Abend schöner Melodien

Die Blockflötistin Michala Petri begeisterte mit Bach und der Uraufführung von Bjernos „Bilderbuch Berleburg“. Foto: gmz
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gmz Bad Berleburg. Der dritte Abend der 37. Internationalen Musikfestwoche auf Schloss Berleburg stand unter dem Motto „Dänische Stars“. Und Weltklasse war das auch tatsächlich, was sich hinter dem etwas reißerischen Titel verbarg: Die exzellente Blockflötistin Michala Petri stellte mit der Welt-Uraufführung eines eigens für sie und die Musikfestwoche geschriebenen „Bilderbuches Berleburg“ des in Dänemark sehr bekannten Komponisten Erling D. Bjerno ein Werk vor, das IKH Prinzessin Benedikte und Fürst Richard gewidmet ist. Ihr brillantes, müheloses, sehr klares und ungemein variationsreiches Spiel kam dabei in seiner ganzen Virtuosität zur Geltung.

Das Werk für Blockflöte und Streichquartett op. 225 skizzierte in einem musikalischen Gang durch die Stadt sehr persönliche Eindrücke, die verzaubert, kämpferisch, träumend oder auch sinnierend waren, in gemäßigt modernem Klanggewand. Michala Petri bot sie auf verschiedenen Flöten mit großer Meisterschaft dar, ließ die Flöten weich, warm oder auch schrill klingen, lockte mit dem Ruf des frühen Vogels, verfolgte den Lauf des Wassers, ließ die Quelle sprudeln, hüpfen, während die gut begleitenden Streicher (das Twins-Quartett) die ruhige Wellenbewegung des Stromes nachahmten. Die Musik wandte sich von den Natureindrücken der Beschreibung von Empfindungen zu, spielte sperrig, verzückt, kantig oder zögernd. Solistin und Begleitung „umspielten“ sich beim Versuch, die fremden Klänge zu integrieren, griffen Impulse der einzelnen Instrumente auf, suchten und fanden eine Harmonie, die über die Welt hinauswies, die sie beschrieben. Schön!

Der Auftakt zum Konzert war klassisch, mit Bachs Sonate für Blockflöte und Klavier. Michala Petri zeigte den Modulationsreichtum ihres Spiels, der besonderen Klangfülle der barocken Blockflöte und entwickelte im aufmerksamen Zusammenspiel mit Katrine Gislinge am Klavier die wunderbaren Melodien Bachs mit mitreißender Frische. Überhaupt war es ein Abend, in dem schöne Melodien im Mittelpunkt standen. Der „zweite Solist“ des Abends, Andreas Brantelid (Violoncello), der seit seinem letzten Auftritt bei der Musikfestwoche noch sehr an Gestaltungskraft hinzugewonnen hat, stellte mit Luz Leskowitz und Katrine Gislinge Felix Mendelssohn Bartholdys Trio für Klavier, Violine und Violoncello in d-Moll op. 49 vor. Der satte Klang des Cellos, das temperamentvolle Klavier, die klangschöne Violine: Die drei Musiker gossen die Tiefe der Emotion, die Aufgewühltheit, die Träume, den Witz und die ernsthafte Suche in gültige Melodien.

Nach der Pause stellte Andreas Brantelid Peter Tschaikowskys „Pezzo Capriccioso“ für Violoncello und Orchester (in der Version für Streichquintett, mit Luz Leskowitz, Elena Issaenkova, Elena Alekseeva, Uwe Hirth-Schmidt und Mette Hanskov) vor, technisch herausfordernd, sehr virtuos gespielt: ein intensives Gespräch der Instrumente über „die Melodie“. Zum Abschluss spielte die gleiche Besetzung Joseph Haydns bekanntes Konzert für Violoncello und Streicher in C-Dur, Hob. VIIb:1. Auch hier überzeugte Andreas Brantelid mit diesmal schlankem Klang, den er, so wollte es scheinen, in seinem Instrument spürt und hervorlockt. Die Streicher, allesamt Solisten, gefielen ebenfalls mit dem geschmeidigen und spannungsreichen „typischen“ Haydn-Klang.

Im ersten Satz entwickelten sie ihn sehr pointiert, mit mal zarten, mal sehr kraftvollen Nuancen. Der zweite Satz lotete leicht melancholisch und fragend die einzelnen Stimmen aus, um zur nachdenklich erarbeiteten Melodie zu gelangen, die im dritten Satz strahlend und flott, temperamentvoll und variationsreich erklang. Ein wunderschönes, stimmiges Konzert!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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