„Ich habe aus meiner Vergangenheit gelernt“
33-Jähriger wegen Amphetaminbesitz verurteilt

Der Angeklagte versicherte, er wolle straffrei bleiben.
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schn Bad Berleburg. „Ich kann nur sagen, das wird nicht wieder vorkommen“, so die letzten Worte des angeklagten 33-Jährigen am Freitagmorgen vor dem Bad Berleburger Amtsgericht. Er musste sich wegen Besitzes von Amphetaminen und Cannabis vor Gericht verantworten. Die Polizei hatte bei dem Bad Laaspher im September 2020 mehr als 37,49 Gramm Amphetaminsalz und eine Cannabispflanze sichergestellt, war der Anklageschrift zu entnehmen.

,,Das ist eigentlich nur Gift''

Das sei eine ziemlich dumme Idee von ihm gewesen, gab der Angeklagte zu. In der fraglichen Zeit sei seine Beziehung in die Brüche gegangen, und seither könne er seine kleine Tochter kaum noch sehen. In diesem Ausnahmezustand habe er sich mit Drogen betäuben wollen, gab er gegenüber Richter Torsten Hoffmann zu. Bei Sicherstellung der Drogen habe der letzte Amphetamin-Konsum schon eine Weile zurückgelegen. „Ich habe damals auch einen Drogentest angeboten, der nicht gemacht wurde. Das ist nicht mein Zeug, das ist eigentlich nur Gift“, stellte der Angeklagte in seiner Aussage fest. Die Geschichte hinter der Cannabispflanze stellte sich in der gleichen Aussage als kurios heraus. In einer Portion Cannabis befand sich wohl ein Samen, den der Angeklagte dann einpflanzte: „Ich habe ja nicht viel Geld und da habe ich gedacht, versuche es doch mal. Ich bin davon ausgegangen, dass gibt eh nichts.“ Zu seiner Überraschung sei die Pflanze dann doch gewachsen und brachte ihn am Ende in Schwierigkeiten.

Kein unbekannter Gast auf der Anklagebank

Richter Torsten Hoffmann stellte dazu fest: „Gewisse gärtnerische Fähigkeiten haben sie ja schon“ und schaute dabei auf die Berufschancen. Ansonsten sieht es bei dem 33-Jährigen im Arbeitsleben eher duster aus. Vor etwa drei Jahren hatte er seine letzte feste Anstellung. Zuvor hatte er bei einem Bad Laaspher Unternehmen gearbeitet, das dann die Pforten schloss. Danach kam eine siebenmonatige Anstellung bei einer Zeitarbeitsfirma. „Bewerbungen schreibe ich viele, da können sie beim Jobcenter fragen. Aber vielleicht ist es mein Name, oder ich bin zu bekannt. Auf viele Bewerbungen bekomme ich keine Antwort“, führte der Angeklagte aus.

Tatsächlich ist er kein Unbekannter vor Gericht. In den Jahren 2003 bis 2012 war er regelmäßiger Gast auf der Anklagebank, wegen gemeinschaftlichen Diebstahls, Bandendiebstahls und mehrfacher Körperverletzung. Nach Ablauf der letzten Bewährung war der Angeklagte nicht mehr auffällig geworden: „Da war ich auch stolz drauf.“

Aus emotionalen Gründen kam dann im vergangenen Jahr der Rückfall, diesmal aber in einem ganz neuen Metier. Staatsanwältin Vanessa Prade würdigte das umfassende Geständnis des Bad Laasphers und forderte daher auch nur die Mindeststrafe von zwölf Monaten Freiheitsentzug, den sie zur Bewährung aussetzen wollte.

Zwölf Monate und 200 Sozialstunden

Mit rund zwölf Gramm reinem Wirkstoff im Amphetaminsalz war die Geringfügigkeitsgrenze knapp, aber dann doch zu deutlich überschritten. Sie wolle da auch nicht versuchen, eine Geringfügigkeit zu konstruieren, so Prade. Dem schloss sich auch die Verteidigung an. Der Angeklagte bemühe sich, Arbeit zu finden und von seinen Schulden herunter zu kommen. Aktuell sei der Kontakt zu seiner Tochter fast völlig abgebrochen, die Mutter habe das alleinige Sorgerecht. Vor allem wolle er straffrei bleiben, so der Angeklagte: „Ich habe aus meiner Vergangenheit gelernt.“

Diese Einlassungen würdigte das Schöffengericht und schloss sich der Forderung der Staatsanwaltschaft an. Das Urteil: zwölf Monate Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. Dazu kommen 200 Sozialstunden, die in den kommenden sechs Monaten abzuleisten sind. Torsten Hoffmann redete dem Bad Laaspher noch einmal ins Gewissen. Er habe doch noch so einige Baustellen, an denen er arbeiten müsse. Der Vorsitzende hoffte darauf, dass die Sozialstunden nicht nur den Weg zurück in eine geregelte Tagesstruktur wiesen, sondern auch den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben.

Autor:

Guido Schneider aus Siegen

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