Bauer sucht Frau - und Party suchte Publikum

Schäfer Heinrich (42) posierte wie ein alter Showhase für Erinnerungsfotos. Foto: akm

akm Dotzlar. Das hatte man sich wahrlich in anderen Dimensionen vorgestellt: auf Seiten der Veranstalter, was die Besucherzahl betraf, und auf Seiten der Besucher, was den Unterhaltungswert anging. Dabei hatten sich die Verantwortlichen der „Bauer-sucht-Frau“-Party schwer ins Zeug gelegt, um der vermeintlichen Feierstimmung gerecht zu werden. In Kooperation mit Okay-Veranstaltungen aus Herdorf hatte RTL versucht, die Dotzlarer Kulturhalle in ein landwirtschaftlich angehauchtes Partyzelt zu verwandeln. Mit Strohballen und ansprechender Blumendekoration war dies zweifelsohne gelungen. Dennoch erstrahlte die Halle am vergangenen Freitagabend nicht im Glanz. Der Grund: Die Gäste fehlten.

Um 20 Uhr waren die Mitarbeiter noch optimistisch, obwohl zum offiziellen ´Veranstaltungs-Beginn die Halle noch wie leergefegt war. Man erklärte, dass die Besucher noch kommen würden, hätte man doch im Kartenvorverkauf so viele Tickets wie noch nie an den Mann bringen können. Drei Stunden später waren von den erwarteten 1000 Gästen gerade 300 erschienen, von der versprochenen Megaparty und einem Abend voller Spaß und Unterhaltung war nicht allzu viel zu spüren. Die zu groß wirkende Halle, die nur rund um die Theke und um die Spiele „Bullriding“ und „Hau den Lukas“ bevölkert war, vermittelte nicht den Eindruck eines bebenden Partyzelts. Die anwesenden Gäste fühlten sich in der geräumigen Kulturhalle, die für 1400 Besucher zugelassen ist, verloren, im nahezu leeren Saal wollte keine ausgelassene Stimmung aufkommen. Auch die unermüdlichen Bemühungen des DJs, der einen Partyhit nach dem anderen auflegte und versuchte, mit animierenden Ausrufen sein kleines Publikum aufzumuntern, liefen ins Leere.

Die Singlebörse, bei der die Gäste die Gelegenheit bekamen, das Motto „Bauer sucht Frau“ wörtlich zu nehmen, wurde nur von einzelnen Teenagern wahrgenommen. In der Hoffnung, dass Ruder noch herumreißen zu können, betrat Special Guest Heinrich zehn Minuten früher als angekündigt die Bühne. Der 42-jährige Säuerländer Schäfer war im vergangenen Jahr durch die RTL-Kuppelshow versehentlich zum Superstar mutiert und hatte sich mit seinem „Schäferlied“ wochenlang in den deutschen Charts herumgetrieben. Obwohl sich ein Großteil der Gäste bei seinem Auftritt vor der Bühne formierte, eifrig fotografiert und teilweise mitgesungen wurde, schaffte es der sympathische Sänger ebenso wenig wie der DJ, die Zuhörer in Partystimmung zu versetzen. Dabei war Heinrich kein Vorwurf zu machen. Wie ein alter Showhase zog er seinen Auftritt tapfer bis zum Ende durch, stand für Interviews bereit, verteilte Autogramme, ließ sich für Erinnerungsfotos ablichten.

Warum das Event, welches man extra wegen der zum Motto passenden, schönen Umgebung in Wittgenstein hatte stattfinden lassen, kein Highlight geworden ist, wusste an diesem Abend niemand. „Womöglich sind die Leute hier einfach veranstaltungsmüde“, überlegte Patrick Schumacher vom Veranstalter. „In letzter Zeit waren hier sehr viele Feste in der Umgebung.“ Gut möglich. Vielleicht wäre ein Termin im Winter geeigneter gewesen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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