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Gullydeckel-Prozess vor Amtsgericht Bad Berleburg
Angeklagter Lokführer schweigt

Thomas C. (rechts) im Gespräch mit seinem Verteidiger Dennis Tungel. Beim Prozessauftakt gestern in Bad Berleburg wollte der Angeklagte keine Aussage machen, bestreitet die Tat nach Aussage seines Verteidigers aber weiter.
  • Thomas C. (rechts) im Gespräch mit seinem Verteidiger Dennis Tungel. Beim Prozessauftakt gestern in Bad Berleburg wollte der Angeklagte keine Aussage machen, bestreitet die Tat nach Aussage seines Verteidigers aber weiter.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

juka Bad Berleburg. Versteckt hinter einer Sonnenbrille und einer hoch ins Gesicht gezogenen Schutzmaske betritt Thomas C. gemeinsam mit Verteidiger Dennis Tungel am Freitag um 9.56 Uhr den Verhandlungssaal im Amtsgericht Bad Berleburg. Empfangen wird er von unzähligen Kamerateams und Fotografen. Das Interesse an dem als „Gullydeckel-Anschlag“ bekannt gewordenen Fall ist riesig, weckt weit über die Region hinaus Interesse. Sogar der kleine Zuschauerbereich platzt beim Prozessauftakt aus allen Nähten. Angeklagt ist der 50-jährige Lokführer Thomas C. wegen Vortäuschens einer Straftat und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Dem Familienvater aus Lünen wird vorgeworfen, am 13.

juka Bad Berleburg. Versteckt hinter einer Sonnenbrille und einer hoch ins Gesicht gezogenen Schutzmaske betritt Thomas C. gemeinsam mit Verteidiger Dennis Tungel am Freitag um 9.56 Uhr den Verhandlungssaal im Amtsgericht Bad Berleburg. Empfangen wird er von unzähligen Kamerateams und Fotografen. Das Interesse an dem als „Gullydeckel-Anschlag“ bekannt gewordenen Fall ist riesig, weckt weit über die Region hinaus Interesse. Sogar der kleine Zuschauerbereich platzt beim Prozessauftakt aus allen Nähten. Angeklagt ist der 50-jährige Lokführer Thomas C. wegen Vortäuschens einer Straftat und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Dem Familienvater aus Lünen wird vorgeworfen, am 13. April 2019 einen unbesetzten Zug der Hessischen Landesbahn zwischen Bad Berleburg und Raumland in zwei von ihm unter einer Brücke positionierten Gullydeckel gesteuert zu haben. Zuerst war man von einem Anschlag ausgegangen, nur die Notbremsung und ein Sprung weg vom Fahrerstuhl haben C. damals wohl das Leben gerettet und ohne große Verletzungen der Situation entfliehen lassen, doch DNA-Spuren des Angeklagten brachten die Ermittler schließlich auf die Spur des Lokführers selbst. Der stritt die Tat aber klar ab.

Angeklagter Lokführer streitet alles ab

Beim Prozessauftakt am Freitag unter dem Vorsitz von Richter Torsten Hoffmann wollte sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen äußern. Sein Verteidiger Dennis Tungel erklärte hingegen: „Mein Mandant streitet alles ab. Wir wollen in dem Verfahren nachweisen, dass ihn keine Schuld trifft“, so Tungel. Da ein von Richter Hoffmann anberaumtes Rechtsgespräch unmittelbar nach dem Schweigen des Angeklagten, wie zu erwarten, keine Einigung zwischen den Parteien brachte, begann der bereits im Vorfeld absehbare Indizienprozess.
Belastend für C.: Sowohl an den Knoten der Seile auf der Brücke, mit denen die Gullydeckel, die tags zuvor auf der Kreisstraße 31 zwischen Allenbach und Grund gestohlen worden waren und hinabgelassen wurden, als auch an den Deckeln selbst, wurden DNA-Spuren des Angeklagten festgestellt.Bei einer Wohnungsdurchsuchung waren zudem unter anderem Karabiner und Schneidwerkzeug, die zur Trennung der Seile benutzt worden sein könnten, aufgefunden worden. Eine erste kleine Wende gab es dann, als ein Kriminalbeamter aus Bad Berleburg berichtete, dass C. angegeben habe, den Zug vor Eintreffen der Einsatzkräfte verlassen zu haben, die Böschung zur Brücke hinaufgelaufen zu sein und die Vorrichtung untersucht und dabei berührt zu haben.

Die Gullydeckel selbst habe er angefasst, da er einen öligen Geruch ausgemacht habe, berichtete der Beamte aus einem Gespräch mit dem Lokführer vor Ort. Diesen Geruch konnte aber weder der Beamte selbst noch einer seiner vernommenen Kollegen bestätigen. Zudem führte ein Ermittler der Mordkommission Hagen, die den Fall übernommen hatte, aus, dass die DNA-Spuren an den Gullydeckeln und den Seilen nur durch intensiven Kontakt in dieser Form hätten entstehen können. Nicht nur durch ein bloßes Berühren.

Lokführer ging ganz nüchtern mit der Situation um

Aber auch das Auftreten des Mannes, der bei der Vernehmungen durch die Polizei angegeben hatte, die Notbremsung und den rettenden Sprung vorgenommen zu haben, da er in den dämmrigen Bedingungen ein nicht zuzuordnendes Objekt erkannt habe, war ein großes Thema. Gleich mehrere Zeugen, darunter auch die Beamten, die als erste am Tatort angekommen waren, berichteten im Nachgang von einem „ungewöhnlichen Verhalten“. Ganz nüchtern sei er mit der Lage umgegangen. „Als wäre es eine Alltagssituation“, verglich einer der Beamten.
Ein mögliches Motiv blieb darüber hinaus unklar. Aus Protokollen gab es von dem Angeklagten nur noch die Aussage: „Ich habe damit nichts zu tun. Ich wüsste nicht, was ich davon hätte.“ Fortgesetzt wird der Prozess am nächsten Freitag.

Autor:

Julian Kaiser (Volontär) aus Siegen

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