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Klavierduo Vincent und Sophie Neeb: vielfältige Darbietungen
Vierhändig fantastisch

Das Klavierduo Sophie und Vincent Neeb begeisterte in Bad Berleburg mit „vierhändiger Vielfalt“.

lip Bad Berleburg. Wieviel Organisation und Arbeit erforderlich sind, um Konzerte in größere Räumlichkeiten zu verlegen, machen sich wohl nur wenige Konzertbesucher klar. So finden die Berleburger Schlosskonzerte nun im Bürgerhaus am Berleburger Markt statt, mit geliehenem Flügel und weit auseinander gestellten Stühlen, mit Maske und Pause zum Lüften. Für die ca. vierzig Zuhörer war es am Donnerstagabend das letzte Konzert vor dem ab November geltenden, neuerlichen Lockdown.
Schmerzlicher noch als für das Publikum ist diese von vielen angezweifelte Maßnahme sicher für die jungen Musiker, die eigentlich das ganze Jahr über in der gesamten Bundesrepublik als Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbes hätten auftreten sollen.

lip Bad Berleburg. Wieviel Organisation und Arbeit erforderlich sind, um Konzerte in größere Räumlichkeiten zu verlegen, machen sich wohl nur wenige Konzertbesucher klar. So finden die Berleburger Schlosskonzerte nun im Bürgerhaus am Berleburger Markt statt, mit geliehenem Flügel und weit auseinander gestellten Stühlen, mit Maske und Pause zum Lüften. Für die ca. vierzig Zuhörer war es am Donnerstagabend das letzte Konzert vor dem ab November geltenden, neuerlichen Lockdown.
Schmerzlicher noch als für das Publikum ist diese von vielen angezweifelte Maßnahme sicher für die jungen Musiker, die eigentlich das ganze Jahr über in der gesamten Bundesrepublik als Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbes hätten auftreten sollen. Die beiden seit ihrer frühen Jugend zusammen auftretenden Geschwister (Jahrgang 1998 und 2000) können auf eine stolze Anzahl von Preisen und Stipendien verweisen sowie auf viele Auftritte bei renommierten Festivals und Veranstaltern. Beide setzen ihr Studium (Innsbruck und München) weiter fort.

Leichtfüßig perlendes Spiel

Mit Claude Debussys „Petite Suite“ (1889) eröffneten die beiden das „Vierhändige Vielfalt“ benannte Konzert. Impressionistische Wellen- und Wind-Klänge, ein altväterliches Menuett und fröhlich muntere Marsch- und Tanzweisen kamen in perfekter, leichtfüßig perlender Spielweise daher. Wie Mozart sein zauberhaft schlichtes Thema in allen Variationen funkeln und leuchten lässt und in trillerreichen Umspielungen, harmonischen Verfremdungen und chromatischen Dramatisierungen immer neu beleuchtet, ist fantastisch. Großartig ebenso die fingerflinke, durchsichtig virtuose Non-Legato-Spielweise der jungen Interpreten, die fast ganz auf das Pedal verzichteten.

"Szenische" Darbietungen

Wie die beiden Duopartner erklärten, hat Wolfgang Rihm das „Klavierstück Nr. 3 op. 8c“ mit 19 Jahren komponiert. Es fiel mit aggressiv lauten Klangexplosionen trillernd, schrill und dunkel drohend über die Zuhörer herein: Pausen, leises Anheben bis zum neuerlichen Ausbruch. Sophies Aktionen auf den Saiten im Flügel mit verschiedenen Schlagzeug-Schlegeln, einem Plektron, einem Handtuch, mit den Fingern erzeugten hallreiches Rauschen oder Zupftöne, während Vincent auf der Tastatur korrespondierte. Gemeinsames in der Partitur gefordertes, „coronapassendes“, Husten, Tremolo-Gewitter und allmähliches Verklingen: unterhaltsam und theatralisch!
Nach dem obligaten Lüften konnten sich die Zuhörer an „16 Walzern op. 39“ von Johannes Brahms erfreuen. Mit welcher Freude, Könnerschaft und Variabilität die sehr bekannten Walzer daherkamen, lässt sich nur schwer in kurze Worte fassen. Vincent Neeb hatte zuvor den Anfang der großartig lobenden Uraufführungskritik des Brahmsfreundes und berühmten Kritikers Hanslick zitiert, der man beim genussvollen Hören nur zustimmen konnte. Auch die Geschwister Neeb hatten ihre Freude und spielten die teilweise recht anspruchsvollen Stücke mit Eleganz, Schwung und Gefühl.

Aufwendig und meisterhaft

Auswendig und gänzlich meisterhaft boten die beiden als Konzert-Höhepunkt die gefürchtet schwere „Rhapsodie espagnole“ (1907) des Franzosen Maurice Ravel. In vier Sätzen erklangen fantasievoll aufblühende folkloristische Tänze und Rhythmen wie die verführerische „Habanera“, der rasante Flamenco und die träumerisch tiefsinnige Malagueña. Fasziniert konnte man zusehen, wie die vier Hände sich teilweise kreuzten, überlagerten und sich dann wieder in irre rasant hämmernde oder geheimnisvoll tiefgründige Duos „trennten“, wobei die Geschwister immer wie ein einziges Wesen agierten. – Der begeisterte Applaus wurde mit dem pfiffigen 3. Satz aus Francis Poulencs 4. Klaviersonate belohnt. Grandios!
Isabell Lippitz

Autor:

Redaktion Kultur

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