Betrunkener pöbelte: Türsteher platzte Kragen

Ein Schlag ins Gesicht statt Einlass für Disco-Gast

howe Bad Berleburg. »Die meisten Fälle von Körperverletzung passieren in der Disco.« Wolfgang Nau sprach gestern aus Erfahrung. Freilich nicht als Disco-Gänger, sondern als Staatsanwalt. Wieder einmal saßen mitunter schräge Vögel vor dem Sitzungssaal des Bad Berleburger Amtsgerichts und warteten darauf, als Zeugen aufgerufen zu werden. Und wieder einmal waren an jenem Abend vor der Bad Laaspher Discothek Schläge und Alkohol im Spiel. Wie sich die Angelegenheit wirklich zugetragen hat, bleibt wohl unklar. Fünf Zeugen sagten nicht immer das Gleiche und manche Aussage ließ die Vermutung zu, dass sie alle keine Kinder von Traurigkeit sind.

Anweisung: keine Besoffenen

Angeklagt war gestern ausgerechnet der Türsteher der Disco, ein groß gewachsener, 28-jähriger Mann. Der soll an dem Abend einem 20 Jahre alten Studenten mit der Faust derart ans Kinn geschlagen haben, dass dieser drei Wochen lang Schmerzen am Kiefer gehabt und eine zwei Zentimeter lange Platzwunde am Mund davongetragen haben soll. Der Angeklagte machte gestern aus seiner Tat kein Hehl, gab unumwunden zu, den jungen Mann geschlagen zu haben. Allerdings habe dies eine Vorgeschichte gehabt. Detailliert schilderte der 28-Jährige die Vorkommnisse an besagtem späten Abend. Er habe von seiner Chefin ganz klar die Anweisung erhalten, niemanden hinein zu lassen, der »besoffen« oder nicht angemessen gekleidet sei.

Der 20-Jährige sei nicht nur volltrunken und aggressiv gewesen, es habe auch noch deutliche Spuren von Erbrochenem am Schal des Besuchers gegeben. »Ich wollte ihn nicht reinlassen.« Zwei Stunden lang habe der 20-Jährige vor der Disco gestanden und ihn sowie die anderen Security-Kollegen übel beschimpft. Gäste, die die Disco verlassen hätten, seien ebenfalls angepöbelt worden, insbesondere Frauen, erklärte der 28-Jährige. Und dann habe die Chefin irgendwann gesagt, es könne nicht sein, dass der junge Mann auf dem Parkplatz andere Gäste belästige.

»Wo kommen wir da hin?«

»Ich bin raus, habe ihn angepackt und aufgefordert, das Gelände zu verlassen.« Der 20-Jährige sei wild geworden und dann habe es einen Schlag gesetzt. »Wo kommen wir da hin, wenn wir Türsteher uns demnächst verhauen lassen?«, betonte der Beschuldigte. Das Opfer schilderte seine Sichtweise, in abgeänderter Form – versteht sich: Er sei angetrunken gewesen und habe einen kleinen Fleck am T-Shirt gehabt. Er sei natürlich verärgert gewesen und habe auch »Ausdrücke« gesagt. Der Angeklagte sei hinausgestürmt und habe ihm ins Gesicht geschlagen. Und: Der Vorfall habe höchstens 20, 30 Minuten gedauert. Das stellten auch vier andere Zeugen fest. Es kristallisierte sich ebenfalls heraus, dass der Geschädigte den Angeklagten sehr wohl provoziert haben muss. Nochmals unterstrich der 28-Jährige, er gebe zu, den 20-Jährigen geschlagen zu haben, aber er habe aus seiner Gefängnisstrafe gelernt. Genau dieser Umstand löste bei Staatsanwalt Wolfgang Nau Zähneknirschen aus.

Angeklagter zahlt 2400 E Geldbuße

Auch Richter Torsten Hoffmann meinte, ein Plädoyer für den Angeklagten falle aufgrund der Vorstrafen schwer. Ein Jahr hatte der 28-Jährige verbüßen müssen, wegen räuberischer Erpressung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Jetzt, versicherte er, wolle er ein geregeltes Leben führen. Ab Januar trete er eine Arbeitsstelle an. Der Angeklagte kam gestern mit einem blauen Auge davon: 2400 e Geldbuße lautete das Urteil, zu zahlen innerhalb von sechs Monaten an die DLRG-Ortsgruppe Bad Berleburg. Die habe nämlich finanzielle Probleme, wusste Wolfgang Nau, ihren Nachwuchs ins Hallenbad nach Erndtebrück zu fahren.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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