Betreuungsweisungen im Doppelpack

jg Bad Berleburg. Eine Betreuungsweisung ist eine richterliche Weisung für straffällig gewordene Jugendliche und Heranwachsende, eine sozialpädagogische Betreuung in Anspruch zu nehmen. Oft werden diese Betreuungsweisungen nicht ausgesprochen, gestern waren sie gleich zweimal das deutliche Zeichen dafür, dass es dem Berleburger Richter nicht allein um die Strafe geht, sondern vielmehr auch um die Wirkung derselben.

Zunächst saß eine eher nervig wirkende und genervte Angeklagte im Gericht. Die 19-jährige Wittgensteinerin hatte im Januar etwas mehr als drei Gramm Marihuana aus den Niederlanden nach Deutschland eingeführt. „Es war einmal, es war dumm, ich will’s nicht nochmal machen“, gab sie die Tat zu. Schwieriger die Frage nach dem Zweck der Einfuhr: „Ich nehme keine Drogen“ und „Ich wollte es nicht an andere Leute verkaufen“ - zwischen diesen beiden Sätzen pendelte sie hin und her. Verzweifelung blitzte auf, die sie dann hinter Verstocktheit versteckte.

Richter Torsten Hoffmann: „Brauchen Sie jemanden, der Ihnen hilft?“ Angeklagte: „Nein, ich kann das alleine. Ich will ja auch nicht meine privaten Probleme erzählen.“ Erst eine kurze Intervention von ihrem Freund im Zuschauerraum förderte die verzweifelte Situation der jungen Frau zutage, aus der sie womöglich mit einem Joint flüchten wollte. Nachdem sie ihre Bereitschaft signalisiert hatte, ein mögliches Betreuungsangebot auch zu nutzen, wurde die Beweisaufnahme geschlossen.

Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel forderte für die Drogen-Einfuhr anhand des Jugendstrafrechts eine ausdrückliche Verwarnung, 80 Stunden gemeinnützige Arbeit und eine Betreuungsweisung. Im Urteil machte Torsten Hoffmann deutlich, dass Drogen-Einfuhr kein Bagatell-Delikt sei. Deshalb soll die 19-Jährige 60 Stunden gemeinnützig arbeiten, außerdem verfügte der Richter eine einjährige Betreuungsweisung.

Gleich im Anschluss war es dann ein 19-jähriger Wittgensteiner, der gerade sein Abitur bestanden hatte. Er war im März beim Diebstahl von zwei Fläschchen Kümmerling in Siegen erwischt worden, der Schaden: 3,98 Euro. Insgesamt war der junge Mann schon dreimal zuvor wegen Diebstählen der Staatsanwaltschaft aufgefallen, wobei es vorher nie zu einer Gerichts-Verhandlung kam und von einer Bestrafung abgesehen wurde. Ob er vielleicht ein Problem mit Alkohol habe, wollte Torsten Hoffmann wissen. „Das könnte sein“, so die Antwort des jungen Mannes. Wie seine Vorgängerin auf der Anklagebank, war auch er nicht bei dem Mann von der Jugendgerichtshilfe, seine Begründung: „Ich hatte keine Lust, mich mit dem über meine persönlichen Probleme zu unterhalten.“Bevor Judith Hippenstiel in diesem Fall ein Urteil forderte, unterstrich sie zunächst den Sinn der Jugendgerichtshilfe, die ihre Betonung eindeutig auf dem Wort „Hilfe“ hat. Dann stellte sie fest, dass das dreimalige Einstellen der Verfahren gegen den jungen Wittgensteiner vielleicht nicht die richtige Entscheidung war, möglicherweise wäre ein früherer Schuss vor den Bug besser gewesen. Als Bestrafung nach dem Jugendstrafrecht fordert sie schließlich eine nachhaltige Verwarnung, 70 Stunden gemeinnützige Arbeit und eine sechsmonatige Betreuungsweisung. Auch hier fiel das Urteil von Torsten Hoffmann, etwas milder aus, auch hier verhängte er 60 gemeinnützige Arbeitsstunden. Die Betreuungsweisung solle zunächst ein halbes Jahr laufen, könne aber bei Bedarf verlängert werden. Und allgemein ordnete er dieses Instrument folgendermaßen ein: „Die Betreuungsweisung soll keine Strafe für Sie sein, sondern eine Hilfe.“

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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