Musik wird lebendig
Schumann Quartett begeisterte bei der Internationalen Musikfestwoche

Das Schumann Quartett (Liisa Randalu, Erik, Ken und Mark Schumann) begeisterte am Donnerstagabend bei der Internationalen Musikfestwoche auf Schloss Berleburg.
  • Das Schumann Quartett (Liisa Randalu, Erik, Ken und Mark Schumann) begeisterte am Donnerstagabend bei der Internationalen Musikfestwoche auf Schloss Berleburg.
  • Foto: Dr. Gunhild Müller-Zimmermann
  • hochgeladen von Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin)

gmz Bad Berleburg.  Sie sorgten zunächst für Verwirrung, die vier jungen Musiker des Schumann Quartetts, die am Donnerstagabend in der sehr gut besuchten Eingangshalle von Schloss Berleburg das dritte Konzert der diesjährigen Internationalen Musikfestwoche auf Schloss Berleburg boten. Nach den ersten Takten des ersten Stückes, das die vier Streicher Erik, Ken und Mark Schumann (Violine, Violine, Cello) und Liisa Randalu (Viola) mit bestechender Präzision und weichem, im wahrsten Wortsinn vielversprechendem Ton anstimmten, fragte man sich nach dem Blick ins Programm: Das ist der Janáček („Streichquartett Nr. 2 – Intime Briefe“)? Merkwürdig, Janácek hatte ich anders im Ohr …

Ungewöhnliches Programm

Die Verwirrung klärte sich spätestens dann, als die Musiker das zweite Stück begannen: Das war eindeutig Janáček! Und das erste war Mendelssohn Bartholdys „Streichquartett Nr. 2 Es-Dur, op. 12“, das im Programmheft an zweiter Stelle stand. Normalerweise, erklärte Erik Schumann entschuldigend nach der Pause, spielten sie das spannend und nicht gewöhnlich zusammengestellte Programm in der Reihenfolge Mendelssohn, Janáček und Brahms. Irgendwo sei in der Kommunikation dann wohl etwas schiefgegangen und es sei zu der Vertauschung im Programm gekommen.

Technisch und interpretatorisch forderndes Spiel

Aber das tat dem wirklich faszinierenden Spiel der vier Musiker keinen Abbruch. Seit 2012, ist im Programm zu lesen, spielen sie in dieser Besetzung zusammen, die Brüder natürlich schon seit frühester Kindheit. Der Begriff der Spielfreude ist ziemlich überstrapaziert, aber er trifft trotzdem zu auf das energiegeladene, technisch makellose Spiel der vier, deren Zusammenspiel aus einer inneren Verbundenheit gespeist scheint, die auch in der Freude gründet, die Musik immer wieder neu zu erkunden: „So wirklich entwickelt sich ein Werk nur live“, haben sie dazu einmal in einem Interview gesagt. – Frisch klang das Spiel der vier, lebendig, bei aller Perfektion ungekünstelt und doch zutiefst kunstvoll, also absichtsvoll gestaltet, von einem echten Bedürfnis getragen, die Stücke und ihre musikalische Aussagen zum Leben zu erwecken!

Ein "meta-musikalischer" Mendelssohn

Das Publikum ließ sich also mitnehmen in die Begegnung mit Mendelssohn Bartholdys Streichquartett, dessen Darbietung fast ein wenig „meta-musikalisch“ wirkte, wie eine Reflexion musikalischer Ausdrucksmöglichkeiten und -formen, die von weicher Getragenheit, innerer Spannung, heiterer Ausgelassenheit, pfiffigem Erkunden und abrupten Stimmungswechseln zeugte. Am Ende wurde die musikalische Suche dann von den vier zu einem wunderbar synchron dargebotenen, aufeinander abgestimmten Schluss zusammengefasst: Die Musik ist am Ziel.

Expressiver Janáček

Janáčeks Streichquartett dagegen war eine Studie in expressiver Weltbeschreibung, geprägt von disruptiven Ausbrüchen, suchenden Melodiephasen, wildem Experimentieren, aggressiver Selbstbehauptung, dramatischem Empfinden, vorsichtiger Erkundung, … Immer wieder war es die Bratsche, die einen neuen Ansatz wagte, die um ruhigen Ausdruck rang, in den die anderen drei Streicher einfielen, um dann wieder auszubrechen. Ein hochdramatisches Werk, das fast wie ein musikgewordener expressionistischer Film wirkte.

Brahms`sche Klarheit

Und dann, nach der Pause, in der man leider das stimmungsvolle Ambiente im schönen Schlosshof wegen des Regens kaum genießen konnte, kam Brahms („Streichquartett c-Moll, op. 51/1“). Klarer Aufbau, weit ausgebreitete Spannungsbögen, die immer wieder dramatisch gesteigert oder zart romantisiert wurden, gefolgt von einem musikalischen Aufeinander-Zugehen. Nachdenkliche Innigkeit und entschiedenes Vorantreiben der musikalischen Entwicklung bis zum Schluss gehörten ebenfalls dazu. Die Lust der Musiker am Spiel und die Anspannung, die das auch verursacht, merkte man den vier Streichern am Ende an: Musik bewegt eben!

Als Zugabe eine Fuge

Für den begeisterten Applaus des Publikums bedankten sich die drei „Schumänner“ und Liisa Randalu mit einer höchst ungewöhnlichen, fast fragilen „Fuge“ von Mendelssohn Bartholdy. – Vielleicht ein Vorgeschmack auf ein weiteres Konzert mit dem Schumann Quartett!?

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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