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Kinderpornos auf dem Handy
38-jähriger Wittgensteiner vor Gericht

Ermittler der Kriminalpolizei kamen jetzt einem 38-jährigen Wittgensteiner auf die Schliche, der allein auf dem Handy 1015 Bilddateien mit kinder- und 306 Dateien mit jugendpornografischen Bildern besaß.
  • Ermittler der Kriminalpolizei kamen jetzt einem 38-jährigen Wittgensteiner auf die Schliche, der allein auf dem Handy 1015 Bilddateien mit kinder- und 306 Dateien mit jugendpornografischen Bildern besaß.
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howe Bad Berleburg. Den Beteiligten im Bad Berleburger Amtsgericht stand das Entsetzen in den Gesichtern geschrieben. Soeben hatte Torsten Hoffmann als Vorsitzender des Bad Berleburger Schöffengerichts minutenlang Seiten mit kinder- und jugendpornografischen Bildern durchgeblättert – jede einzeln und im Beisein der beiden Schöffen, der Staatsanwaltschaft, der Verteidigung und des Angeklagten.
Der Angeklagte machte sich ganz klein
Kopfschütteln machte sich breit. Für die vollständige Beweisführung war dieser Schritt der Inaugenscheinnahme aber nötig.

howe Bad Berleburg. Den Beteiligten im Bad Berleburger Amtsgericht stand das Entsetzen in den Gesichtern geschrieben. Soeben hatte Torsten Hoffmann als Vorsitzender des Bad Berleburger Schöffengerichts minutenlang Seiten mit kinder- und jugendpornografischen Bildern durchgeblättert – jede einzeln und im Beisein der beiden Schöffen, der Staatsanwaltschaft, der Verteidigung und des Angeklagten.

Der Angeklagte machte sich ganz klein

Kopfschütteln machte sich breit. Für die vollständige Beweisführung war dieser Schritt der Inaugenscheinnahme aber nötig. Sage und schreibe 1015 Dateien von gänzlich unbekleideten Mädchen unter 14 Jahren, in sexuell aufreizender Weise, „teilweise von Männern vaginal penetriert“, wie der Vertreter der Staatsanwaltschaft formulierte, fanden die Ermittler auf einem Handy des 38-jährigen Mannes aus Wittgenstein. Dazu entdeckten die Beamten weitere 306 Dateien mit solchen Bildern von jugendlichen Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren. Außerdem untersuchten die Polizisten einen Chatverlauf vom Juni 2020.

Über WhatsApp besaß der Mann Bilddateien von nackten, 14- bis 18-jährigen Mädchen, sechs Dateien waren Videos von unter 14-Jährigen. In der Ermittlungsakte ist im Auswerte-Bericht sogar von „schweren sexuellen Missbräuchen an Kleinst- und Kleinkindern die Rede. Der Angeklagte selbst machte sich ganz klein, sprach kaum hörbar, leise, damit möglichst wenige Zuhörer im Saal folgen konnten. „Durch meine Sexsucht habe ich die Bilder hochgeladen“, verteidigte er sich. Das Wort gab er aber weiter an Rechtsanwalt Frank Henk (Bad Berleburg).

,,Es handelt sich um eine reine Suchtproblematik''

Der gab eine umfangreiche Erklärung ab, schilderte die privaten und persönlichen Verhältnisse des Mannes, der zuhause kranke Familienangehörige pflegt und nur stark reduzierte soziale Kontakte hat. „Mein Mandant ist beeindruckt von der Durchsuchung“, so der Anwalt. „Er hat vier Einzelgespräche bei der Diakonie geführt und mit verschiedenen Organisationen telefoniert.“ Angebote zur Hilfe seien vorhanden, es solle aber zunächst das Strafverfahren abgewartet werden.

Angaben machte Frank Henk auch zur psychiatrischen Behandlung des 38-Jährigen. Der besucht seit 2014 einen anerkannten Psychologen, unter anderem soll es hier um Trennungsstreitigkeiten gegangen sein. Auch von „Konsum von Telefonsex-Diensten in der Beziehung“ war die Rede. Frank Henk berichtete von einem intensiven Gespräch mit dem Psychologen, der bei dem 38-Jährigen eine Sexsucht festgestellt habe. Diese Sexsucht sei vergleichbar mit einer stofflichen Sucht. Die legale Einstiegsdroge sei sozusagen die erlaubte Pornografie. „Das steigert sich dann, wird immer härter, immer bizarrer.“ Der Psychologe sei sicher, so Frank Henk, dass der Klient über eine Neugier da „reingerutscht“ sei, eine Pädophilie liege bei ihm nicht vor. Der Mann sei in seinem Zuhause gefangen und habe mit der Pornografie ein Ventil gebraucht. Eine stationäre Therapie oder gar eine Psychotherapie halte der Psychologe für nicht sinnvoll. „Es handelt sich um eine reine Suchtproblematik.“

Staatsanwaltschaft fordert zwei Jahre auf Bewährung

Das eigentliche Problem sei die mangelnde Selbstreflexion und Selbstkontrolle. Jeder normale Mensch würde die Videos ausmachen und sagen, er wolle jetzt nichts mehr sehen. Bei dem 38-Jährige sei das anders. „Das ist ein Punkt, der in der Suchttherapie behandelt werden soll“, erläuterte Frank Henk.

Richter Torsten Hoffmann zeigte sich während der Verhandlung besonders über den Chat-Verlauf erschüttert, in dem der Angeklagte und der Adressat die Bilder zum Teil bewerteten und kommentierten. „Er wird vom Chatpartner aufgefordert, neue Bilder einzustellen, der kommt der Aufforderung nach.“

Während die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung forderte, drängte Frank Henk auf ein geringeres Strafmaß. Begründung: „Mein Mandant erscheint eher als passive Figur. Er schaut sich die Bilder im stillen Kämmerlein an. Er konsumiert am unteren Ende des Deliktfeldes.“ Frank Henk forderte eine Strafe von 15 Monaten auf Bewährung. Das Schöffengericht schloss sich dem Antrag der Staatsanwaltschaft an: zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung, wobei die Bewährungszeit bei vier Jahren liegt. Der 38-Jährige muss außerdem eine sexualtherapeutische Maßnahme beginnen.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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