Auf Wunsch der Zeugin: Angeklagter vor Tür geschickt

Pistole sollte die Ehre rein waschen: Anzeige als Ausweg

JG Bad Berleburg. Was zunächst nach einer Nötigung aussah, könnte auch eine sexuelle Nötigung gewesen sein. Deshalb verwies gestern Morgen Richter Torsten Hoffmann ein Verfahren ans Berleburger Schöffengericht, da es sich bei sexueller Nötigung um ein Verbrechen handelt, dass nicht von einem Einzelrichter beurteilt wird. Die neue Situation hatte sich ergeben, nachdem das Opfer der Tat im Amtsgericht seine Version der Geschehnisse erzählt hatte. Der Angeklagte hatte dabei allerdings nicht zuhören können, er war vor die Tür geschickt worden, weil das Gericht befürchtete, dass die junge Frau in Anwesenheit des Angeklagten nicht die Wahrheit sagen werde.

Mit Messer Brustgrapschen erzwungen

»Muss er dabei sein?« – mit dieser Frage hatte die 21-jährige Laaspherin den 20-minütigen Ausschluss des Angeklagten auf den Weg gebracht. In dieser Zeit trug sie eine schlüssige Geschichte vor. Wie sie mit dem Bekannten ihrer Familie auf dem Wochenmarkt eingekauft hatte, wie sie den Mann dann in seine Wohnung begleitet hatte, um auf den Bus zu warten, und wie dieser schließlich zudringlich geworden war. Zunächst mit anzüglichen Bemerkungen, dann aber auch handgreiflich. Er habe sie an der Brust anfassen wollen, nachdem sie das nicht zugelassen habe, habe er ihr zweimal den Weg aus der Wohnung versperrt und sie schließlich mit einem Küchenmesser bedroht, bevor seine grapschende Hand schlussendlich doch noch zum Ziel kam. Ereignet hatte sich das Ganze Ende 2001, die junge Frau hatte sich zu einer Anzeige aber erst im vergangenen Oktober durchgerungen. Zwischendurch habe der Mann mit seiner Frau und seinen Kindern in Siegen gewohnt. Nachdem diese wieder nach Wittgenstein zurückgekehrt seien, sei sie auf Distanz zur eigentlich befreundeten Familie gegangen. Daraufhin habe es Gerüchte gegeben, bei denen sie dann als Hure dagestanden habe. Jemand habe ihrer Familie sogar angeboten, eine Pistole zu besorgen, um die Ehre der Familie wieder rein zu waschen. Nur aus dem Grund sei sie zur Polizei gegangen, so die 21-Jährige, die noch erzählte, dass in der vergangenen Woche ein Auto gefährlich auf sie losgefahren sei, auf dessen Beifahrersitz der Angeklagte gesessen habe.

Das Schöffengericht ist nun zuständig

Die Ausführungen der jungen Frau entsprachen genau den Vorwürfen der Anklageschrift. Der 36-jährige Angeklagte hatte diese mit »Das ist alles falsch« kommentiert. Ja er habe zwar immer mal wieder die Rundungen der jungen Frau gelobt: »Das war keine sexuelle Belästigung, sie hat sich gefreut.« Und sie sei wohl auch mal mit ihm allein an der Wohnungstür gewesen, aber er habe sie doch nicht mit reingenommen. Dass die Frau solch schwere Vorwürfe gegen ihn erhob, konnte sich der 36-Jährige nur folgendermaßen erklären: Sie habe abgenommen, und er habe ihr mal gesagt, wie schlecht sie nun aussehe. Was glaubhaft oder weniger glaubhaft ist, muss jetzt das Schöffengericht entscheiden.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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