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Lernen in Zeiten der Corona-Krise
Auch die Schulen befinden sich mitten im Notstand

Die schulischen Einrichtungen, hier im Bild das Bad Berleburger Johannes-Althusius-Gymnasium, bleiben geschlossen. Der Lernbetrieb geht – meist digital – trotzdem weiter.  Foto: Alexander Kollek
  • Die schulischen Einrichtungen, hier im Bild das Bad Berleburger Johannes-Althusius-Gymnasium, bleiben geschlossen. Der Lernbetrieb geht – meist digital – trotzdem weiter. Foto: Alexander Kollek
  • hochgeladen von Sarah Benscheidt (Redakteurin)

sabe Wittgenstein. Auch die heimischen Schulen befinden sich derzeit mitten im Notstand. Corona hat den Schulbetrieb außer Kraft gesetzt – der Lernbetrieb allerdings läuft weiter. Das Schema ist simpel wie effektiv: Klarheit in der Krise. Auf vorhandene (digitale) Netzwerke aufbauen, Kommunikationskanäle schaffen, die Lage akzeptieren, organisieren, effektive kurze Wege nutzen, handeln, zusammenhalten. Ein Stimmungsbild. Die organisatorischen Strukturen, um Schülerinnen und Schüler zu Hause mit Lernstoff versorgen zu können, mussten von den Einrichtungen quasi aus dem Boden gestampft werden – „darauf konnte ja so niemand vorbereitet sein“, sagt Renate Krack-Schneider, Konrektorin der Grundschule Bad Laasphe.

sabe Wittgenstein. Auch die heimischen Schulen befinden sich derzeit mitten im Notstand. Corona hat den Schulbetrieb außer Kraft gesetzt – der Lernbetrieb allerdings läuft weiter. Das Schema ist simpel wie effektiv: Klarheit in der Krise. Auf vorhandene (digitale) Netzwerke aufbauen, Kommunikationskanäle schaffen, die Lage akzeptieren, organisieren, effektive kurze Wege nutzen, handeln, zusammenhalten. Ein Stimmungsbild. Die organisatorischen Strukturen, um Schülerinnen und Schüler zu Hause mit Lernstoff versorgen zu können, mussten von den Einrichtungen quasi aus dem Boden gestampft werden – „darauf konnte ja so niemand vorbereitet sein“, sagt Renate Krack-Schneider, Konrektorin der Grundschule Bad Laasphe. Aber: „Wir haben sehr schnell reagiert, haben Kommunikationswege gefunden und Kräfte mobilisiert.“ Für die Grundschule in der Lahnstadt heißt das: Erreichbarkeit schaffen und Ansprechpartner organisieren – „unter der angegebenen Schulnummer stehe ich für Rückfragen bereit, ich rufe jeden zurück“, die Lehrer seien für ihre Schüler immer erreichbar.

Für die stellvertretende Schulleiterin das wichtigste Gut dabei: der Zusammenhalt. Ein großes Lob, so betont Renate-Krack Schneider, gehe dabei an die Familien und Lehrer. Szenen aus den vergangenen Tagen untermauern, was der Grundschule wichtig ist: „Alle Schüler auf dem Schirm haben.“ Auch wenn die per Mail versandten Aufgabenstellungen womöglich nicht ausgedruckt werden können, auch wenn Schüler oder Eltern vielleicht keinen Zugriff auf ein Smartphone haben oder die Möglichkeit kurz vor der Schließung nicht nutzen konnten, Schulbücher für das Lernen zu Hause abzuholen – „wir haben Lösungen gefunden und werden sie weiterhin finden.“ Ein Lehrer, der einem Schüler kurzerhand seine Schulbücher zu Hause vorbeibringt? In der derzeitigen Situation, so betont es Renate Krack-Schneider, heißt es schnell, klar und unkompliziert handeln. Da sei sie auch beim Schulamt, Schulträger und beim Ministerium auf viel Rückhalt gestoßen.

In dieser Notsituation habe der Beitrag zur Eindämmung des Corona-Virus die oberste Priorität. Trotzdem sei es essenziell, auch in dieser Zeit die Ziele des Schuljahres nicht aus dem Blick zu verlieren, zuzusteuern, „den Lernzuwachs kontrolliert herbeizuführen.“ Darum müsse es vornehmlich bei dem Abarbeiten und Aufarbeiten von Wochenaufgaben gehen. Die Überprüfung oder Benotung sei dabei ein ganz sensibles Feld – „wie können Lehrer überprüfen, ob das vielleicht Alexa gemacht hat?“

Die Notenfrage ist eine, die die Konrektorin zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht als fundamental einschätzt. „Bis zu den Osterferien muss es einen beständigen Austausch geben und dann dahingehend situativ neu entschieden werden.“ Bis dahin, so Krack-Schneider, biete die momentane Situation auch die Chance eines neuen Blicks: „Die Kinder lernen viel durch die momentane Hilfsbereitschaft untereinander – auch das sind Ziele, soziale Ziele.“

Ähnlicher Tenor bei Clemens Binder, Schulleiter des Johannes-Althusius-Gymnasiums in Bad Berleburg: „Wir lernen als Schule dazu.“ Seit drei Jahren arbeite das Gymnasium mit „Microsoft Office Teams“ – einer Plattform, die Chats, Besprechungen, Notizen und Anhänge kombiniert (Skype ist eingebettet). Die Infrastruktur ist also eine bereits gegebene, aber aufgrund der Situation eine, die jetzt noch einmal auf Herz und Nieren geprüft wird. Das öffnet durchaus Räume: „Seit drei Tagen erforschen wir mit den Schülern intensiv die Möglichkeiten – und die sind wirklich groß.“ So halte man Videokonferenzen, spreche Audios für Hörverstehen ein, tausche virtuell Aufgabenblätter aus und richte Online-Sprechstunden und Schreibkonferenzen ein. „Bei uns kann momentan wirklich Unterricht stattfinden – wir haben die ganze Schule virtuell abgebildet.“

Dabei sei die Situation nicht nur eine völlig neue – „ich möchte alle Beteiligten dazu auffordern, fröhlich zu experimentieren“ –, sondern eine, bei der Eltern, Lehrer und Schüler intensiv an einem Strang ziehen. „Ich bin beeindruckt, mit welchem Ernst unsere Schüler das alles verfolgen“, so Clemens Binder. Der Drang zur Eigeninitiative sei also ein großer – für die Schule hat die Entwicklung dahingehend sogar einen „nachhaltigen Nutzen“: „Das ist für uns alle zusammen wie eine gigantische Fortbildung.“ Sicherlich werde nicht alles gelingen und womöglich werde es auch Schwierigkeiten geben – aber: „Die Aufgabe wird von der ganzen Schule gemeinsam getragen und es rührt mich an, wie sehr alle dabei sind.“

Ähnliche Rückmeldungen bei der Realschule Erndtebrück und der Grundschule Berghausen: Beide Schulleiterinnen zeigten sich überrascht und freudig, wie sehr das Provisorische gelinge: „Es funktioniert erstaunlich gut“, sagt Monika Weber von der Grundschule Berghausen. Bisher gebe es keine negativen Rückmeldungen. Ähnliches Szenario in der Erndtebrücker Realschule: „Wir sind für Fragen und Hilfestellungen immer da und erreichbar.“ Die Notlösungen via digitaler Plattformen oder Aufgabenblätter würden angenommen und erledigt, zieht Schulleiterin Darjana Sorg ein erstes Resümee: „Wir bauen die Lösungen darum herum.“

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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