnen wie Himmelsbögen an der Decke der beiden Räume installiert, ermöglicht so den beiden Frauen einen Dialog. „Liebe Ida“, hat sie auf eine der langen Bahnen auf Koreanisch kalligraphiert und davon geschrieben, wie sehr sie deren Tragödie beklagt. „Wir wünschen uns das Licht“, schreibt Nham-hee an Ida – und lässt diese „auf der anderen Seite“ auch das erwidern: „Wenn alle geben, werden alle empfangen.“

Nham-hee Völkel-Song: Künstlerinnenleben

In diesem Rahmen, unter diesem „Dach“ zeigt Nham-hee Völkel-Song eine sehr konzentrierte Auswahl an Werken, die ihr jahrzehntelanges Wirken bündeln. Diese, so Kuratorin Dr. Carola Muysers zur Eröffnung der Schau, „konzentrierte Auswahl an Malerei, Kalligraphie und Texten aus unterschiedlichen Schaffensphasen zeigt die konsequente künstlerisch-poetische Entwicklung Nham-hees auf.  Von zarten, noch sehr asiatisch anmutenden Landschaften mit Mond, Hügeln und Wolken geht es zu Schriftzeichen die wie ,Portraits‘ auf der Leinwand festgehalten sind.“Dazu kommen Kombinationen von kalligraphischen Schriftzeichen mit Kultursymbolen – wie der Davidstern als das Sinnbild jüdischen Glaubens, das in seinen ineinander verzahnten Dreiecken die enge Beziehung, das aufeinander Gewiesene von Gott und Mensch zeigt; wie der Taegeuk, das koreanische Zeichen für das Ineinanderfließen von Himmel/Erde, Tag/Nacht, Mann/Frau, Yin/Yang, Innen/Außen. Beide Symbole verweisen auf ein Mehr hinter dem Offensichtlichen. Eine Vielschichtigkeit die Nham-hee Völkel-Song unterstreicht, indem sie die erläuternden, kalligraphisch gestalteten Texte übereinandergelegt hat. So entsteht Tiefe!

Mehr als ein Symbol: der Bär

Für die Künstlerin hat die aktuelle Präsentation besondere Bedeutung. Womöglich, sagt sie im Gespräch mit der SZ-Kulturredaktion, sei es ihre letzte Ausstellung; sie spüre, wie ihre Kraft weniger werde, werde gleichwohl arbeiten, „solange mein Atem steht“.Und so reflektiert sie all die Jahre sehr bewusst. Staunend darüber, was für sie wie geworden ist. Nach dem Schritt, als junge Krankenschwester nach Deutschland zu gehen, als früh verwitwete Mutter zweier kleiner Kinder neuen Mut zu fassen – auch im Miteinander mit den Menschen im Dorf Berghausen, denen sie anbot, das Tuschezeichnen und Kalligraphieren zu erlernen. Sie gab („mein Können“) und bekam („Liebe“) – und die Einsamkeit verschwand. Ob es Fügung ist, dass überall, wo ihr ein Ort Heimat geworden ist, der Bär – im Koreanischen ein Urahne, in Berleburg und Berlin das Wappentier – eine Rolle spielt? Für Nham-hee Völkel-Song ist das bemerkenswert. „Das Leben ist ja wirklich ein Wunder“, sagt sie. „Ich bin so dankbar.“

Nham-hee Völkel-Song: „Tochter des Südens  trifft Ida Dehmel“. Bis 27. September,Galerie GEDOK Berlin (www.gedokberlin.de).Finissage am Sonntag u. a. mit dem
Gesandten Botschaftsrat Dr. Bong-Gi Lee,
Leiter des Koreanischen Kulturzentrums.

Autor:

Claudia Irle-Utsch (Redakteurin) aus Siegen

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