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Der älteste Hof Wittgensteins
Archäologischer Fund im Preisdorftal

Altfunde aus dem 7. und 8. Jahrhundert: Hans-Günter Radenbach aus Berghausen hat 1000 Scherben gefunden – mit den jüngsten Ausgrabungen sind das Belege dafür, dass es im Preisdorftal den ältesten Hof Wittgensteins gegeben haben muss.
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  • Altfunde aus dem 7. und 8. Jahrhundert: Hans-Günter Radenbach aus Berghausen hat 1000 Scherben gefunden – mit den jüngsten Ausgrabungen sind das Belege dafür, dass es im Preisdorftal den ältesten Hof Wittgensteins gegeben haben muss.
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howe Berghausen. Die archäologische Überraschung förderten die Fachleute vor wenigen Wochen zutage, als sie im Bereich Preisdorf in Berghausen ein steingemauertes Fundament eines Kellers aus dem frühen Mittelalter entdeckten. Damit gelang den Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) unter Leiung von Dr. Manuel Zeiler ein ganz besonderer Coup.

Prof. Michael Baales, Leiter der LWL-Außenstelle Olpe, sprach vom „ersten archäologischen Ausgrabungsfund einer derart frühen, mittelalterlichen Ansiedlung in der gesamten Region“. Ein „unerwarteter, archäologischer Glücksfall“ sei das. Die Siegener Zeitung erfuhr: Bei dem zwei- bis dreilagig erhaltenen Steinfundament handelt es sich um Reste des Wittgensteiner Urhofs.

howe Berghausen. Die archäologische Überraschung förderten die Fachleute vor wenigen Wochen zutage, als sie im Bereich Preisdorf in Berghausen ein steingemauertes Fundament eines Kellers aus dem frühen Mittelalter entdeckten. Damit gelang den Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) unter Leiung von Dr. Manuel Zeiler ein ganz besonderer Coup.

Prof. Michael Baales, Leiter der LWL-Außenstelle Olpe, sprach vom „ersten archäologischen Ausgrabungsfund einer derart frühen, mittelalterlichen Ansiedlung in der gesamten Region“. Ein „unerwarteter, archäologischer Glücksfall“ sei das. Die Siegener Zeitung erfuhr: Bei dem zwei- bis dreilagig erhaltenen Steinfundament handelt es sich um Reste des Wittgensteiner Urhofs. Heißt im Klartext: Der entdeckte Platz ist wohl „100 bis 150 Jahre älter als die ersten urkundlichen Erwähnungen von Raumland, Arfeld, Hesselbach und Laasphe“. Das stellt der in die Grabungen involvierte Hans-Günter Radenbach fest, der sich dabei auf die Aussage des LWL-Oberkonservators Dr. Rudolf Bergmann bezieht. Das Spannende an der Sache: Der hatte in 2016, also vor der aktuellen Grabung, nochmal die über 1000 Altfunde von Hans-Günter Radenbach unter die Lupe genommen und eine neue Auswertung der Fundstücke vorgelegt.

Demnach erkannte der Fachmann anhand der Randformen der Scherben, dass diese eindeutig aus dem 7. und 8. Jahrhundert stammen. Den Fundort hatte Hans-Günter Radenbach als ehemaliger Boden- und Denkmalpfleger bereits als junger Mann ausgemacht. Damals, 1973, entdeckte der Berghäuser, seinerzeit 23-jährig, unzählige Scherben auf dem Acker – sozusagen als Oberflächenfunde. „Ich habe auf die Grabung jahrelang gedrängt“, verriet Hans-Günter Radenbach jetzt im SZ-Gespräch. Er müsse Dr. Manuel Zeiler und Dr. Michael Baales ein großes Lob aussprechen für das „exzellente Zusammenspiel“. Der vor Ort gefundene Hausgrundriss sei in seiner Kompaktheit beeindruckend. Bisher sei man bei frühmittelalterlichen Belegen für Wittgenstein immer von der Zeit um 800 ausgegangen.

Das sei auch das Datum der ersten schriftlichen Erwähnungen von Raumland, Arfeld, Hesselbach und Laasphe. Nun aber seien die besonderen Randformen der Funde eindeutig dem 7. und 8. Jahrhundert zuzuordnen, sodass Dr. Rudolf Bergmann bereits vor vier Jahren aufgrund dieser gesichteten Scherbenfunde die Feststellung traf, dass es sich bei dem Fundort um einen der Urhöfe Wittgensteins handeln müsste. Mit der Ausgrabung der Keller-Reste erhält die Aussage nun den endgültigen Beweis.

„Es war allerhöchste Zeit“, freute sich Hans-Günter Radenbach über die erfolgreiche Ausgrabung im Untersten Preisdorftal – dort in der Gemarkung Berghausen, wo sich das Tal nach Norden öffnet. Schließlich seien nur noch zwei Steinreihen gefunden worden, irgendwann wären die zerstört gewesen. „Das war ein Musterbeispiel für Archäologie.“ Was es übrigens mit dem „Urhof“ auf sich hat, beschrieb Hans-Günter Radenbach auch. Denn anfänglich habe es sich beim Fundort um einen Stützpunkt für nomadisierende Hirten gehandelt. „Später wurde der Stützpunkt zu einem festeren Siedlungsplatz.“

Das Eder-Lahn-Gebiet dort sei „Urwald“ gewesen, wohin die Hirten ihre Rinder getrieben hätten. Hans-Günter Radenbach geht davon aus, dass es fränkische Neusiedler gewesen sein könnten, die sich die Eder und Lahn wasseraufwärts angesiedelt hätten. Eine Rolle bei dieser Einschätzung dürfte die noch sichtbare Ederfurt an der Stelle sein, die für die nomadisierenden Hirten eine Rolle gespielt habe. An der Ederfurt, die es bereits in der Eisenzeit gegeben hat, fand Hans-Günter Radenbach einst einen Reitersporn und eine frühmittelalterliche Kugelzange. „Es zeigt, dass da Bewegung war“ – mit Reitern zu Pferd und Büchsen zum Schießen. Die Funde bestätigen übrigens auch, dass der von Bergmann benannte „Urhof“ schon um 1200 aufgegeben wurde. Klar ist für die Fachleute ebenfalls: Es existiert ein Kulturzusammenhang mit der angrenzenden Region Mitteldeutschlands“, zitiert Hans-Günter Radenbach den Oberkonservator Dr. Rudolf Bergmann.

Dass der „Urhof Wittgensteins“ um 1200 wüst wurde, lässt einen weiteren, durchaus spannenden Rückschluss zu, den Hans-Günter Radenbach darlegt: „Das Briesdorf, wir kennen es als Preisdorf, wurde 1447 erstmals urkundlich erwähnt und liegt vom Urhof 1300 Meter den Preisdorfbach aufwärts in der Talgabelung zum Wingeshäuser Fehlbach entfernt.“ Diese Wüstung nehme in Wittgenstein im kollektiven Gedächtnis einen hervorragenden Platz ein. „Die Wüstung ist im Bewusstsein.“ Siedlungsbeginn für Preisdorf war im 9. Jahrhundert, anno 1456 wurde die Siedlung dann wüst. Hans-Günter Radenbach: „Zwischen dem urkundlich erwähnten Briesdorf und dem ausgegrabenen Urhof besteht von der Örtlichkeit und der Zeitstellung her kein direkter Zusammenhang.“ Beide seien unabhängig voneinander zu sehen. So sei denkbar, erläutert Hans-Günter Radenbach, dass der Urhof gemeinsam mit der genannten Ederfurt sozusagen ein Sprungbrett für die spätere Siedlung gewesen sein könnte. Für Wittgenstein seien zwei Hauptwüstungsphasen im 14. und 15. Jahrhundert bekannt. Der 30-jährige Krieg spiele dabei, anders als oftmals berichtet, keine Rolle.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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