41-Jähriger Angeklagter prügelte Tochter und Bruder

»Gefühllose Gesinnung« / Acht Monate auf Bewährung

Bad Berleburg. Gegen Ende der gestrigen Verhandlung wurde der 41-jährige Angeklagte kleinlaut: »So etwas wird nicht wieder vorkommen«, sagte er mit hängendem Kopf. Gut eine Stunde zuvor hörte sich das alles noch ganz anders an, da wollte der Mann, der vor kurzem aus Kasachstan nach Bad Berleburg gekommen war, nichts von den Vorwürfen wissen, mit denen ihn Staatsanwalt Wolfgang in seiner Anklageschrift konfrontierte.

Denn die waren nicht von Pappe: gefährliche Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen standen zur Verhandlung im Berleburger Amtsgericht an.

Zum einen soll der 41-jährige Sozialhilfeempfänger seine 17-jährige Tochter in einem Berleburger Verbrauchermarkt brutal geschlagen, zum anderen seinen Bruder mit einem Stuhl verprügelt haben. Seine Tochter habe er lediglich einmal mit der Hand ins Gesicht geschlagen, nachdem die zuerst zugelangt habe: »Wir hatten Streit, weil sie mir Geld gestohlen hatte.« Aus Sicht der 17-Jährigen hörte sich das zweifellos anders an. Es sei zu dem Konflikt gekommen, weil der Vater trotz der angespannten Finanzlage der Familie wieder einmal Alkohol in den Einkaufswagen gepackt habe.

Widerspruch habe er nicht geduldet, »dann hat er micht geschlagen, ich bin hingefallen und er hat weiter auf mich eingeprügelt«. Seither habe sie die Wohnung nicht mehr betreten, sie lebe jetzt in Unna: »Ich habe Angst vor ihm.« Auf Nachfrage von Staatsanwalt Wolfgang Nau bestätigte die junge Frau, dass sie in der Vergangenheit bereits öfter von ihrem Vater geschlagen worden sei. Gegenüber einem Mitarbeiter des Jugendamtes soll der Angeklagte sogar angekündigt haben, seiner Tochter den Kopf abzureißen und ihn auf den Tisch zu legen.

Wenig zimperlich ging der Sozialhilfeempfänger offenbar auch mit seinen Brüdern um. Die wollten sich gestern vor Gericht jedoch nicht äußern. Wohl aber ein 56-jähriger Wittgensteiner, der die Geschichte mit dem Stuhl zumindest teilweise beobachtet hatte. Wenn der Angeklagte etwas getrunken habe, »dann ist immer Zustand«, so der Zeuge. Ansonsten sei er aber ein ganz umgänglicher Mensch.

Staatsanwalt Wolfgang Nau sprach in seinem Plädoyer von »einer gefühllosen Gesinnung, andere Personen zu verletzen«. Die Körperverletzung gegen Tochter und Bruder gingen über das normale Maß hinaus, so dass eine achtmonatige Bewährungsstrafe und 150 gemeinnützige Arbeitsstunden angemessen seien.

Exakt so lautete auch das Urteil von Richter Torsten Hoffmann. Der Angeklagte zeige eine hohe Gewaltbereitschaft, »insbesondere im Zusammenspiel mit Alkohol«. Die Angst der 17-jährigen Tochter sei sogar so groß, dass sie die elterliche Wohnung verlassen habe und nicht mehr zurückkehren wolle.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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