Regionaltagung des Umweltministeriums
"Anpacker-Mentalität" ist gefragt

Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann (mittlere Reihe, linkes Bild) war jetzt Teilnehmer der Podiumsdiskussion im Rahmen der digitalen Jahresregionaltagung des NRW-Umweltministeriums.
  • Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann (mittlere Reihe, linkes Bild) war jetzt Teilnehmer der Podiumsdiskussion im Rahmen der digitalen Jahresregionaltagung des NRW-Umweltministeriums.
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sz Bad Berleburg. Gerade im ländlichen Raum sind Innovationskraft und Kreativität gefragt – nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie. Um sich fit für die Zukunft aufzustellen, bedarf es einer nachhaltigen strategischen Ausrichtung. Die Stadt Bad Berleburg setzt im Rahmen ihres Leitbilds „Bad Berleburg – Meine Heimat 2030“ genau darauf. Bereits vor einigen Jahren hat die Stadt der Dörfer einen Prozess angestoßen, der schon jetzt Früchte trägt. „Entscheidend ist die Verzahnung in der Region und die Strategie dahinter. Wir müssen die Prozesse in den Ortschaften erlebbar machen“, erklärte Bernd Fuhrmann.

Der Bürgermeister der Stadt Bad Berleburg war jetzt Teilnehmer der Podiumsdiskussion im Rahmen der digitalen Jahresregionaltagung „Resiliente Regionen – Erfahrungen, Ansätze und Perspektiven“ des NRW-Umweltministeriums. Um einen nachhaltigen Wandel zu gewährleisten, sei die Vernetzung innerhalb des Stadtgebietes, aber auch innerhalb der gesamten Region von großer Bedeutung, erklärte Bernd Fuhrmann, der als Vertreter der Kommunen teilnahm. Digitalisierung, neue Ansätze in der Bildungspolitik und eine regionale Wertschöpfung sind für den Bürgermeister dabei die entscheidenden Faktoren, um sich für die Menschen attraktiv aufzustellen.

Wandel der Region im Blick behalten

Gerade mit Blick auf die verschiedenen Förderkulissen – Bad Berleburg ist Teil der Leader-Region Wittgenstein und wirkt im Rahmen der Regionale 2025 mit – sei es wichtig, den Wandel der Region im Blick zu haben. „Wir sind eine kompakte Region, das ist sicherlich von Vorteil. Entscheidend ist es aber, dass wir uns auf Kreisebene richtig verzahnen. Gerade die Regionale hat geholfen, interkommunale Zusammenarbeit weiter voran zu bringen – vernetzt zu denken, ist enorm wichtig“, betonte Bernd Fuhrmann. Zugleich hob der Bad Berleburger Bürgermeister die Bedeutung der „lokalen Verzahnung“ hervor. Es gelte, einen Fokus auf die Vereinbarkeit von Globalität und Nachhaltigkeit einerseits und die Entwicklung vor Ort andererseits zu legen.

Dr. Stephanie Arens, ebenfalls Teilnehmerin der Podiumsdiskussion, lobte insbesondere die langjährige enge Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Berleburg, die innerhalb des Gesamtprozesses „mutmachende Projekte für andere Regionen“ auf den Weg gebracht habe, sagte die Prokuristin der Südwestfalen-Agentur. „Da ist eine Anpacker-Mentalität da, eine große Engagementkultur in den Orten, in der Verwaltung und in den Unternehmen“, betonte Dr. Stephanie Arens.

"Müssen die Bevölkerung in allen Bereichen mitnehmen"

Tatsächlich eine der großen Stärken von Bad Berleburg: „Das ehrenamtliche Engagement und die engagierten Unternehmen sind enorm wichtig für die Entwicklung. Vor allem in den zahlreichen familiengeführten Unternehmen gab es in den vergangenen Jahren einen enormen Wandel – der Fokus liegt nun auf Fachkräftegewinnung, das hat enorme Bedeutung für die Stadt. Die Unternehmen bringen sich dabei mit Eigenmitteln ein, das ist nicht selbstverständlich“, lobte Bernd Fuhrmann.

Dass das Ehrenamt überdies eine tragende Rolle spielt, verhehlte er nicht – im Gegenteil: „Wir müssen die Bevölkerung in allen Bereichen mitnehmen, das Ehrenamt beleben.“ Dabei müsse auch das Ehrenamt selbst neu gedacht werden – weg von einer permanenten Verpflichtung, hin zu projektbezogenen, zeitlich begrenzten Aufgaben. In diesem Prozess befinde sich die Stadt mit ihren Vereinen bereits.

Eine weitere Stärke der Stadt Bad Berleburg ist das Leitbild 2030 selbst. „Wir haben uns bewusst gelöst von der reinen Problembetrachtung und stattdessen Lösungsansätze und ein Ziel formuliert. Wir wollen lernen, smart mit dem demografischen Wandel und seinen Folgen umzugehen. Wir wollen eine resiliente Entwicklung, eine nachhaltige Entwicklung, in der sich Menschen wohlfühlen – die Zukunftsgestaltung ist das Entscheidende.“ Um aber all diese Aufgaben überhaupt stemmen zu können, sind die Rahmenbedingungen entscheidend – gerade mit Blick auf die Digitalisierung und vielmehr noch in Zeiten der Corona-Pandemie.

Zukunft anders denken

„Wenn wir schon nicht an die Autobahn angeschlossen sind, dann ist es wichtig, zumindest an die digitale Autobahn dranzukommen. Es darf für Netzbetreiber keine Frage der Rentabilität sein, ob sie das Netz ausbauen. Digitalisierung ist das Mittel, um Nachhaltigkeit zu gewährleisten und eine Verzahnung in Wirtschaft, Ehrenamt und im Bildungssektor zu gewährleisten“, erklärte Bernd Fuhrmann. Es brauche digitale Ortsmitten in jeder Ortschaft, um einen multimedialen Austausch zu ermöglichen.

Ein wichtiger Baustein, um dies zu ermöglichen seien die Grund- und Nahversorgungszentren in den einzelnen Dörfern. Digitalisierung müsse erlebbar gemacht werden. Beiträge der Stadt Bad Berleburg sind dabei – neben den Touren durch die Dörfer – etwa das regelmäßige Angebot von „Facebook live“ sowie die regelmäßigen Zoom-Konferenzen mit den Ortsvorstehern. Bildung wiederum dürfe nicht nur digital gedacht werden, sondern müsse künftig ganz anders gestaltet werden. Etwa indem das vielzitierte grüne Klassenzimmer deutlich mehr mit dem MINT-Bereich verzahnt werde.

Nur auf diese Weise sei eine nachhaltige Zukunftsgestaltung möglich, erklärte Bernd Fuhrmann, der die regionale Wertschöpfung nicht außer Acht ließ. „Wir müssen Waldbau künftig anders denken, gemeinsame Lösungen im Sinne regionaler Wertschöpfungen entwickeln – und auch mit Blick auf den Städtebau mit Heimatholz, mit Kalamitätsholz, mit dem Rohstoff Holz arbeiten“, skizzierte Bernd Fuhrmann die weiteren Herausforderungen, die die Stadt Bad Berleburg bereits aktiv anpackt.

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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