Aus dem Mikrokosmos

Margit Ritter zeigt Details aus dem Innenleben der Bäume

CB Bad Berleburg. »Ausdauerndes Holzgewächs mit ausgeprägtem Stamm und einer Krone aus beblätterten Zweigen oder aus großen Blättern« – so die nüchterne Beschreibung der Pflanze Baum in der Wissenschaft der Botanik. Wie viel mehr hingegen wäre notwendig, die unterschiedlichsten Bedeutungen des Baumes für die Menschen aller Epochen, Kulturen und in allen Teilen der Welt auch nur annähernd in Worte zu fassen. Denn so scheinbar unendlich die Artenvielfalt dieses Gewächses ist, so mannigfaltig stellen sich auch die Beziehungen des Einzelnen zu Bäumen, ja dem Baum an sich, dar:

Sehen die einen ihn als rein funktionalen Bestandteil des natürlichen Kreislaufes, zuständig für Photosynthese, Luft- und Bodenreinigung, Klimaregulation und dergleichen mehr, erscheint er in den Vorstellungen anderer als Symbol der Mythik, umwoben von Hexenspuk und Zaubersagen, Märchen und Geschichten. Verbinden manche mit ihm romantische Gefühle als heimlichem Treffpunkt für Verliebte, als ruhe- und schönheitsbringendem Faktor oder stetigem Anzeiger der wechselnden Jahreszeiten, betrachten ihn viele wiederum als rein wirtschaftliche Größe in Form eines ständig nachwachsenden Roh- und Werkstofflieferanten.

Margit Ritters Verhältnis zu dem Gewächs Baum trägt ein wenig von allem in sich: Sie bezeichnet den Baum als »Inbegriff des Lebens«. »Jeder Baum«, so sagt sie, »erzählt seine eigene Geschichte«. Um diese zu erfahren, bleibt die gebürtige Berleburgerin und jetzige Erndtebrückerin nicht vor dem Baum als Element des Lebensraumes Wald stehen, sondern taucht mit ihrer Kamera ein in das Innenleben der Bäume und fängt ihre einzelnen Strukturen ein, lässt diese für sich allein wirken. Makrofotografie nennt sich die spezielle Technik für Aufnahmen im extremen Nachbereich, die auf faszinierende Weise Details sichtbar werden lässt, die mit bloßem Auge nur schwer zu erkennen sind.

Bildeten diese Fotografien das Thema von diversen Ausstellungen Margit Ritters in der jüngeren Vergangenheit, so ging sie nun einen Schritt weiter: Mit Hilfe der Siebdruckgrafik, einem alten Durchdruckverfahren, fand die freischaffende Künstlerin, die ihre Ausbildung in Zürich absolvierte und seitdem regelmäßig in Seminaren ihr Können verfeinert, eine Möglichkeit, Zeichnung beziehungsweise Malerei mit der Makrofotografie zu verbinden: Sie wählt bestimmte Teile ihrer Aufnahmen aus, überträgt sie mit einem speziellen Fotobelichtungsverfahren auf ein Sieb und verarbeitet diese in verschiedenen Druckvorgängen, bei denen Druckfarbe durch dieses Sieb gepresst wird, zu eigenständigen, farbintensiven Bildern.

Entstanden ist die Ausstellung »In und um den Baum herum«, die jetzt in den Räumen der Bad Berleburger Sparkasse offiziell eröffnet wurde. Die über 50 Werke auf zwei Etagen gleichen, so beschrieb es die Hatzfelder Kunsthistorikerin Stephanie Benedikt-Jansen in ihrem Einführungsvortrag, dem Blick durch ein Kaleidoskop, jenem Fernrohr ähnlichen Spielzeug, das durch mehrfache Spiegelung unregelmäßig liegender bunter Glasstückchen ständig wechselnde symmetrische Muster darstellt: »Anhand der immer wieder neuen Strukturen, die sich aus dem Spiel mit Maserung, Siebdrucktechnik und Farben bilden, studieren wir einen Ausschnitt der mikrokosmischen Welt«, so Benedikt-Jansen. Und weiter: »Die mikrokosmischen und symmetrischen Strukturen, wie sie überall in der Natur zu finden sind, wiederum verweisen auf die makrokosmische, ganzheitliche Welt.«

Bürgermeister Hans-Werner Braun bediente sich einfacheren, obgleich nicht minder prägnanten Worten. »Ich bin sicher, dass unser Freund, der Baum, uns nach dieser Ausstellung fest im Griff hat.« Diese steht noch bis Freitag, 31. Oktober, während der Geschäftszeiten der Sparkasse interessierten Besuchern offen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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