An allen aktuellen Bezügen vorbei

Marburger Schauspiel brachte im Bürgerhaus Bad Berleburg »Dantons Tod« auf die Bühne

JG Bad Berleburg. »Ich weiß wohl, die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder.« Wenn dieser Satz auf einer Theaterbühne fällt, dann steht sicherlich Danton auf der Bühne und »Dantons Tod« auf dem Spielplan. Am Mittwochabend passierte das im Bürgerhaus Bad Berleburg, das Hessische Landestheater präsentierte das Büchner-Stück auf Einladung der örtlichen Kulturgemeinde. Andere Sätze aus dem Drama wie »Die Tugend muss durch Schrecken herrschen«, »Willst du noch länger zaudern?«, »Die seit langer Zeit in dieser Versammlung unbekannte Verwirrung beweist, dass es sich um große Dinge handelt« machten deutlich, welches Potenzial für die aktuelle Diskussion um den drohenden Irak-Krieg im Stück steckt. Dabei hat der Medizinstudent Georg Büchner doch schon vor 180 Jahren innerhalb von lediglich fünf Wochen »Dantons Tod« in Darmstadt geschrieben – mit dem Honorar dafür finanzierte der 21-jährige Revolutionär seine unumgängliche Flucht nach Straßburg.

Von Revolutionsfreunden zu Feinden

Nach Frankreich entführt denn auch »Dantons Tod«, und zwar in das nach-revolutionäre Paris. Entlang an historischen Tatsachen und Persönlichkeiten zeichnet Büchner in seinem Drama Geschehnisse von 1794 nach. Im Mittelpunkt der Handlung stehen Robespierre und Danton. Einst Freunde und Revolutionsgenossen, sind sie inzwischen erbitterte Gegner im Konvent geworden.

Zielgerichtet auf die Katastrophe zu

Robespierre setzt seine Werte, insbesondere seine Tugend nicht nur absolut, sondern will sie auch genauso durchboxen – notfalls mit Gewalt und der Selbstgerechtigkeit des Besessenen. Anfangs geht Danton diesen Weg mit, führt sogar selbst die Guillotine als argumentativen Beschleuniger für Sinneswandel und Haltungsänderung ein, erkennt dann aber, wie schnell eine brutale Umsetzung aus edlen Zielen und hehren Ansprüchen eine totalitäre Diktatur machen kann. Das Stück setzt ein, nachdem der Terror bereits die Oberhand gewonnen hat. Wie in Dramen üblich, haben Danton und Robespierre ihre festen Standpunkte und bewegen sich von dort aus auf das tragische Ende, eben »Dantons Tod« zu.

Musik aus dem Off

Die Problematik ist eine zeitlose, besonders packend in der derzeitigen, weltpolitischen Lage. Doch Regisseur Ekkehard Dennewitz verschenkte diesen Anknüpfungspunkt. Stattdessen legte seine Inszenierung sehr viel stärkere Akzente auf einen gewissen Pop-Aspekt. Sofort zu Beginn des Stücks herzten und massierten schöne Frauen die männlichen Darsteller mit ihren freien Oberkörpern, eine Szene von herrisch auftretenden Tugendwächtern wurde quasi als Rap adaptiert, ein Nummern-Girl hoppelte dann und wann über die Bühne und forderte Applaus in verschiedenen Stärken ein, besonders bodenständige Weisheiten wurden von einem Schauspieler in hessischer Mundart vorgetragen, in entscheidenden Augenblicken jammerte ein undefinierbares Streichinstrument aus dem Off. Diese schmissige Regie war wohl auf jugendliches Publikum ausgerichtet oder wenigstens so gemeint, schließlich ist »Dantons Tod« einer der Klassiker der Schullektüre.

Laaspher fuhren lieber weiter weg

Auch viele Berleburger Gymnasiasten besuchten Mittwochabend das Bürgerhaus, ob sie sich besonders von der Inszenierung angesprochen fühlten, blieb unklar. Das Haus war gut gefüllt, wenn auch durchaus noch Platz gewesen wäre für die ganzen Laaspher Gymnasiasten, die für »Dantons Tod« vom Hessischen Landestheater kurz zuvor extra nach Marburg gefahren waren. Da hätte etwas mehr inner-wittgensteinsche Kommunikation sicherlich helfen können.

Brillante Darsteller spielten mit

Und die Fahrt nach Berleburg hätte in jedem Fall gelohnt, denn selbst wenn die Inszenierung nicht auf der Höhe der Zeit war, so waren doch die Schauspieler brillant. Und das Drama ist ja sowieso unkaputtbar. Den Beweis treten die Marburger Darsteller am Samstag, 5. April im Freudenberger Schulzentrum Büschergrund an. Ab 20 Uhr steht dort dann erneut der Marburger Tod Dantons auf dem Plan.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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