Australier suchten ihre Ostereier in Dotzlar

Familie Smith legte bei ihrer Weltreise auch einen Stopp im Wittgensteiner Land ein – bei Familie Benfer

db Dotzlar. Weihnachten und Silvester in Neuseeland, Ostern in Deutschland und zwischen durch mal eben nach Amerika und China. Ein Traum, der für die australische Familie Smith in Erfüllung ging. Bereits zweimal berichtete die Siegener Zeitung über die wittgenstein-australische Benfer-Verwandtschaft. Jetzt wurde der ebenso unglaublichen wie unendlichen Geschichte ein weiteres Kapitel hinzugefügt. SZ-Mitarbeiter Daniel Benfer aus Dotzlar schildert in den folgenden Zeilen seine beeindruckenden Erlebnisse:

Nach meinem letztjährigen Australien-Besuch zusammen mit meinem Vater Rolf, waren nun die Verwandten vom fünften Kontinent wieder an der Reihe. Zusammen mit ihren Kindern Liam und Amy verbrachten Neil und Julie Smith acht Tage im Wittgensteiner Land, genauer gesagt bei uns in Dotzlar. Wer sich jetzt über den Nachnamen Smith wundert, dem sei gesagt, dass es in Australien genau wie bei uns an der Tagesordnung ist, dass die Frau den Namen des Mannes annimmt.

Doch war die Woche in Deutschland nicht das einzige Ziel der vierköpfigen Familie. Insgesamt waren und sind sie ein halbes Jahr unterwegs, um alle fünf Kontinente zu besuchen. Zuerst verbrachten die Australier sechs Wochen in Neuseeland, flogen dann für vier Tage nach San Francisco und anschließend nach England, wo sie fünf Wochen blieben. Danach ging es nach Skandinavien. Fünf Tage jeweils in Dänemark und Norwegen sowie sechs Wochen Schweden sorgten für einen ungewohnten Temperaturwechsel bei den von Sonne verwöhnten »Aussis«.

Nach ihrem Deutschlandbesuch geht es weiter für eine Woche in die Schweizer Berge und danach für zwei Tage in das Land kulinarischer Genüsse, nach Frankreich. Besonders Liam und Amy freuten sich schon auf die noch bevorstehenden drei Wochen Griechenland: »Endlich wieder Strand.« Weniger begeistert waren die beiden 14- und 15-Jährigen von den ebenfalls noch vor ihnen liegenden neun Tagen China und den drei Tagen in der Mongolei. Zum Abschluss drehen die Vier dann noch eine Runde mit der Transsibirischen Eisenbahn – alles in allem 26 Tage Russland. So ein Trip erfordert natürlich eine gute Planung und Organisation. Das hat Julie aber voll unter Kontrolle. Sechs Monate von Zuhause weg zu sein ist nicht einfach, besonders für die beiden Jugendlichen. Aber der Familie ist geglückt, was in Deutschland undenkbar wäre. Die Schule hat Liam und Amy für diese Zeit frei gegeben. Die einzige Bedingung war, dass Julie, von Beruf Lehrerin, und ihr Mann Neil den beiden etwas Mathematikunterricht geben. Aber die Sache mit den Hausaufgaben wird dann familienintern doch nicht so eng gesehen. Ein weiterer nicht zu verachtender Punkt ist das Heimweh. Seine Freunde so lange Zeit nicht zu sehen, ist vor allem für den 15-jährigen Liam nicht ganz leicht. Am Liebsten, so gab er zu, würde er direkt wieder nach Australien fliegen. Aber noch liegen zweieinhalb Monate vor ihm. Im Vergleich dazu waren die acht Tage in Wittgenstein nur ein kleiner Abstecher zu Verwandten. Bereits lange vorher hatten wir uns den Kopf zerbrochen, was wir den Vier alles zeigen wollen, können oder auch müssen. Logisch, dass Julie das Haus sehen wollte, aus dem vor über 140 Jahren die Benfers ihre Reise nach Australien angetreten hatten. Ein Spaziergang durch Diedenshausen war also Pflicht. Auch sehenswert sind natürlich der Kölner Dom und die Stadt überhaupt.

Der gleichen Meinung waren unsere Gäste nach dem Tagestrip dann auch. Wenn vielleicht für die Jüngeren etwas langweilig, zeigten sich die Eltern durchaus interessiert an der alten Bauweise der Römer. Dafür waren wir quer durch das Ruhrgebiet Richtung holländische Grenze zum Römer-Dorf nach Xanten gefahren. Hier sind in vielen Jahren zahlreiche alte Mauerreste und Teile von Gebäuden durch Archäologen ausgegraben worden. Eine weitere lange Fahrt war die in die neuen Bundesländer. In Eisenach gingen wir auf der Wartburg der Geschichte von Martin Luther nach.

Natürlich haben wir den Weitgereisten nicht nur entfernte Gegenden gezeigt, vielmehr bewunderten sie auch bei Wanderungen die Dotzlarer Wälder. Warum bewundern? In Australien findet man nicht eine einzige Tanne oder Fichte, so war der Anblick der Nadelbäume schon etwas Besonderes. Genau wie der weite Ausblick vom Astenturm oder der Abstecher zum Schieferschaubergwerk in Raumland. In Raumland befindet sich ja bekanntermaßen auch die älteste Kirche Wittgensteins und so fand auch diese einen Platz im Terminplan. Pfarrer Dirk Spornhauer gab kurzerhand eine Rundführung in »fast perfektem Englisch«, wie ihm die Australier versicherten.

Denn das war die einzige Möglichkeit mit ihnen zu reden. Bis auf Julie, die früher drei Jahre Deutsch in der Schule erlernt hatte, konnten die Bewohner des fünften Kontinents nämlich kein Wort Deutsch. Bei ihrer Abreise sah das dann aber schon anders aus. Besonders beeindruckend fanden sie das Osterfeuer in Dotzlar. Sie hatten noch nie zuvor so ein großes Feuer gesehen, betonten sie. Auch waren sie belustigt, als wir sie aufforderten, im Garten ihre Ostereier zu suchen. Neben der Sprache war der einzige wirklich große Unterschied – den wir bemerkten – das Essen.

Eins versicherten sie uns immer wieder: »Deutsche sind gute Esser.« In Australien wird nämlich, und da spreche ich ja aus Erfahrung, nicht so viel gegessen wie in unseren Gefilden. Damit ist das »Benfer-Buch« aber noch lange nicht zu Ende geschrieben. Die Einladung zu einem erneuten Australien-Besuch liegt nämlich schon vor.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Mit einem Abo der Siegener Zeitung erhält ein Leser Ihrer Wahl täglich die besten Informationen und Themen aus der Region. Gleichzeitig können Sie sich eine unserer drei hochwertigen Prämien sichern.
4 Bilder

SZ-Abo vermitteln und Prämie aussuchen
Tolle Geschenke für den Lockdown-Alltag

Es ist die klassische Win-win-Situation: Mit einem Abo der Siegener Zeitung erhält ein Leser Ihrer Wahl täglich die besten Informationen und Themen aus der Region. Gleichzeitig können Sie sich eine unserer drei hochwertigen Prämien sichern. Vermitteln Sie uns einen neuen Abonnenten - und wir bedanken uns mit einem dieser tollen Geschenke. Wir möchten Ihnen den Pandemie-Alltag im eigenen Zuhause erträglicher machen und haben uns deshalb besondere Prämien für Homeoffice, Lockdown und Co....

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen