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Amtsgericht Bad Berleburg
22-Jähriger will erst nach der Autofahrt einen draufgemacht haben

Ein junger Mann aus dem Raum Bad Laasphe will erst nach einer Autofahrt richtig einen draufgemacht haben. Um 8 Uhr morgens stellten Polizisten knapp zwei Promille Alkohol in seinem Blut fest.
  • Ein junger Mann aus dem Raum Bad Laasphe will erst nach einer Autofahrt richtig einen draufgemacht haben. Um 8 Uhr morgens stellten Polizisten knapp zwei Promille Alkohol in seinem Blut fest.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

howe Bad Berleburg. Nachtrunk-Taktiken kennt das Bad Berleburger Amtsgericht reichlich. „Da wissen wir Bescheid“, stellte Torsten Hoffmann am Dienstag fest. Etliche Ausrede-Varianten hat der erfahrene Richter in seiner Amtszeit schon kennengelernt. Dem Einfallsreichtum der Angeklagten sind da keine Grenzen gesetzt. Am Dienstag – das geschieht dann fast automatisch – musste das Gericht die Verhandlung aussetzen. Fortsetzungstermin ist der 18. Mai, wenn der Sachverständige Dr. Ronald Agius von der Abteilung Forensische und Klinische Toxikologie im Labor Krone in Bad Salzuflen geladen wird.
Der soll „unter Zugrundelegung der Angaben des Angeklagten ein Nachtragsgutachten zur Plausibilität der Aussagen erstellen“, wie es Torsten Hoffmann formulierte.

howe Bad Berleburg. Nachtrunk-Taktiken kennt das Bad Berleburger Amtsgericht reichlich. „Da wissen wir Bescheid“, stellte Torsten Hoffmann am Dienstag fest. Etliche Ausrede-Varianten hat der erfahrene Richter in seiner Amtszeit schon kennengelernt. Dem Einfallsreichtum der Angeklagten sind da keine Grenzen gesetzt. Am Dienstag – das geschieht dann fast automatisch – musste das Gericht die Verhandlung aussetzen. Fortsetzungstermin ist der 18. Mai, wenn der Sachverständige Dr. Ronald Agius von der Abteilung Forensische und Klinische Toxikologie im Labor Krone in Bad Salzuflen geladen wird.
Der soll „unter Zugrundelegung der Angaben des Angeklagten ein Nachtragsgutachten zur Plausibilität der Aussagen erstellen“, wie es Torsten Hoffmann formulierte.

Angeklagter will höchstens sieben kleine Bier getrunken haben

Die Geschichte, die der 22-jährige Mann aus dem Raum Bad Laasphe erzählte, ist rasch berichtet: Er sei bei seinem Cousin auf einer Geburtstagsparty gewesen, sechs bis sieben kleine Bier habe er getrunken. „Es gab Streit“, weil ein Gast davon ausgegangen sei, er – der Angeklagte – habe etwas mit dessen Freundin, verriet der Angeklagte. Er habe sich gegen 22 Uhr ins Zelt gelegt, als der Gast mit einem Baseballschläger bewaffnet auf das Zelt eingedroschen und es zerstört habe. Er selbst sei irgendwie herausgekommen und habe die Beine in die Hand genommen. Gemeinsam mit seinem Bruder habe er sich ins Auto gesetzt und sei nach Hause gefahren. „Ich war voller Adrenalin und Angst.“ Die Schilderungen passten freilich überhaupt nicht mit der Anklage zusammen. Denn Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel hatte angeklagt, der 22-Jährige sei um 6 Uhr morgens mit einem Wagen unterwegs gewesen, gegen 8 Uhr habe die Polizei ihm eine Blutprobe entnommen. Mit dem Ergebnis: 1,95 Promille. Zurückgerechnet hätte der Angeklagte also über zwei Promille Alkohol im Blut gehabt. Mit sechs Bier à 0,33 Liter wäre das völlig unmöglich gewesen.

"Acht große Bier und halbe Flasche Jägermeister" getrunken

Um Mitternacht sei er also zuhause bei seinen Eltern gewesen, berichtete der Angeklagte und fuhr fort: Dort habe er mit seinem Bruder weiter getrunken: „Acht große Bier und eine halbe Flasche Jägermeister.“ Das sei ein „Frustsaufen“ wegen des Streits gewesen. Problem an der Sache: Zwei Zeugen, die auf der Party waren, behaupten laut Aktenvermerk, dass der Angeklagte erst gegen 6 Uhr morgens weggefahren sei. Das habe man den Polizisten mitgeteilt, die ja dann kurz darauf den Beschuldigten bei dessen Eltern dingfest machten und ihn zur Blutabnahme auf die Wache baten. Torsten Hoffmann versuchte am Dienstag, das Verfahren zu verkürzen, indem er eine Brücke baute: Es gebe die Möglichkeit, die Trinkmengen und die Zeiten durch den Gutachter zu überprüfen. Das sei sehr aufwändig und kostspielig. Insofern rege er an, sofern es denn so wie in der Anklage gewesen sein sollte, dass der Angeklagte den Sachverhalt zeitnah einräume.

Gutachten wird mit Spannung erwartet

Verteidiger Jörg Wildemann aus Breidenbach lehnte ab. Nach Rücksprache mit seinem Mandanten sei es so, dass dieser für die Fahrt mit den sechs Bier geradestehe. „Da hätte er nicht mehr fahren dürfen.“ Aber dem 22-Jährigen gehe es darum, dass die Wahrheit herauskomme. „Mit sechs Bier kommt er nicht auf fast zwei Promille.“ Spannend wird nun bei der Forstsetzung im Mai, was neben dem Gutachter die beiden Zeugen aussagen. Die hatten schließlich der Polizei den entsprechenden Hinweis auf die viel spätere Autofahrt des Angeklagten gegeben.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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