23-jähriger Erndtebrücker trat auf Freundin ein

Kopfnuss gegen Polizisten: Sechs Monate auf Bewährung

howe Bad Berleburg. Der junge Mann schien gestern völlig durch den Wind. Einen durchgeknallten und verwirrten Eindruck hinterließ der 23-jährige Erndtebrücker auf der Anklagebank. Zuweilen hockte er wie ein Häufchen Elend da, manchmal waren aggressive Züge erkennbar. Letztere kommen bei dem Wittgensteiner wohl des öfteren zum Tragen. Mehrfach ist er wegen Körperverletzung vorbestraft, in der Öffentlichkeit fällt er dadurch auf, dass er – wie eine Zeugin gestern schilderte – fast tagtäglich betrunken durch die Edergemeinde läuft. Den Kopf voll gedröhnt mit Alkohol, hat der junge Mann nicht immer Gutes im Sinn. Bei seiner jüngsten Aktion hatte er freilich nicht nur die Lacher auf seiner Seite. Da zog er nämlich seinen Hintern blank und presste die Po-Backen kräftig an die Schaufensterscheibe einer Bäckerei. Was da gestern alles eröffnet wurde, waren Nebenschauplätze.

Der 23-Jährige musste sich wegen konkreter Taten verantworten. Staatsanwalt Wolfgang Nau nannte aus zwei Verfahren insgesamt fünf. Zunächst soll der Angeklagte im Mai vorigen Jahres einen 20-Jährigen aus Hilchenbach beleidigt – »Du hast ein Gesicht wie eine Kirmes« – und anschließend geohrfeigt haben. Wenige Tage später soll er aufgrund eines Hinweises aus der Bevölkerung von einem Polizeibeamten nach Waffen durchsucht worden sein. Da habe er sich, nachdem man ihm an eine Wand gestellt habe, gestreckt und versucht, dem Beamten eine Kopfnuss zu geben. Ende Mai soll der 23-Jährige an einem Wohnhaus die Doppelglasscheibe der Eingangstür eingetreten haben. Und weiter im Katalog: Im Oktober soll eine gefährliche Körperverletzung erfolgt sein. Der Beschuldigte habe seine Freundin zu Boden gestoßen und mit beschuhtem Fuß auf sie eingetreten – im Bauch und Rücken, wie Wolfgang Nau feststellte.

»Ich habe vorher mit ihr telefoniert. Sie hat mir gesagt, sie ist von einem anderen Mann schwanger«, schilderte der Angeklagte. »Mir ist der Kragen geplatzt. Mir sind die Sicherungen durchgebrannt, weil sie Käse erzählt hat.« Gestoßen habe er sie, aber niemals am Boden liegend getreten, versicherte der 23-Jährige. Ob er denn dem Alkohol zugesprochen habe, wollte Wolfgang Nau wissen. »Ich hatte den ganzen Tag gepumpt«, so der 23-Jährige. Indes sagten sowohl die 19-jährige Geschädigte als auch eine Augenzeugin das Gegenteil aus. Der Angeklagte habe mehrfach mit den Turnschuhen zugetreten – nicht sonderlich gewalttätig aber »zum Wehtun reichte es«. So richtig besoffen sei er auch nicht gewesen, was auch das Gutachten mit einem Blutalkoholwert von 0,73 Promille bestätigte. Nächster Fall: Die Ohrfeige für den fremden Hilchenbacher räumte der 23-Jährige ein. »Er hat mich betitelt, da habe ich ihm eine Ohrfeige verpasst.«

Was die zerbrochene Scheibe betrifft, stritt der Angeklagte alles ab. Die habe er nicht zerstört. Auch der Zeuge, nach einem Streit mit dem 23-Jährigen offenbar wieder versöhnt, trug nicht zur Aufklärung bei. Das Gericht entschied sich darum im Hinblick auf die zu erwartende Strafe, den Fall der zerstörten Glasscheibe einzustellen. Nächster Fall: Die Sache mit dem Widerstand gegen die Staatsgewalt. »Ich wurde fast stranguliert«, schimpfte der Beschuldigte über den Polizeibeamten. »Ich habe mich schikaniert gefühlt.« Es sei schließlich nicht so, dass über den Polizisten nie Klagen gekommen seien. Während der Polizist grob gewesen sei, habe er sich »ganz normal verhaften lassen.« Die Beamten-Version klang freilich anders: »Ich wollte ihn nach Waffen durchsuchen. Er machte sich lang und führte einen Kopfstoß nach hinten aus.« Zum Glück, so der Polizist, sei er zuvor zur Seite gegangen. Und dann sei alles routinemäßig abgelaufen: Halswürgegriff und der Kollege mit den geöffneten Handschellen – Klick.

In seinem Plädoyer zählte Wolfgang Nau nochmals die Taten auf. Die Körperverletzung gegen die Freundin sei bestätigt, ebenso die Ohrfeige und die Gewalt gegen den Polizeibeamten. Dass der Angeklagte unter Alkoholeinwirkung gestanden habe, werte er nicht strafmildernd. Im Gegenteil: Der 23-Jährige hätte wissen müssen, wie er in diesem Zustand reagiere. Im Übrigen gehe das Eintreten auf eine am Boden liegende Frau »über das Maß hinaus«. Der Staatsanwalt forderte bei Zusammenzählen der Einzelstrafen eine Gesamtstrafe von sechs Monaten auf Bewährung plus 150 Stunden gemeinnützige Arbeit. Richter Torsten Hoffmann schloss sich dem Antrag voll und ganz an.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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