Landrat geriet mächtig ins Schwitzen
Andreas Müller legte sein Löffeldiplom ab

Hut ab! Landrat Andreas Müller schaffte in der Drehkoite in Girkhausen das Löffeldiplom.
  • Hut ab! Landrat Andreas Müller schaffte in der Drehkoite in Girkhausen das Löffeldiplom.
  • Foto: Guido Schneider
  • hochgeladen von Holger Weber (Redakteur)

schn Girkhausen. Timo Florin zeigte sich beeindruckt vom Besuch in der Girkhäuser Drehkoite. Selten war der Andrang zum „Rewweln“ so groß wie in diesem Jahr, wusste der Vorsitzende des Verkehrs- und Heimatvereins Girkhausen. Landrat Andreas Müller war keinen Moment lang unbeobachtet, als er am Samstag sein Löffeldiplom ablegte. Ein großer Teil der Gäste musste stehen, die Plätze waren schon zu Beginn vollständig besetzt. Am Anfang war der Chef der Kreisverwaltung noch entspannt und scherzte über seine Wahl: „Ich dachte eigentlich, die Ehre ist schon, dass ein Siegerländer ausgewählt wurde.“

Kurz zuvor hatte Timo Florin, der auch Ortsvorsteher ist, festgestellt, dass nach vielen CDU-Mitgliedern nun mal ein Mann der SPD am Zug sei. Auch das brachte reichlich Lacher aus der Runde. Als Landrat habe er eingesehen, dass es keine gute Idee gewesen sei, eine Konkurrenzveranstaltung auf den Termin der Girkhäuser 800-Jahr-Feier zu legen. Das habe man dann auch geändert und so sei der Kontakt zum Heimatverein in Girkhausen entstanden. Unter den Augen zahlreicher ehemaliger Diplomanden begab sich Andreas Müller ans Schnitzmesser. Nach den ersten zaghaften Versuchen, angeleitet von „Schnitzmeister“ Hartmut Riedesel, machte sich der Landrat gar nicht schlecht.

Die spaßige Miene verging dabei aber schon nach wenigen Minuten, die Arbeit mit den historischen Werkzeugen war dann doch deutlich anstrengender als es aussah. Dies bestätigte auch Bernd Fuhrmann, der sein Diplom im vergangenen Jahr ablegt hatte. Er habe das völlig unterschätzt und sei mächtig durchgeschwitzt gewesen, gab der Bürgermeister der Stadt Bad Berleburg zu. Die „Beweisfotos“ aus 2018 würden das ja zeigen. Sein Nachfolger habe allerdings einen Vorteil: Die Drehkoite sei nicht ganz so stark geheizt wie zu seiner Zeit. Diesen Vorteil wollte Andreas Müller dann nicht so ganz sehen, von Minute zu Minute traten mehr Schweißperlen auf seine Stirn.
Damit das nicht zur Dehydration führte, sorgten einige Girkhäuser für einen ausreichenden Biernachschub. Andreas Müller zeigte sich als gelehriger Schüler und setzte die Erklärungen von Hartmut Riedesel schnell und gezielt in die Tat um. Dabei sollte es schon ganz genau werden, die Arbeiten am Löffeldiplom zogen sich ein wenig in die Länge. Zeit für Hartmut Riedesel, etwas über die Technik zu erklären.

Als Holz verwendet man demnach Lindenholz, dass die richtigen Eigenschaften mitbringt und vor allem nicht zu hart ist. Gut gewässert, lässt sich das Werkstück gut bearbeiten. Der Rohling wird aus einem Stück Holz, zum Beispiel einem Scheit Brennholz, herausgeschnitten und grob in Form gebracht. Die Mulde des Löffels wird zuerst mit einer Axt, dann mit einem Schäleisen in Form gebracht. Um das Ganze dann glatt zu bekommen ist Schleifpapier im Einsatz. Um die gefälligen Rundungen auf der Außenseite und am Stiel zu formen, werden extrem scharfe Messer benutzt. „Da kann man sich richtig mit schneiden, abrutschen ist keine gute Idee“, so Hartmut Riedesel. Wenn man allzu forsch mit dem Schäleisen zu Werke geht, dann wird der Löffel zu dünn oder gar löchrig und die Arbeit kann gleich nochmal von vorne beginnen. „Wenn ihm jetzt noch jemand sagt, wie viele er davon machen muss, um davon leben zu können, dann bricht wirklich Schweiß aus“, scherzte einer der Gäste über die Arbeit von Andreas Müller.

Dieser war sichtlich froh, als er sein Werk vollendet hatte und sicher schwang auch Stolz mit. Sein Vater, selbst Werkzeugmacher, habe sein Vorhaben noch belächelt, berichtete Andreas Müller. Seine Vorgänger nahmen die Arbeit kritisch unter die Lupe, vergaben schließlich dann aber doch das Diplom.
In der Drehkoite geht es am Samstag, 4. Januar, gleich weiter. Dann steht die nächste reguläre Museumsöffnung an – wie an jedem ersten Sonntag im Monat. Im Mai steht die erste Hochzeit in Girkhausen an, die Drehkoite ist inzwischen offizielles Trauzimmer der Stadt Bad Berleburg. Der vom Landrat betonte und begrüßte Generationswechsel im Girkhäuser Heimatverein zeigt Wirkung.

Autor:

Guido Schneider aus Siegen

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