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Waldskulpturenweg-Künstler Jochen Gerz feiert 80. Geburtstag
Die frische Luft der Toleranz

Bad Berleburger und Schmallenberger haben Briefe an ihre Nachbarn über den Rothaarkamm hinweg geschrieben – das war die Idee der sozialen Skulptur von Jochen Gerz. Die Briefe bleiben auf diesen roten Schildern für die Nachwelt erhalten.
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  • Bad Berleburger und Schmallenberger haben Briefe an ihre Nachbarn über den Rothaarkamm hinweg geschrieben – das war die Idee der sozialen Skulptur von Jochen Gerz. Die Briefe bleiben auf diesen roten Schildern für die Nachwelt erhalten.
  • Foto: Martin Völkel
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

vö Bad Berleburg/Schmallenberg. Das Wandern erlebt gerade einen regelrechten Boom. Die Menschen nutzen den Freiraum, der trotz allem bei allen einengenden Corona-Regeln entstanden ist, um sich mit sich selbst, aber auch mit der Natur zu beschäftigen. Der Rothaarsteig ist in diesen Zeiten ein gefragtes Ziel, das gilt aber mindestens ebenso für den Waldskulpturenweg Wittgenstein-Sauerland, der auf seinen 23,4 Kilometern das Naturerlebnis mit Kunst in Einklang bringt.
Mit seinen insgesamt elf Arbeiten internationaler Künstler lockt der Weg zwischen Bad Berleburg und Schmallenberg die Besucher an. Anfangs- und Endpunkt des Projektes – das kommt ganz darauf an, wo man steht – markiert „Der Wettbewerb“ von Jochen Gerz.

Bad Berleburg/Schmallenberg. Das Wandern erlebt gerade einen regelrechten Boom. Die Menschen nutzen den Freiraum, der trotz allem bei allen einengenden Corona-Regeln entstanden ist, um sich mit sich selbst, aber auch mit der Natur zu beschäftigen. Der Rothaarsteig ist in diesen Zeiten ein gefragtes Ziel, das gilt aber mindestens ebenso für den Waldskulpturenweg Wittgenstein-Sauerland, der auf seinen 23,4 Kilometern das Naturerlebnis mit Kunst in Einklang bringt.
Mit seinen insgesamt elf Arbeiten internationaler Künstler lockt der Weg zwischen Bad Berleburg und Schmallenberg die Besucher an. Anfangs- und Endpunkt des Projektes – das kommt ganz darauf an, wo man steht – markiert „Der Wettbewerb“ von Jochen Gerz. Der gebürtige Berliner, der mittlerweile an der Atlantik-Küste in Irland lebt, feierte aktuell seinen 80. Geburtstag.

Skulptur „Der Wettbewerb“ ist Kommunikation

Wer etwas über die Idee seiner sozialen Skulptur auf dem Waldskulpturenweg in Erfahrung bringen möchte, hat an den beiden Rathäusern in Bad Berleburg und Schmallenberg die Gelegenheit dazu. Und da gibt es natürlich die roten Schilder sowohl in den beiden Kernstädten als auch in den dazugehörigen Ortschaften, auf denen die Briefe dokumentiert sind, die Jochen Gerz den Menschen auf beiden Seiten des Rothaarkamms entlockt hat. Seine Skulptur ist Kommunikation – und gewinnt gerade in Zeiten von Corona wieder eine riesige Bedeutung. Und: In Zeiten, in denen man in Bad Berleburg und Schmallenberg sehr unterschiedliche Auffassungen über das Wisent-Projekt vertritt, ist es wichtig, dass die Kommunikation nicht eingestellt wird.

Evakuierung führte Gerz 1944 ins Siegerland

Hat Jochen Gerz, den die „Frankfurter Allgemeine“ unlängst als „nimmermüden Kunstkritik-Künstler im Dienste aller Denkenden“ bezeichnete, eigentlich die weitere Entwicklung des Waldskulpturenweges verfolgt? Es sei so, dass er nur indirekt immer wieder von den Entwicklungen vor Ort gehört habe, erklärte Jochen Gerz aktuell auf SZ-Anfrage, „und was ich hörte, war und ist eigentlich positiv“. Das freue ihn natürlich, denn jede neue Arbeit sei nicht nur eine Chance, sondern auch ein Risiko. „Die Menschen und die Themen jenseits der kulturellen Trends der urbanen Zentren haben mich eigentlich immer interessiert.“ In Berlin ausgebombt, habe ihn die Evakuierung 1944 ins Siegerland nach Brauersdorf geführt.

„Kunst ist nicht nur für gutes Wetter gemacht“

Zurück zu seinem „Wettbewerb“. Die Publikation dazu sei ein Mosaik, das immer wieder den Weg über das Gebirge auf die andere Seite der Geschichte, der Meinungen und der Argumente zeige. Den Weg durch die Natur, der das lokale, identitäre Fenster immer wieder öffne und die frische Luft der Toleranz einlasse: „Kunst ist nicht nur für das gute Wetter gemacht, sondern auch für die Zeit, in der Mahnung, Erinnerung und die eigene Stimme nötig sind.“
In Bad Berleburg hatte das Team des Kleinen alternativen Kulturkellers um Günter Herman Matthes anlässlich des 80. Geburtstages von Jochen Gerz eine eigene Veranstaltung geplant – die musste aber angesichts der Corona-Pandemie ausfallen. „Das ist sehr schade, weil es nicht selbstverständlich ist, dass ein Künstler wie Jochen Gerz hier seine Spuren hinterlassen hat. Das wollten wir würdigen“, sagte Matthes. Doch der „Wettbewerb“ wird bleiben, dies- und jenseits des Rothaarkamms.
Viel Wissenswertes über den Waldskulpturenweg Wittgenstein-Sauerland gibt es im Internet: www.waldskulpturenweg.de

Bad Berleburger und Schmallenberger haben Briefe an ihre Nachbarn über den Rothaarkamm hinweg geschrieben – das war die Idee der sozialen Skulptur von Jochen Gerz. Die Briefe bleiben auf diesen roten Schildern für die Nachwelt erhalten.
Bad Berleburger und Schmallenberger haben Briefe an ihre Nachbarn über den Rothaarkamm hinweg geschrieben – das war die Idee der sozialen Skulptur von Jochen Gerz. Die Briefe bleiben auf diesen roten Schildern für die Nachwelt erhalten.
Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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