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Pianist Sebastian Knauer mit neuem Programm bei der Musikfestwoche
Nyman lässt Mozart noch heller strahlen

Sebastian Knauer hat sich zum bevorstehenden 50. Geburtstag sechs Klavierstücke von Michael Nyman geschenkt, die sich auf ausgewählte Mozart-Sonaten beziehen, aber eigenständige Werke sind. Sein taufrisches „Mozart/Nyman Concert“ spielt Knauer am 11. Juli zum Abschluss der 48. Musikfestwoche in Bad Berleburg.
  • Sebastian Knauer hat sich zum bevorstehenden 50. Geburtstag sechs Klavierstücke von Michael Nyman geschenkt, die sich auf ausgewählte Mozart-Sonaten beziehen, aber eigenständige Werke sind. Sein taufrisches „Mozart/Nyman Concert“ spielt Knauer am 11. Juli zum Abschluss der 48. Musikfestwoche in Bad Berleburg.
  • Foto: Kristian Sickinger
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

zel Bad Berleburg/Hamburg. Gerade so hat das Festival „Ludwig FUN Beethoven“ wieder nicht vor Publikum stattgefunden. Sein künstlerischer Leiter, Sebastian Knauer, hat das im April 2020 abgesagte und auf Anfang Juni 2021 verschobene Geburtstagsfest für den Komponisten also ins Internet verlegt. Wegen Corona verlegen müssen. Im Ballsaal des Alten Kurhauses aufwendig und auch teuer produziert in Bild und Ton, das ist ihm wichtig, nur so kann er ein Online-Konzerterlebnis auf höchstem Niveau erreichen, entsteht etwas Bleibendes. Und doch: „Wir brauchen die Bühne.“
Sein anderes Festival, die Internationale Musikfestwoche in Bad Berleburg, kann – nur einen Monat später – offline stattfinden.

zel Bad Berleburg/Hamburg. Gerade so hat das Festival „Ludwig FUN Beethoven“ wieder nicht vor Publikum stattgefunden. Sein künstlerischer Leiter, Sebastian Knauer, hat das im April 2020 abgesagte und auf Anfang Juni 2021 verschobene Geburtstagsfest für den Komponisten also ins Internet verlegt. Wegen Corona verlegen müssen. Im Ballsaal des Alten Kurhauses aufwendig und auch teuer produziert in Bild und Ton, das ist ihm wichtig, nur so kann er ein Online-Konzerterlebnis auf höchstem Niveau erreichen, entsteht etwas Bleibendes. Und doch: „Wir brauchen die Bühne.“
Sein anderes Festival, die Internationale Musikfestwoche in Bad Berleburg, kann – nur einen Monat später – offline stattfinden. Wittgenstein streamt nicht, Wittgenstein kann live Kultur erleben, wie früher, nur diesmal nicht im Schloss, wegen der notwendigen Corona-Maßnahmen. Das Programm hat Knauer voller Hoffnung geplant, allerdings immer mit der Möglichkeit im Hinterkopf, dass alles wieder nichts wird. Doch am Montag geht’s los.

Publikum ist noch zurückhaltend

„Die Leute rennen uns nicht die Bude ein“, stellt der weltberühmte Pianist aus Hamburg am Telefon fest. Dass das Publikum „teilweise ungläubig oder zurückhaltend mit der Euphorie“ sei, hat er auch schon anderswo erfahren. Ganz klar: Jeder müsse für sich selbst entscheiden, ob er sich in einen Konzertsaal begeben möchte, aber „wir sorgen dafür, dass das eine sichere Sache ist“, verspricht er.

Bettina von Arnim und Beethoven

Am Montagabend beginnt die 48. Musikfestwoche mit einem literarisch-musikalischen Abend mit Martina Gedeck, die Bettina von Arnim ihre Stimme gibt. Die Dichterin „hat Beethoven sehr verehrt, und er hat sie auch gemocht“, erklärt Knauer zum Programm „In einem Weltenmeer von Harmonie“, das er zusammen mit seinem Vater Wolfgang Knauer geschrieben hat – wie auch das „Moby-Dick“- Programm, mit dem er vor zwei Jahren zusammen mit Ulrich Tukur in Berleburg auftrat. Viele Jahre gab er das „Weltenmeer“-Programm zusammen mit Hannelore Elsner (2004 auf CD erschienen), aber auch schon mit Katja Riemann und Martina Gedeck. Beethoven grüßt, via Sebastian Knauer am Steinway, aus seinem Jubiläumsjahr 2020 noch einmal herüber, „es ist weiterhin hochinteressant“.

Als Duo-Partner ein "alter Hase"

Knauer ist sehr präsent in Bad Berleburg dieses Jahr. Er tritt mit der norwegischen Violinistin Eldbjørg Hemsing (7. Juli), der Sopranistin Simone Kermes (8. Juli) und der Schauspielerin Gedeck (5. Juli) auf. „Ein Begleiter bin ich nicht“, sagt er bestimmt, „sondern ein Duo-Partner“. Achtung: Beethoven nennt im Titel „Variation für Klavier und Violoncello“ sogar das Klavier zuerst! Natürlich müsse er sich anpassen, den Duo-Partner nicht „zudecken“, aber weil er von Anfang an im Duo, Trio, Quartett oder Quintett aufgetreten sei und mit fast jedem Soloinstrument, habe er viel Erfahrung und beherrsche die hohe Kunst des Zusammenspiels: „Da bin ich ein alter Hase.“ Außerdem kennen sich alle Beteiligten lange, da reicht die Zeit vor Ort, um sich aufeinander einzustellen.

"Mozart/Nyman Concert" zum zweiten Mal live 

Für ihn als Solisten ist auch ein Abend vorgesehen. Das Berleburger Publikum wird am 11. Juli die Möglichkeit haben, „The Mozart/Nyman Concert“ zu hören. Das ist noch ganz frisch, war erst einmal, am 1. Juni, beim Mozartfest in Würzburg zu live zu erleben. Dass es entstanden ist, hat mit zweierlei zu tun: Corona und einem runden Geburtstag, der sich Ende Juli ereignen wird.
Sebastian Knauer hatte mit „This is (not) Beethoven“ 2020 eine CD mit Orchester herausgebracht und da schon im Kopf, eine weitere Aufnahme zu machen, aber solistisch, mit Mozart im Fokus, jedoch nicht als pure Mozart-CD, wie er sagt. „Es gibt da etliche Referenzaufnahmen“, also was kann man dem noch hinzufügen? Knauer wollte die klassische Musik mit heute geschriebener verbinden. Er verfolgt seit Langem die Arbeit des 1944 geborenen britischen Komponisten Michael Nyman, nicht nur, aber auch dessen Filmmusiken, etwa für die Filme von Peter Greenaway. Über eine befreundete Agentin kam der Kontakt zustande.

Nyman schreibt sechs Klavierstücke für Knauer

Knauer sprach Nyman an, fragte, ob dieser Zeit und Lust habe, für ihn zu schreiben – ein Geschenk, das er sich selbst zum 50. Geburtstag machen wollte. „Wir sind beide große Verehrer von Mozart“, und weil Nyman durch die Pandemie in Mailand, einem seiner beiden Wohnsitze, gestrandet gewesen sei und, wie alle Musiker, alle Auftritte habe absagen müssen, konnte er zu den Mozart-Sonaten, die Knauer ausgewählt hatte, sechs Klavierstücke für ihn schreiben, die Weihnachten fertig waren und die Knauer im Januar aufgenommen hat.

Eigenständige Werke, inspiriert von Mozart 

Michael Nyman sei in der „Minimal Music“ unterwegs, erläutert der Pianist. Die bestehe aus Fragmenten, die nur leicht verändert würden, „er bleibt in einer Atmosphäre“. So hat Nyman einen Takt, einen Rhythmus oder eine Melodie Mozarts aufgenommen, sich davon inspirieren lassen. Entstanden seien neu komponierte Stücke – „wie wenn ein Künstler etwas sieht, und daraus eine eigenständige Skulptur schafft“. Der Effekt, den nicht nur Knauer wahrgenommen hat, ist einer mit „Aha“: Mozart strahlt noch heller, die „pure Schönheit“ seiner Musik werde noch besser hörbar, neu wahrnehmbar. Die Verzahnung sei „der reinste Sprengstoff“, wie ein Kritiker der Würzburger „Mainpost“ nach der Uraufführung schrieb.

Es gibt noch Karten, auch für Joja Wendt

Knauer spielt Mozart und Nyman „in einem durch“, ohne Pause zwischen den Stücken. Das Publikum könne versuchen, die Verbindungen hörend zu entdecken, müsse aber wirklich nicht mitarbeiten. Und zwischendrin applaudieren? „Es wird kaum eine Gelegenheit dazu geben“, sagt Knauer freundlich, aber wenn jemand klatschen wolle, bitteschön. Nicht nur die Musiker waren viele Monate ohne Live-Auftritte, auch das Publikum hat lange nur vor dem Rechner per Emoji applaudiert. Wer weiß, was so ein Konzert mit einem macht? Wer sich als (getesteter, genesener oder geimpfter) Zuhörer wieder einmal live ausprobieren möchte, hat jetzt gerade die Gelegenheit. Für alle fünf Konzerte – auch das von Pianist Joja Wendt, der am 10. Juli von AC/DC bis Ed Sheeran, von Bach bis Horowitz gehen will – gibt es noch Karten (www.blb-kultur.de).

Autor:

Regine Wenzel (Redakteurin) aus Siegen

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