Ev. Kirchenkreis glaubt an starke Zukunft
Bestandsgarantie für Abenteuerdorf

bw Wemlighausen. „Eine sehr intensive Synode“, so formulierte es Simone Conrad als Superintendentin, liegt hinter dem Wittgensteiner Kirchenkreis. Viele Zahlen, leider unterm Strich mit einem Minus davor, wurden den Synodalen zum Abenteuerdorf vorgelegt. Am Ende stand aber eine deutliche Mehrheit für die Gewährung eines alljährlichen Zuschusses von maximal 150 000 Euro, mit dem der Betrieb der Einrichtung in Wemlighausen mittelfristig gesichert ist (die SZ berichtete am Donnerstag aktuell).

Nur dann, wenn der Verlust die Grenze übersteigen sollte, würde der Kirchenkreis die Reißleine ziehen und die Ev. Landeskirche einschalten. Die hat derweil bereits ihre Zustimmung für die Querfinanzierung signalisiert. Grundsätzlich äußerte Simone Conrad aber die Hoffnung und die Erwartung, dass der jährliche Fehlbetrag deutlicher unter dem Betrag bleibt. Genau davon geht auch Dr. Dirk Spornhauer, Vorsitzender des Finanzausschusses, aus. In der Synode sagte er deutlich über die Gewährung dieser Finanzspritze: „Wir wollen keinesfalls diese Empfehlung so verstanden wissen, dass es ein sanftes Ruhekissen und Geldpolster gibt, sondern dass wir die gute und wichtige inhaltliche Arbeit sehen und positiv würdigen, sie aber gleichzeitig auch kritisch begleiten wollen.“

Abenteuerdorf aus Würgegriff der Pandemie

Insofern richtet sich der Blick nun nach dem Durchforsten der Zahlen der vergangenen Jahre nach vorne. Dafür muss allerdings auch das Abenteuerdorf erstmal aus dem „Würgegriff der Pandemie“ raus, auch das eine Formulierung von Simone Conrad in der Synode. Wie die gesamte Gastronomie- sowie Hotelleriebranche hat Corona das Abenteuerdorf hart getroffen – jedoch noch etwas mehr, weil die Einrichtung gerade erst nach dem Neustart dabei war, auf einen grünen Zweig zu kommen.

Für 2020 hatte das Abenteuerdorf schon über 13 000 Übernachtungen gebucht, bevor die erste Welle der Pandemie alle Bemühungen im Frühjahr des vergangenen Jahres zunichte machte. Am Ende standen rund 3000 Übernachtungen. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei anderen Veranstaltungen: Gebucht waren bis Anfang Februar 2020 schon 25 Events mit rund 1500 Gästen – übrig blieben gerade einmal sechs Veranstaltungen mit gut 300 Gästen. Für 2021 sind auch aufgrund der unsicheren Situation bisher erst 6500 Übernachtungen angefragt, allerdings gibt es vermehrt Nachfragen zur Ausrichtung von Familienfeiern im Abenteuerdorf, wie Geschäftsführerin Silke Grübener erklärte. Aber wie und vor allem wann es losgehen darf, ist ungewiss.

"Das Abenteuerdorf hat
eine Ausstrahlungskraft
über die Grenzen unseres Kirchenkreises hinaus."

Simone Conrad
Wittgensteiner Superintendentin

Klar ist: Das Abenteuerdorf muss nach dieser Corona-Zwangspause erst wieder in Schwung kommen. Dass es daran freilich nicht scheitern wird, stellte Silke Grübener auch fest: „Der Ansporn ist durch die überwältigende Zustimmung groß.“ Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zu 100 Prozent in Kurzarbeit sind, freuen sich auch schon auf den Wiederbeginn. Simone Conrad betonte, dass weitere neue Ideen entwickelt werden sollen. Sie erwähnte in diesem Zusammenhang Angebote für Kinder und Jugendliche, um speziell Folgen der Corona-Pandemie aufarbeiten zu können.

Ausstrahlungskraft über Grenze hinaus

Insgesamt ist der Glaube an eine starke Zukunft des Abenteuerdorfs groß. Die Superintendentin erklärte: „Das Abenteuerdorf hat eine Ausstrahlungskraft über die Grenzen unseres Kirchenkreises hinaus.“ Und in der Diskussion der Synodalen sei noch einmal spürbar gewesen, dass es eine große Verbundenheit mit dem Abenteuerdorf gebe – nicht nur beim Team der Einrichtung, sondern eben auch aus dem gesamten Kirchenkreis.

Wir alle haben den Erhalt des Abenteuerdorfs selbst in der Hand Meine erste Begegnung mit dem Abenteuerdorf Wittgenstein war im 5. Schuljahr – damals hieß es noch Freizeitzentrum. Es war die Klassenfahrt zum Kennenlernen der neuen Klassenkameraden an der Realschule Erndtebrück. Das war Anfang der 90er Jahre und in meiner zugegeben dunklen Erinnerung fällt die Bewertung dieser Unterkunft eher durchschnittlich aus. Dieses angestaubte Image der 70er-Jahre-Jugendherberge hat das Abenteuerdorf in Wemlighausen heute längst abgelegt. Die Investitionen in den Um- und Ausbau haben sich gelohnt: Es ist eine Begegnungsstätte mit Wohlfühl-Faktor, die viel mehr Zuspruch verdient hätte, als sie nach der Modernisierung bislang erhalten hat, was aber auch an Corona liegt. Wer weiß, ob die Zahlen nicht schon besser wären? Eines ist aber auch klar: Das Abenteuerdorf mit rein betriebswirtschaftlichen Maßstäben zu betrachten, funktioniert nicht. Es kann vermutlich nie eine Einrichtung werden, die immense Gewinne abwirft. Dafür wäre eine höhere Auslastung der insgesamt 120 Betten in den drei Gästehäusern erforderlich, auch die Tagesangebote können nie gewinnorientiert funktionieren. Aber der Kirchenkreis weiß um den Wert des Abenteuerdorfes. Um einen hohen Grad an Wirtschaftlichkeit zu erreichen, wäre es jedoch wichtig, dass nicht nur die Kirche das Abenteuerdorf zu schätzen weiß, sondern eben auch alle anderen Wittgensteiner. Heute gehen viele Klassenfahrten weiter weg – warum eigentlich? Chöre können Probenwochenenden auch bei uns machen und nicht am Rhein. Es gäbe sicherlich noch mehr gute Beispiele. Wir alle haben den Erhalt des Abenteuerdorfs selbst in der Hand. Wozu also immer in die Ferne schweifen? b.weyand@siegener-zeitung.de
Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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