Albtraum vom Heiraten »e Dutzelar«

Heinerländer Amateurbühne begeistert das Publikum erneut mit viel Situationskomik

db Dotzlar. Welches Paar träumt nicht von einer ruhigen und reibungslosen Hochzeit? Dies scheint aber unmöglich, sind sich die lieben Schwiegereltern nicht so wohl gesonnen. Und genau vor dieser Problematik sehen sich Ute-Joseffa und Mark-Friedrich. Um den wichtigsten Tag ihres Lebens doch noch in vollen Zügen zu genießen, fahren die Zwei in die Berge. Genauer gesagt in eine kleine Hütte am Rande eines noch kleineren Kaffs. Doch selbst da bleiben sie nicht von nervenden Mitmenschen verschont.

Die richtige Geschichte also, um von der »Heinerlanna« Amateurbühne aus den Bergen nach »Dutzelar« gebracht zu werden. Zum siebten Mal luden die Dotzlarer Amateurschauspieler jetzt zum »Mundart-Lustspeel« in die Kulturhalle Wittgenstein ein. Bei den eindeutigen Zweideutigkeiten spielten diesmal mit: der mehr oder weniger gute Geist der Hütte, Frau Schradler (Manuela van de Wetering), der geizige Kannibale Fritz (Bernd Mettbach), die Hausfrau der alten Schule, Matter (Doris Koch), der karibische Witwer Johann (Erhard Koch), das traditionsbewusste »Zahnspängchen« Marlene (Birgit Dreisbach-Dickel), der vom Schönheitswahn seiner Frau gestresste Zahnarzt Herbert (Hans-Georg Saßmannshausen), die ahnungslose Pfarrgehilfin (Angelika Schlapbach) und der italienische Bote und Rausschmeißer Il Patro alias Tim Saßmannshausen.

Fehlen durften natürlich auch nicht die beiden Leidtragenden Ute (Nicole Saßmannshausen) und Mark (Thorsten van de Wetering). Zurück zur Geschichte: Auch wenn das glückliche Paar sich seine Hochzeit eigentlich anders vorgestellt hatte, um dem vorprogrammierten Familienstress aus dem Weg zu gehen, war die Flucht wohl die beste Lösung. Dumm nur, dass Beide vorsichtig genug waren, um dem Vater beziehungsweise dem Bruder ihre Pläne zu verraten, »falls was passiert«. Während das Brautpaar auf seine idyllische Einsamkeit anstößt, können die »Vertrauenspersonen« ihren Mund nicht halten. Und wie sollte es anders sein, gerade als Ute ihre sexy Unterwäsche anzieht, klopft es an der Tür und Marks Eltern stehen samt Großvater im Wohnzimmer.

Fritz, Matter und Opa Johann machen sich erst mal über das italienische Abendessen der beiden Verliebten her. Als dann auch noch Utes Eltern in der einsamen Hütte erscheinen, »um bei den Hochzeitsvorbereitungen zu helfen«, ist das Horror- Szenario perfekt. Und was passiert nicht alles, wenn aus trauter Zweisamkeit plötzlich ein Familientreffen entsteht. Erst ist die Ruhe, dann sind die Ehebetten und nach kurz oder lang auch die Nerven weg. Das nicht zuletzt durch die ewigen Streitereien der beiden Parteien. Da gibt es Diskussionen über das Brautkleid und -auto, die Traditionen und sogar über den Frühstückstisch. Sowieso prallen beim Essen Welten aufeinander.

Marks Seite vertritt die alt eingessenen Werte, während ihre Eltern eher der gehobenen Klasse angehören. Oder wie Johann es ausdrückt: »feine Pinkel«. Irgendwann wird es den eigentlichen Hauptakteuren zu viel und sie hauen mal richtig auf den Putz. Während die beiden Mütter Kompromisse über das Brautkleid finden, planen Fritz und Johann eine »karibische Nacht«. Das Tanzlokal La Bomba in dem verschlafenen Örtchen lockt die beiden magisch an. Fritz, der durch seine regelmäßigen Stammtischbesuche voll im Training ist, und Johann, der ihm in nichts nachsteht, feiern die bevorstehende Vermählung auf ihre Art. Doch die 400-e-Nacht voll »Hulla Hulla« hat Folgen.

Zwar haben die Beiden den ersten Preis beim Kannibalen-Wettbewerb gewonnen, ihre Hochzeitsanzüge aber sind auf der Strecke geblieben. Wenn der Vater mit dem Sohne – ist Ärger also nicht weit. Durch eine Menge unmissverständlicher Missverständnisse wird aus der karibischen Nacht eine ausschweifend dreckige, in die sogar plötzlich der Pfarrer verwickelt ist. Fritz und Johann werden kurzerhand »andersrum« und zum schwulen Brautpaar, untermauert durch ihren gemeinsamen Hochzeitswalzer. Viel Durcheinander und falsch Verstehen sorgt bei den Familien für Ärger und bei den Zuschauern für jede Menge Lacher. So besteht Herbert darauf, mit seiner Tochter »Gassi« zum Altar zu gehen. Fritz ist ein Geizhals erster Klasse und lässt seine Frau Kleider bei Lidl kaufen. Auch hat er es geschafft, bereits bei der Verlobung seines Sohnes Lokalverbot zu bekommen. Johann, der gezwungenermaßen die Hochzeitsnacht mit seinem Enkel und dessen Frau verbringt, zieht Hundefutter dem »Italo-Fraß« vor. Das ganze Durcheinander in den Bergen findet immer dann seinen Höhepunkt, wenn die Hüttenwartin Schradler auf der Bildfläche erscheint. Die ordnungsvernarrte Frau, hat ein Organ, das sie »mit dem Hinnerschte Luft holt«. Ihr entgeht nichts: »Ech heren nämlich noch verdammt gütt«. Marlene und Matter stellen fest, dass sich die Figur im Alter verhält wie Bäume: die Ringe werden mehr und das Geäst weniger. Durch den ganzen Stress wird die Traum- zur Alptraumhochzeit.

Ob Mark und Ute sich doch noch »getraut« haben, können Interessierte von Freitag, 7. November, bis Sonntag, 9. November, erfahren. Auch ob Ute wirklich schon »einen Braten in der Röhre hat«, wird dann aufgelöst. Die »Heinerlanna« haben wieder mal ein Stück auf die Bühne gebracht, das von Verzwickungen und Durcheinander lebt. Gerät auch der rote Faden irgendwann in den Hintergrund, haben die Zuschauer immer etwas zu lachen. Besonders Bernd Mettbach, Liebling der vergangenen beiden Theaterstücke, sorgte bei den Premierebesuchern schon allein durch einfaches Tür öffnen für Begeisterung.

Wenn auch der ein oder andere Stuhl leer blieb, eine gelungene Premiere war es allemal. Und für alle Fans der Amateurbühnen steht nächstes Jahr ein besonderer Leckerbissen an. Gemeinsam mit den Laienspielgruppen aus Hatzfeld, Rinthe und Berleburg werden die Dotzlarer im März 2004 auf der Bühne stehen. Anlass ist das 20-jährige Bestehen der Berleburger Amateur-Gruppe.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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