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Vodka und Bier erst auf Parkplatz getrunken?
Angeklagter streitet Alkohol-Fahrt ab

Der 44-Jährige behauptet, auf dem Parkplatz „in zwei bis drei Minuten“ eine halbe Flasche Wodka sowie zwei 0,5-Liter-Dosen Bier getrunken zu haben.
  • Der 44-Jährige behauptet, auf dem Parkplatz „in zwei bis drei Minuten“ eine halbe Flasche Wodka sowie zwei 0,5-Liter-Dosen Bier getrunken zu haben.
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

howe Bad Berleburg. Die Nachtrunk-Taktik wenden viele Angeklagte an. Die Einlassungen sind eigentlich immer die gleichen: Die Polizei bekommt einen Tipp, dass jemand betrunken Auto gefahren ist. Die Beamten suchen den Täter dann auf und erfahren meistens an der Haustür, dass dieser sich innerhalb kurzer Zeit – gerade im Moment – zu Hause betrunken haben will. Gefahren sei er keineswegs unter Alkoholeinfluss. Wie oft stellt dann vor Gericht ein Gutachter fest, dass der Täter bei entsprechendem Blutalkoholwert zwingend den Alkohol schon vor der Ankunft zu Hause konsumiert haben muss. Ähnliches zeichnet sich bei dem Fall ab, der am Dienstag im Bad Berleburger Amtsgericht zumindest mal anverhandelt wurde.

howe Bad Berleburg. Die Nachtrunk-Taktik wenden viele Angeklagte an. Die Einlassungen sind eigentlich immer die gleichen: Die Polizei bekommt einen Tipp, dass jemand betrunken Auto gefahren ist. Die Beamten suchen den Täter dann auf und erfahren meistens an der Haustür, dass dieser sich innerhalb kurzer Zeit – gerade im Moment – zu Hause betrunken haben will. Gefahren sei er keineswegs unter Alkoholeinfluss. Wie oft stellt dann vor Gericht ein Gutachter fest, dass der Täter bei entsprechendem Blutalkoholwert zwingend den Alkohol schon vor der Ankunft zu Hause konsumiert haben muss. Ähnliches zeichnet sich bei dem Fall ab, der am Dienstag im Bad Berleburger Amtsgericht zumindest mal anverhandelt wurde. Denn Richter Torsten Hoffmann setzte das Verfahren aus, weil ein Sachverständiger die Angelegenheit klären soll.

Alkohol erst auf dem Parkplatz getrunken

Aber von vorn: Auf der Anklagebank saß ein 44-jähriger Mann aus einem Bad Berleburger Ortsteil. Der selbstständige Unternehmer soll im Juni unter Alkoholeinfluss mit seinem Auto unterwegs gewesen sein. Die Polizei erwischte den Mann kurz nach einem Hinweis auf einem Parkplatz. Und genau dort will der 44-Jährige „in zwei bis drei Minuten“ eine halbe Flasche Wodka sowie zwei 0,5-Liter-Dosen Bier getrunken haben. „Danach war ich betrunken.“ Was vor Gericht wegen der Verfahrensaussetzung nicht zur Sprache kam: Nach SZ-Informationen soll ein Mitarbeiter einer Tankstelle, bei der der Angeklagte wenige Augenblicke zuvor Zigaretten gekauft hatte, die Polizei alarmiert haben. Dem Mitarbeiter war der starke Alkoholkonsum des Mannes aufgefallen. Und weil er gesehen hatte, wie der Kunde ins Auto gestiegen war, hatte er die Polizei benachrichtigt. Als Zeuge wurde der Mitarbeiter am Dienstag nicht gehört, das behält sich das Gericht für die Fortsetzungsverhandlung vor. Torsten Hoffmann sicherte sich mit der Stellungnahme des Angeklagten zu Protokoll ab. Während der Richter die Aussage zum Nachtrunk auf dem Parkplatz zu Protokoll gab und die Protokollantin die vier Sätze nochmal vorlas, bestätigte der 44-Jährige seine Aussage erneut: in drei Minuten eine halbe Flasche Wodka einer 0,7-Liter Flasche. Dazu zwei Dosen Bier 0,5 Liter. Mehr nicht. Der Angeklagte gab auch zu Protokoll, dass er weder vor dem Eintreffen am Parkplatz noch danach Alkohol zu sich genommen habe.

Wie plausibel ist die Aussage?

Damit wird jetzt der forensisch-klinische Chemiker Dr. rer. nat. Ronald Agius vom Labor Krone in Bad Salzuflen beauftragt. Der soll ein Nachtragsgutachten zur Frage der Plausibilität der Angaben des Angeklagten zum Nachtrunk einholen. Außerdem soll Dr. Ronald Agius eine Begleitstoffanalyse durchführen – auf Basis der Angaben des Angeklagten zu Protokoll des Gerichts. „Sollte das nicht stimmen, was Sie hier sagen“, warnte Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel den 44-Jährigen, „wird das sehr teuer.“ Und sie werde, wenn hier die Unwahrheit gesagt werde, dies strafverschärfend werten. Mehrfach hatten sowohl die Vertreterin der Staatsanwaltschaft als auch Richter Torsten Hoffmann auf den Angeklagten eingeredet, seine Einlassung zu überdenken und den Einspruch gegen den bereits erteilten Strafbefehl zurückzunehmen. 30 Tagessätze zu 40 Euro hätte der 44-Jährige zahlen müssen, dazu erhielt er im Sommer ein Fahrverbot von neun Monaten. Da davon nur noch fünf Monate übrig sind, hätte der Führerschein im März wieder erteilt werden können. Nun aber erfolgte keine Einspruchsrücknahme, der Fall geht vielmehr in die zweite Runde.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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