Ausstellung zeigt Bilder aus Mission und Kolonien

Bad Berleburg: Selbstinszenierung mit dem Fotoapparat

sz Bad Berleburg. Als das Deutsche Reich in den Wettlauf um Kolonien einstieg, hatte die Fotografie bereits die Massentauglichkeit erreicht. Deshalb gibt es zahlreiche Fotos, die die fernen Regionen in den Blick nehmen. Einen Ausschnitt aus westfälischen Fotosammlungen aus der jüngsten Phase deutscher Mission und Kolonialzeit zeigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in der Wanderausstellung »Die Ferne im Blick«, die von Donnerstag, 23. November, bis Sonntag, 21. Januar, im Museum der Stadt Berleburg am Goetheplatz zu sehen ist.

In der Ausstellung, die neben 100 Fotos auch historische Kameras, persönliche Dokumente und einen Glasbildprojektor aus der Zeit um 1900 zeigt, nimmt der Betrachter die sehr unterschiedlichen Perspektiven der Fotografen ein, die mal private, mal berufliche oder religiöse Interessen verfolgten. So wird deutlich, wie sich die Deutschen in der fremden Gesellschaft selbst inszeniert haben und dadurch bestimmte Rollenverhalten festgeschrieben haben.

»Die Bilder, die Kolonialbeamte, Reisende, Missionare, Lehrer und Kaufleute gemacht haben, lassen die sehr unterschiedliche Sicht auf eine fremde Welt erkennen: Die Nähe oder Distanz der Fotografen zur einheimischen Bevölkerung wird in den Fotos ebenso deutlich wie ihre Selbstdarstellung. Während sich beispielsweise Plantagenadministratoren mit Statussymbolen wie Häusern und Autos umgaben, um sich von der einheimischen Bevölkerung abzusetzen, nutzten die Missionare die Bilder, um Leser in der Heimat über ihre Arbeit zu informieren und so um Spenden zu werben«, erklärt LWL-Ausstellungsmacher Dr. Günter Bernhardt.

So erzählt die Ausstellung die Einzelschicksale von drei Menschen, die es aus ganz unterschiedlichen Gründen nach Asien verschlug: Während der preußische Geografielehrer Martin Müller 1908 für drei Jahre nach Shanghai ging und von dort aus bei Reisen Ostchina, Korea und Japan erkundete, um die fremde Kultur kennen zu lernen, reiste Hermann Stilcke, Schiffsmaschinist bei der Reichsmarine, weniger freiwillig an Bord des Kanonenbootes »Iltis II« 1911 an die Küsten Chinas. Seine Bilder sind die eines Touristen, der die Sehenwürdigkeiten der kolonialen Gesellschaft besucht. Wilhelm Dorn kommt dagegen erstmals 1950 in einem Aussiedlerlager bei Siegen nach Deutschland. Der Lebenslauf des in Russland geborenen Geschäftsmannes und Abenteurers, der von 1915 bis 1950 in verschiedenen Orten Zentral- und Ostchinas lebte, ist eine frühe Globalisierungsgeschichte.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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