SZ

Beleidigungsprozess ohne Hauptzeuge
Angeklagter freigesprochen

Der Prozess vor dem Bad Berleburger Amtsgericht endete mit einem Freispruch.
  • Der Prozess vor dem Bad Berleburger Amtsgericht endete mit einem Freispruch.
  • Foto: Archiv
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

howe Bad Berleburg. Der Fall im Bad Berleburger Amtsgericht hätte fast gar nicht verhandelt werden können. Denn ausgerechnet der Hauptzeuge, der vom Angeklagten heftig beschimpft und beleidigt worden war, ist inzwischen nach Bosnien ausgewandert. Da war für Richter Torsten Hoffmann und Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel schnell klar, dass es unverhältnismäßig wäre, das Opfer der Beleidigung für eine Zeugenaussage aus der Ferne nach Bad Berleburg zu laden. Also verhandelte das Gericht erst einmal ohne den Busfahrer.

Der hatte am Bad Berleburger Bahnhof gehalten, als zwei Männer einstiegen, um mitgenommen zu werden. Der erste zeigte eine bereits entwertete Fahrkarte vor, der zweite konnte sich vor lauter Alkoholkonsum kaum mehr auf den Beinen halten.

howe Bad Berleburg. Der Fall im Bad Berleburger Amtsgericht hätte fast gar nicht verhandelt werden können. Denn ausgerechnet der Hauptzeuge, der vom Angeklagten heftig beschimpft und beleidigt worden war, ist inzwischen nach Bosnien ausgewandert. Da war für Richter Torsten Hoffmann und Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel schnell klar, dass es unverhältnismäßig wäre, das Opfer der Beleidigung für eine Zeugenaussage aus der Ferne nach Bad Berleburg zu laden. Also verhandelte das Gericht erst einmal ohne den Busfahrer.

Der hatte am Bad Berleburger Bahnhof gehalten, als zwei Männer einstiegen, um mitgenommen zu werden. Der erste zeigte eine bereits entwertete Fahrkarte vor, der zweite konnte sich vor lauter Alkoholkonsum kaum mehr auf den Beinen halten. Also warf der Busfahrer die beiden hinaus. Die schimpften wie die Rohrspatzen, beleidigten den Fahrer mit üblen Worten und zeigten ihm den „Stinkefinger“.

Gesuchte schnell gefunden

Während die Betrunkenen den Bus verließen und zu Fuß davonzogen, rief der Busfahrer die Polizei an. Eine Streife machte sich auf den Weg, um die Männer früh morgens gegen 5.30 Uhr zu suchen. Und weil die Straßen da für gewöhnlich noch menschenleer sind, war es auch kein Problem, die einzigen beiden Männer weit und breit, zur Rede zu stellen. Sie hätten den Angeklagten und dessen Begleiter angetroffen, berichtete der Polizeibeamte.

Eine verbale Auseinandersetzung soll es gegeben haben, außerdem sollen Beleidigungen ausgesprochen worden sein. Er habe dann ein Gespräch mit den beiden Männern geführt, schließlich seien die Männer später dingfest gemacht worden. Der 35-jährige Angeklagte bestritt die Beleidigungen. „Ich wurde vom Busfahrer mit meinem Fahrticket reingelassen, mein Kumpel nicht, weil der zu betrunken war“, schilderte der Angeklagte. Eine entwertete Fahrkarte habe er nicht vorgezeigt. Da wisse er nichts von.

"Für mein Verständnis ist nicht passiert"
Angeklagter
im Amtsgericht

„Und warum ruft ein Busfahrer die Polizei, wenn nichts gewesen ist“, wollte Richter Torsten Hoffmann wissen. „Die Polizei hat mich später in der Stadt angetroffen, die Personalien aufgenommen und mir anschließend einen schönen Tag gewünscht.“ Wo es in der Erinnerung dem 35-Jährigen jedoch fehlte: Er sei mit dem Vorwurf der Beleidigung konfrontiert und von der Polizei belehrt worden, so der Polizeibeamte.

„Für mein Verständnis ist nichts passiert“, entgegnete der Angeklagte, den Richter Torsten Hoffmann aus der Justizvollzugsanstalt vorführen ließ. Den Busfahrer würde er natürlich gerne hören, konstatierte Verteidiger Norbert Wickel. Ansonsten, wenn er denn plädieren müsste, würde er auf Freispruch plädieren. „Gegen meinen Mandanten liegt ja so weit nichts vor, wie sich bisher herausgestellt hat.“ In der Tat gestaltete sich die Beweisführung schwierig, zumal die Beteiligten darauf verzichteten, den Busfahrer aus dessen neuer Heimat herbei zu zitieren.

Auf Vorschlag der Staatsanwalt stellte Torsten Hoffmann das Verfahren wegen sechsfacher Beleidigung auf Kosten der Landeskasse ein. Einzig die Kosten, die der Angeklagte selbst hat, die muss dieser auch selbst tragen. Die Sache ist damit erledigt.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

5 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen