Berleburg in der Nachkriegszeit

Beeindruckendes »Dokument der Zeitgeschichte« vorgestellt / Autor befragte 160 Zeitzeugen

Bad Berleburg. Von einem »Dokument der Zeitgeschichte« berichtete gestern Gerd Karpf, Vorsitzender des Wittgensteiner Heimatvereins, bei einem Pressegespräch in Bad Berleburg. Vorgestellt wurde das Heimatbuch »Berleburg – eine Kleinstadt in der Nachkriegszeit« von Heinz Strickhausen. Sechs Jahre nach seinem erfolgreichen Erstlingswerk »Berleburg – eine Kleinstadt am Rande des Krieges«, das bisher weit über 1000 mal verkauft wurde, hat der 76-Jährige nun ein 530 Seiten starkes Buch vorgelegt. Herausgeber ist der Wittgensteiner Heimatverein, die Sparkasse Wittgenstein hat die Finanzierung des Projektes übernommen.

Die Chronik beginnt mit den letzten Kriegstagen und der Besetzung der Odebornstadt durch die Alliierten. Das Buch streift die gesellschaftliche Entwicklung nach dem Ende des Dritten Reiches. Heinz Strickhausen beschreibt anschaulich das Alltagsleben in den Nachkriegsjahren, den Wiederaufbau, die rasche Erneuerung der Infrastruktur: Wiedereröffnung der Post, Eisenbahn und Busverkehr sowie den Aufbau einer neuen, demokratischen Verwaltung im kommunalen Bereich. Das 530-Seiten-Werk dokumentiert die Zeit des Schwarzmarktes, in der kaum mit Geld, wohl aber mit Zigaretten gezahlt wurde.

Außerdem nachzulesen: Das Elend und die große Not der auch nach Wittgenstein Vertriebenen, die späte Heimkehr der deutschen Kriegsgefangenen sowie die ersten Anfänge eines wirtschaftlichen Aufschwungs nach der Währungsreform. Heinz Strickhausen hat für sein neues Werk nach eigener Einschätzung 160 Zeitzeugen befragt, »angefangen von der Hausfrau bis hin zur Berleburger Ehrenbürgerin im Schloss«, erläuterte Heinz Strickhausen beim gestrigen Pressegespräch. Entstanden sei ein Buch, das die Geschehnisse in einfachen Worten erzähle – »nicht mit den geschliffenen Worten eines Germanisten, nicht mit den spannenden eines Journalisten und nicht auf höchstem sprachlichen Niveau eines Dichters«.

In dem Buch, das in einer Auflage von 800 Exemplaren erschienen ist, wurden 140 Fotos und Abbildungen verarbeitet. »Von einer technisch und historisch sehr guten Arbeit« sprach Eberhard Bauer, Verfasser der Dokumentation »Wittgenstein in den Nachkriegsjahren 1945/46« sowie Schriftführer des Wittgensteiner Heimatvereins, der die Arbeit Heinz Strickhausens redigiert hat. Heimatgeschichtliches Wirken, das jede Menge Kapazität in Anspruch genommen hat. »Die Zeit der Interviews, die Tätigkeit des Recherchierens, Entdeckens, Erforschens und Ordnens machte reichlich Spaß, doch wurde schließlich alles zusammen mehr als nur ein Freizeitvergnügen«, räumte Heinz Strickhausen ein. Seit 1984 habe er »immer in den Wintermonaten« an beiden Büchern gearbeitet. »Die Manuskripte für zwei weitere Bücher liegen schon in der Schublade«, verriet der 76-Jährige.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Das aktuelle Buch »Berleburg – eine Kleinstadt in der Nachkriegszeit« ist zum Preis von 27 e in allen Filialen der Sparkasse Wittgenstein erhältlich. »Wir hoffen auf reißenden Absatz«, gab sich der Autor vorsichtig optmistisch. Zurecht allerdings, denn bis gestern lagen bereits rund 250 Vorbestellungen vor.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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