Arbeit und Überwachung sollen Mann vor neuen Taten bewahren

Ein Jahr auf Bewährung für einen Dieb aus Wittgenstein

JG Bad Berleburg. »Das gehört net mir, das kannste so net machen« – an kleine Skrupel vor seinen Taten erinnerte sich gestern Morgen der Angeklagte im Berleburger Amtsgericht. Aber am Ende beging er dann doch sechs Diebstähle, für die er sich verantworten musste. Wobei schon die Anklageschrift davon ausging, dass die Taten im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit verübt wurden. Zwei Dinge sind es, die den Geistes- und Gemütszustand des 43-Jährigen seit längerem beeinträchtigen.

Johannes Völler als Facharzt für Psychotherapie äußerte sich zu diesen Dingen als Zeuge. Zum einen war es eine Syphilis, die sich der Mann 1994 in einem Bordell geholt hatte und die noch heute seine Nachwirkungen bei ihm zeigte. Zum anderen war es ein Autounfall, den der Mann nach reichlich Glühwein auf einem Weihnachtsmarkt vor drei Jahren verursachte. Bei ihm blieb ein Kleinhirnschaden zurück, durch den Unfall kam es zu einer erheblichen Unterversorgung des Gehirns. Der 43-Jährige bedürfe eines durchstrukturierten und kontrollierten Rahmens, weil es auch Tendenzen zu dis-sozialem Verhalten gebe und er bei fehlender Beschäftigung solche Dinge tue, die gestern angeklagt waren.

Solche Dinge, die sich zwischen September 2002 und Juli 2003 ereigneten. Der Mann lebte zu dieser Zeit noch – ohne sinnvolle Beschäftigung – in einer Wohneinrichtung in Bad Laasphe. Im September 2002 war er einfach in eine fremde Wohnung gegangen und hatte dort ein Handy entwendet. Rund eine Woche später fuhr er »aus lauter Langeweile« nach Fischelbach, stiefelte in ein ihm fremdes Haus, dessen Tür offen stand, klaute 80 e aus einem Geldbeutel und ein Sparbuch aus dem Schlafzimmer, von dem er dann in Bad Laasphe 200 e abhob. Frage des Richters: »Brauchten sie Geld?« Kopfschüttelnd antwortete der Angeklagte: »Ich krieg doch mein Taschengeld!« Eine Zeit lang ging es dann gut, bis ins vergangene Frühjahr. An einem Tag ging er erst einmal bei Schlecker, dann im Ihrplatz klauen. Beim ersten nahm er Süßigkeiten und Nutella für gut 10 e mit, beim zweiten Batterien, Nagellack, ein Skatspiel für gut 20 e. Vier Wochen später war er erneut im Schlecker, diesmal sogar ein Schaden von 30 e. Deutlich dreister dann der letzte Fall. Der Sprechstundenhilfe in einer Praxis stahl im Juli 180 e aus einer Geldbörse. »Ja, das war ich auch«, so der kurze Kommentar des Angeklagten dazu.

Der Täter wurde immer irgendwie geschnappt und hat die meisten der finanziellen Schäden wieder gut gemacht, trotzdem waren sich alle einig, dass es so nicht weitergehen konnte. Deshalb war der Mann auf Anraten seines Betreuers Hubert Berschauer nach der letzten Tat freiwillig in die Geschlossene nach Weidenau gegangen. Der Betreuer hatte mittlerweile auch einen Plan für das künftige Leben des Angeklagten ausgeklügelt: Tagsüber könnte der 43-Jährige in einer Arbeits-Einrichtung für Behinderte arbeiten, nicht eingeschlossen, aber unter sozialpädagogischer Aufsicht, den restlichen Tag könnte er in einer neuen, geschlossenen Wohneinrichtung verbringen.

Staatsanwalt Wolfgang Nau sah das als gute Möglichkeit an, obwohl er auch eine noch laufende Bewährungsstrafe wegen anderer Delikte und zahlreiche einschlägige Vorstrafen registrierte. Ein Jahr auf Bewährung war sein Antrag. Verteidigerin Claudia Donné wollte »keinen speziellen Antrag« stellen, aber auf jeden Fall Bewährung für ihren Mandanten haben.

Richter Torsten Hoffmann und seine beiden Schöffinnen entsprachen dem Antrag des Staatsanwaltes in ihrem Urteil, so dass der Angeklagte nun tatsächlich in dieser Kombination aus beaufsichtigt und eingeschlossen leben kann. Wobei Torsten Hoffmann dem Angeklagten eindringlich ermahnte, dass er seine kleinen Freiheiten nicht zu Straftaten ausnutzen dürfe: »Sonst geht das alles kaputt, was ihr Betreuer ihnen erarbeitet hat.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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