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Unerlaubter Waffenbesitz
Bewährungsstrafe für Angeklagten

Das Schöffengericht Bad Berleburg hat eine Bewährungsstrafe ausgesprochen. Symbolfoto: Archiv
  • Das Schöffengericht Bad Berleburg hat eine Bewährungsstrafe ausgesprochen. Symbolfoto: Archiv
  • hochgeladen von Timo Karl (Redakteur)

howe Bad Berleburg. Im Januar 2018 musste sich der heute 46-jährige Bad Laaspher bereits vor Gericht verantworten. Damals verurteilte ihn Bad Berleburgs Amtsrichter Torsten Hoffmann zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Eine ordentliche Sammlung alter Schussgeräte besaß der Mann: unter anderem zehn Pistolen, vier Revolver, dazu 50 Patronen Kaliber 7,6 und eine Patrone Kaliber 6,5 sowie vier Leuchtpistolen. Was in 2018 noch nicht ans Tageslicht gekommen war: Da gab es offenbar noch weitaus mehr Waffen, unter anderem auch in Deutschland verbotene Pyrotechnik. Das stellte sich allerdings erst später heraus, sodass die Verurteilung vom Januar 2018 in das Urteil an diesem Freitag mit einbezogen wurde.

howe Bad Berleburg. Im Januar 2018 musste sich der heute 46-jährige Bad Laaspher bereits vor Gericht verantworten. Damals verurteilte ihn Bad Berleburgs Amtsrichter Torsten Hoffmann zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Eine ordentliche Sammlung alter Schussgeräte besaß der Mann: unter anderem zehn Pistolen, vier Revolver, dazu 50 Patronen Kaliber 7,6 und eine Patrone Kaliber 6,5 sowie vier Leuchtpistolen. Was in 2018 noch nicht ans Tageslicht gekommen war: Da gab es offenbar noch weitaus mehr Waffen, unter anderem auch in Deutschland verbotene Pyrotechnik. Das stellte sich allerdings erst später heraus, sodass die Verurteilung vom Januar 2018 in das Urteil an diesem Freitag mit einbezogen wurde.

Am Ende hatte sich ein ganzer Batzen Verfehlungen angesammelt – so viel, dass Torsten Hoffmann als Vorsitzender des Schöffengerichts den 46-Jährigen zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilte, die noch einmal zur Bewährung ausgesetzt wird. Aber von vorn: Zwischen 2015 und 2018 konnten die ermittelnden Kriminalbeamten dem Angeklagten zahlreiche Verstöße gegen das Waffengesetz nachweisen. So besaß er in 2015 ohne Erlaubnis Schusswaffen und hatte diese zuvor erworben – darunter eine Maschinenpistole.

Im September 2017 führte er explosionsartige Stoffe ein, bestellte über ein Pyro-Portal und ließ sich F3- und F4-Feuerwerkskörper ohne CE-Zeichen an die Heimadresse kommen. Mehrere Boxen und hunderte Knallpatronen wurden mit dem Paketdienst geliefert. Im November 2018 bestellte der Waffennarr Schlagringe und Laser-Zieleinrichungen per Versand. Dieses Verfahren stellte das Gericht am Freitag allerdings im Hinblick auf die zu erwartende Gesamtstrafe ein.

Apropos Gesamtstrafe: Rechtsanwalt Sacha Klement aus Lollar hatte die drohende Gefängnisstrafe seines Mandanten natürlich im Blick. Nach der Verhängung einer Bewährungsstrafe im Januar 2018 hätten die weiteren Vergehen von der Summe her durchaus an die Zwei-Jahres-Grenze heranrücken können.

Noch bevor die eigentliche Verhandlung begann bat das Schöffengericht die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung zum gemeinsamen Rechtsgespräch – mit dem Ziel, den Angeklagten zu einem umfassenden Geständnis zu bewegen. Das wiederum würde zur erheblichen Prozess-Vereinfachung beitragen, hätte man sich doch langwierige Untersuchungen, mögliche Zeugenaussagen oder gar Gutachten erspart. Im Gegenzug, so der Gedanke des Gerichts, würde man den Angeklagten noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davonkommen lassen.

Innerhalb des Rechtsgesprächs erörterten die Beteiligten die Möglichkeit einer sogenannten Verständigung nach § 257 c der Strafprozessordnung. „Für den Fall eines Geständnisses bezüglich der Anklagen wird eine Gesamtfreiheitsstrafe zwischen einem Jahr und zehn Monaten und zwei Jahren festgesetzt“, teilte Torsten Hoffmann nach Beendigung des Rechtsgesprächs mit. Die Strafe werde zur Bewährung ausgesetzt. Der Angeklagte werde für eine fünfjährige Bewährungszeit einem Bewährungshelfer unterstellt. Außerdem müsse er eine Geldauflage von 3000 Euro leisten. Bevor die Verständigung in trockene Tücher gepackt werden konnte, wartete das Schöffengericht erst einmal die Erklärung des Angeklagten ab. Der gab die Taten unumwunden zu. „Ich habe mir die Waffen schicken lassen, zwei davon waren für mich interessant. Zum Sammeln.“ Als der Lieferant Besuch von der Polizei bekommen habe, habe er seine Waffen, das Gewehr und die Maschinenpistole sofort „kurz und klein geschlagen“.

Er habe sich ja denken können, dass die Beamten auch bei ihm aufschlagen würden. Kontakt habe er zu dem Händler immer mal wieder gehabt. Schließlich sei das seine Leidenschaft, so der 46-Jährige. Er sammele aber nur Waffen, die aus der Zeit vor dem Jahr 1945 seien. Das Feuerwerk habe er zunächst bestellt, um selbiges mit nach Tschechien zu nehmen und dort hochgehen zu lassen. In Tschechien und Polen gebe es andere Gesetze, da sei das Abbrennen von Feuerwerk nicht verboten. „Ich habe die ganzen Jahre viel Blödsinn gemacht“, schilderte der Angeklagte. „Jetzt ist mal Schluss.“

Bewährungshelferin Rebekka Kleinsorge gab eine positive Sozialprognose für den 46-Jährigen ab. Der stehe ständig mit der Bewährungshilfe in Kontakt, arbeite mit und sei zuverlässig. Er sei ein Waffennarr, kenne sich damit sehr gut aus und sammle historische Waffen. „Das ist ein sehr gefährliches Hobby“, damit bewege sich der Klient in Deutschland immer am Rande der Legalität. Nun wolle er aber damit endgültig aufhören.

Das Gericht verurteilte den 46-Jährigen – wie in der Verständigung angekündigt – zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren. „Das waren ja nicht nur zwei, drei Böller“, erklärte Torsten Hoffmann, „sie hatten sich mehrere Kilo bestellt.“ Jetzt habe der Angeklagte über mehrere Jahre dieses Hobby gehabt. „Suchen Sie sich ein anderes, sammeln Sie Fußballbilder, Sticker oder Briefmarken.“

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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