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Interview mit EJOT-Ausbildungsleiter Andreas Kurth
Ausbildung macht keine Pause

Andreas Kurth kam im Jahr 2016 zu EJOT und ist mit seinem Team dafür verantwortlich, dass das Unternehmen den Fachkräftebedarf aus eigener Kraft stemmen kann.
  • Andreas Kurth kam im Jahr 2016 zu EJOT und ist mit seinem Team dafür verantwortlich, dass das Unternehmen den Fachkräftebedarf aus eigener Kraft stemmen kann.
  • Foto: Martin Völkel
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

vö Bad Berleburg. Wer sich mit Andreas Kurth zum Gespräch über das Thema Ausbildung trifft, der bemerkt schnell dieses Leuchten in seinen Augen, das sich der Ausbildungsverantwortliche der EJOT-Gruppe auch von seinen Schützlingen wünscht. Keine Frage – das Wittgensteiner Unternehmen geht auch in der Krise voran und im Jahr 2021 mit 25 bis 30 Berufseinsteigern in unterschiedlichen Bereichen an den Start. „Ausbildung gehört für mich zu den schönsten und vielfältigsten Aufgaben in einem Unternehmen“, sagt Andreas Kurth, der mit der Siegener Zeitung über Chancen, Veränderungen und Perspektiven in der Corona-Krise spricht. Die Pandemie habe für „ein spannendes und herausforderndes Jahr“ gesorgt.

Bad Berleburg. Wer sich mit Andreas Kurth zum Gespräch über das Thema Ausbildung trifft, der bemerkt schnell dieses Leuchten in seinen Augen, das sich der Ausbildungsverantwortliche der EJOT-Gruppe auch von seinen Schützlingen wünscht. Keine Frage – das Wittgensteiner Unternehmen geht auch in der Krise voran und im Jahr 2021 mit 25 bis 30 Berufseinsteigern in unterschiedlichen Bereichen an den Start. „Ausbildung gehört für mich zu den schönsten und vielfältigsten Aufgaben in einem Unternehmen“, sagt Andreas Kurth, der mit der Siegener Zeitung über Chancen, Veränderungen und Perspektiven in der Corona-Krise spricht. Die Pandemie habe für „ein spannendes und herausforderndes Jahr“ gesorgt. Allerdings: Für Ideen in Sachen Digitalisierung in verschiedenen Berufsfeldern, die schon vorher bei EJOT existierten, habe Corona die Initialzündung geliefert.
Herr Kurth, gibt es noch freie Plätze für junge Menschen, die im Jahr 2021 ihre Ausbildung bei EJOT beginnen möchten?
Wer jetzt auf der Suche ist, dem hat die Corona-Pandemie einen Vorteil verschafft. Wir haben mit dem ersten Lockdown die Kontakte radikal heruntergefahren, der Bewerbungsprozess war nur noch eingeschränkt durchführbar. Praktika wurden abgesagt, wichtige Präsenzveranstaltungen mit und für Auszubildende konnten nicht stattfinden. Bedeutet: Für das Ausbildungsjahr 2020 hatten wir unsere Hausaufgaben vor Corona komplett erledigt, für 2021 hat sich der Zeitplan deutlich verzögert.
Wo hat EJOT noch freie Kapazitäten?
Wir suchen noch Industriemechaniker, aber auch im IT-Bereich gibt es noch offene Stellen. Generell muss man sagen, dass sich das Ausbildungsangebot verändert hat.
In welche Richtung?
Wir schauen noch genauer hin, welche Bedarfe es im Unternehmen gibt und welche Berufe zu unseren Zielen passen. Ein Beispiel ist der Oberflächenbeschichter, hier stehen zwei Ausbildungsplätze zur Verfügung. Dieses Berufsbild gibt es ansonsten im IHK-Bezirk, wenn überhaupt, höchst selten. Aber: Das ist natürlich ein sehr interessanter Beruf, den ich einem jungen Menschen in einem zwei- bis dreiwöchigen Praktikum gerne mit allen Facetten zeigen würde. Das geht allerdings momentan nicht und das tut schon weh. Wir müssen unsere Pläne momentan Woche für Woche verschieben.

Produktionskaufmann kombiniert zwei Berufsbilder

Neuland ist auch der Beruf des Produktionskaufmanns. Was steckt dahinter?
Wir haben ein Modell, das es als Studiengang bereits gibt, in die Ausbildung übernommen. Der Wirtschaftsingenieur hat Maschinenbau und Betriebswirtschaft kennengelernt. Der Produktionskaufmann kombiniert zwei Berufsbilder – das des Industriekaufmanns und des Maschinen- und Anlagenführers. Beide werden um jeweils ein Jahr verkürzt, das ist schon ein extrem anspruchsvolles Programm. Der Riesenvorteil liegt allerdings darin, dass ein Kaufmann, der irgendwann für EJOT unterwegs ist, auch die technische Welt kennt.
Gibt es in Zeiten von Corona andere Instrumente, um an junge Menschen heran zu kommen?
Wir versuchen, die Dinge komplett neu zu denken. Wir sind verstärkt in den sozialen Medien unterwegs und haben für die Online-Plattform Instagram eine eigene Redaktion gegründet, in der ausschließlich Auszubildende unterwegs sind. Wir haben junge Kolleginnen und Kollegen gefunden, die bereit sind und die Verantwortung übernehmen, für ein 3500-Mitarbeiter-Unternehmen Botschaften zu versenden. Natürlich ist die Kommunikation eine andere als bei der Kundenansprache. Mit unserer direkten Ansprache ,Hast du Bock?’ gehen wir sicherlich ganz neue Wege, aber es trifft unsere Philosophie im Kern. Wir versuchen immer, die Hintergründe einer Maßnahme zu erklären.

Noch mehr in Ausbildung investieren

EJOT hat in der Vergangenheit immer wieder für Ausbildung im gewerblich-technisch Bereich geworben. Hat das auch in diesen besonderen Zeiten Bestand?
Dazu stehen wir absolut. Wir wissen, dass wir noch mehr in Ausbildung investieren müssen. Was wir allerdings jetzt schon tun, ist erheblich. Und ich kann ruhigen Gewissens sagen, dass bei uns jeder die Chance auf den zweiten Blick bekommen kann.
Das bedeutet konkret?
Ein schwächeres Zeugnis ist kein Ausschlusskriterium. Wir haben zum Beispiel einem Abiturienten mit einem nicht so guten Zeugnis einen Ausbildungsplatz zum Industriemechaniker gegeben – weil er uns überzeugt hat. ,Hast du Bock?’ ist nicht nur eine Werbebotschaft, sondern unsere Philosophie. Wer Leidenschaft und Willen mitbringt, der ist hier richtig. Die Erfahrung hat gezeigt, dass genau diese jungen Menschen das Vertrauen zurückzahlen, das wir in sie gesetzt haben. Natürlich irren wir auch schon mal, aber dadurch verlieren wir nicht unsere Motivation.

Bedarf an Fachkräften bleibt

EJOT bildet aus, um die Fachkräfte der Zukunft frühzeitig an das eigene Unternehmen zu binden?
Viele Faktoren sind natürlich vage. Wenn wir heute einen Ausbildungsvertrag unterzeichnen, wissen wir grob, dass wir mit der Fachkraft in fünf Jahren planen können. Dennoch geht unsere Tendenz dahin, dieses Risiko einzugehen. Die Erfahrung zeigt, dass der Bedarf an Fachkräften bestehen bleibt – trotz diverser Unwägbarkeiten. Und eines steht auch fest: Die jungen Leute sind das Kapital, das wir haben.
Andere Branchen spüren die rückläufige Zahl von Bewerbern, trifft das auch auf EJOT zu?
Mag sein, dass wir langsamer und später als andere betroffen sind, aber auch wir spüren diese Entwicklung. Das hat sicherlich mehrere Gründe, der demografische Wandel ist einer, die zunehmende Akademisierung der Gesellschaft ein anderer. Viele wollen lieber im Büro arbeiten. Klar ist, dass wir uns bewegen und unser Angebot bewerben müssen. Wir stellen uns dem Wettbewerb, es ist ein stetiger Prozess.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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