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Sebastian Knauer überzeugte mit neuem Klavierabend-Konzept bei Musikfestwoche
Großartiges Mozart/Nyman-Konzert

Sebastian Knauer spielte zum Abschluss der Bad Berleburger Musikfestwoche ein großartiges Mozart/Nyman-Konzert.
  • Sebastian Knauer spielte zum Abschluss der Bad Berleburger Musikfestwoche ein großartiges Mozart/Nyman-Konzert.
  • Foto: Isabell Lippitz
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lip Bad Berleburg. Zum Abschluss der diesjährigen 48. Internationalen Musikfestwoche in Bad Berleburg war am Sonntagnachmittag deren künstlerischer Leiter, der weltweit gefragte Pianist Sebastian Knauer, zu erleben. Der in 50 Ländern unter berühmten Dirigenten, als Kammermusiker mit zahlreichen Künstlern wie Sol Gabetta (Cello) und Anne Sophie van Otter (Mezzosopran) musizierende und als Festivalleiter in Augsburg und Aachen tätige Musiker hat sich anlässlich seines 50. Geburtstages ein besonderes Projekt erdacht.
Knauer: Faszination für...

lip Bad Berleburg. Zum Abschluss der diesjährigen 48. Internationalen Musikfestwoche in Bad Berleburg war am Sonntagnachmittag deren künstlerischer Leiter, der weltweit gefragte Pianist Sebastian Knauer, zu erleben. Der in 50 Ländern unter berühmten Dirigenten, als Kammermusiker mit zahlreichen Künstlern wie Sol Gabetta (Cello) und Anne Sophie van Otter (Mezzosopran) musizierende und als Festivalleiter in Augsburg und Aachen tätige Musiker hat sich anlässlich seines 50. Geburtstages ein besonderes Projekt erdacht.

Knauer: Faszination für Mozart und Nyman

Seit frühester Jugend mit Mozarts Klaviermusik aufgewachsen (er hat alle 27 Klavierkonzerte Mozarts und alle Konzerte von Joseph Haydn aufgenommen), fand er ebenfalls bereits 1977 großen Gefallen an Michael Nymans „In Re Don Giovanni“, in dem Themen Mozarts verarbeitet werden. In Ablehnung serieller Musik ist dieser für seine zahlreichen Filmmusiken (der bekannteste Film: „Das Piano“ von Jane Campion) seither der Minimalmusic und experimenteller Musik (John Cage u. a.) gefolgt.

Nyman komponierte  "Sechs Stücke für Sebastian Knauer"

Da Nyman ein großer Mozartverehrer ist, lag es für Knauer nahe, ihn zu bitten und zu beauftragen, zu ausgewählten Sätzen Mozartscher Sonaten Stücke zu komponieren, die einen direkten Bezug dazu haben. So entstanden, wie berichtet, die „Sechs Stücke für Sebastian Knauer“ (K1-K6). Der Pianist begann den Zyklus „The Mozart/Nyman Concert“ vor den gut 100 Zuhörern im Bürgerhaus, die auf den großen Raum verteilt saßen, mit dem 1. Satz der Mozartsonate C-Dur, KV 545. Die als Sonata facile bekannte Sonate erfuhr hier eine wunderbar leichtfüßige, in der Durchführung dynamisch aufblühende Gestaltung. Knauer ließ den riesigen Konzertflügel mit perlendem Non-legato-Anschlag im pianissimo und forte singen und klingen.

Knauer: Konzentriertes, subtiles Spiel

In Nymans K1 erklangen auf einer diffusen Sechzehntel-Grundierung kleine Melodiefetzen, Dreiklänge und gehämmerte, rhythmisch versetzte Septakkorde, die sich leiser werdend auflösten und so nahtlos ins „Andante cantabile“ (Mozarts Sonate C-Dur KV 330, II) übergingen.
Knauers ruhige, konzentrierte und subtil empfindungsreiche Spielweise, mit sicherem Gefühl für Tempo, Phrasierung, dynamischen Aufbau gab den Zuhörern Raum für Mitempfinden aller zwischen Dur und Moll changierenden Stimmungen. Herrlich! Das nächste Nyman-Stück war, wie fast alle seine Stücke, in einer gleichbleibenden lauten, hämmernden Spielweise erdacht. Es drängte sich der Vergleich mit klassischer und moderner Architektur auf: damals verspielte Steinmetz- und Stuckarbeiten, heute monotone Betonfassaden. Knauer spielte das kräftezehrende, rhythmisch vertrackte, wilde Stück mit enormer Konzentration und Präzision, wie er sie auch im folgenden Mozartsatz (KV 332 Allegro assai) zeigte. Rasante Läufe, hübsche Arabesken, virtuose Akkordfolgen umschlossen einen ruhigeren Moll-Mittelteil. Nymans K3 zitierte Mozartmelodien, fugierte sie und mischte sie wirkungsvoll in Höhen und Tiefen und in rhythmischen Verzahnungen, um fast popmusikreif zu enden.

Mozart verwoben mit Nyman

Mozarts Sonatensätze KV 310 (Allegro maestoso), die Fantasie c-Moll, KV 475 und der dritte Satz der Sonate D-Dur (Rondeau-Allegro) bildeten den zweiten, mit den drei letzten Nyman-Stücken verzahnten Sonatenzyklus. Während sich im Rondo Mozarts schier unerschöpfliche Fantasie auslebt, von Knauer mit perfekter Virtuosität und Delikatesse zelebriert, erscheint in K6 ein minimalistisch wiederholtes Terzmotiv immer wieder, mit schrägen Akkordeinwürfen,: Man kann es meditativ oder ermüdend finden. Der letzte Ton fehlt, er ist der Anfang von „Ah, vous dirais-je, maman“ (KV 265) mit seinen fantastischen zwölf Variationen.
Für den langen, begeisterten Applaus (nach 75 Minuten höchster Konzentration) bedankte sich Sebastian Knauer bei den Zuhörern und den Veranstaltern der Festwoche mit dem zweiten Satz der Mozart-Sonate KV 545.
Isabell Lippitz

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Redaktion Kultur

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