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Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung
Bierglas am Kopf zerschmettert

Gericht verurteilt 22-jährigen Erndtebrücker zu einem Jahr auf Bewährung.
  • Gericht verurteilt 22-jährigen Erndtebrücker zu einem Jahr auf Bewährung.
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howe Bad Berleburg. Eine Feier im Sommer in einem Bad Berleburger Ortsteil: Junge Männer stehen ums Hauklotz, klopfen Nägel ins Holz. Wie aus dem Nichts packt einer im Festzelt kurze Zeit später an der Theke den Hinterkopf eines Gleichaltrigen, holt mit vollem Bierglas in der anderen Hand aus und schlägt es dem Gegenüber volles Programm an die Schläfe. Das Glas zerspringt, das Opfer blutet, hat etliche Schnittwunden nur wenige Millimeter vom rechten Auge entfernt. Der Geschädigte verlässt den Ort des Geschehens, ein Krankenwagen empfängt ihn und bringt ihn ins Krankenhaus.
Der Angeklagte kann sich nicht erinnern
Am Dienstag konnte sich der Angeklagte, ein Erndtebrücker, an nichts mehr erinnern. „Wir haben Bier getrunken, später auch Schnaps.

howe Bad Berleburg. Eine Feier im Sommer in einem Bad Berleburger Ortsteil: Junge Männer stehen ums Hauklotz, klopfen Nägel ins Holz. Wie aus dem Nichts packt einer im Festzelt kurze Zeit später an der Theke den Hinterkopf eines Gleichaltrigen, holt mit vollem Bierglas in der anderen Hand aus und schlägt es dem Gegenüber volles Programm an die Schläfe. Das Glas zerspringt, das Opfer blutet, hat etliche Schnittwunden nur wenige Millimeter vom rechten Auge entfernt. Der Geschädigte verlässt den Ort des Geschehens, ein Krankenwagen empfängt ihn und bringt ihn ins Krankenhaus.

Der Angeklagte kann sich nicht erinnern

Am Dienstag konnte sich der Angeklagte, ein Erndtebrücker, an nichts mehr erinnern. „Wir haben Bier getrunken, später auch Schnaps.“ Und den vertrage er ja bekanntlich nicht – eine Feststellung, die Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel aufgrund zurückliegender Verfahren vor dem Bad Berleburger Amtsgericht nur bestätigen konnte. „Ich kann mich an den Vorfall überhaupt nicht mehr erinnern. Ich nehme aber an, dass ich es war“, so der Angeklagte. Der hatte mehrfach versucht, sich beim Opfer zu entschuldigen, sogar einen längeren Brief schickte er ab. Doch das verängstigte Opfer wiegelte ab. Wie sehr der junge Mann aus dem Oberen Lahntal unter dem Vorfall leidet, zeigte sich während dessen Zeugenaussage. Immer wieder brach der 22-Jährige in Tränen aus. „Ich hatte Angst um meine Augen“, sagte er. Er habe sich nur umgedreht, da habe der Angeklagte „Arschloch“ zu ihm gesagt und das Glas an seinem Gesicht zerschlagen.

Bei Ihnen sind mal wieder die Sicherungen durchgebrannt. Da hat es Klick im Kopf gemacht.
Judith Hippenstiel
Oberamtsanwältin

,,Ist Alkohol im Spiel, ist er außer Kontrolle''

„Ich bin zu Boden gefallen und wurde sogar noch getreten.“ Dass hier nicht nur psychische Schäden nachwirken, machten die weiteren Schilderungen deutlich. Denn das Opfer lebt inzwischen zurückgezogen und muss seit der Tat mehrere schmerzhafte Laser-Behandlungen über sich ergehen lassen. Auch Spritzen und weitere kosmetische Korrekturen mussten bisher vorgenommen werden. „Die Behandlungen sind noch nicht abgeschlossen“, wusste Nebenklage-Anwalt Olaf Plum zu berichten. Das sei auch der Grund, warum man sich gegenüber der Anklage-Seite noch nicht zu einer Höhe eines Schmerzensgeldes geäußert habe. Nur so viel: Allein der materielle Schaden belaufe sich jetzt schon auf rund 2000 Euro. Hinzu kämen die Behandlungen und schließlich das Schmerzensgeld.“ Positiv bei allem: Der Angeklagte hat erklärt, zu einer Schadenswiedergutmachung bereit zu sein. Olaf Plum ließ nicht viel gutes Haar an dem Angeklagten. „Eigentlich ist er ein normaler Kerl, aber wenn Alkohol im Spiel ist, ist er außer Kontrolle.“ Ein kleines Stückchen weiter und sein Mandant wäre auf dem einen Auge blind gewesen.

Verteidiger überreicht eine Anzahlung Schmerzensgeld

Der Verteidiger des Beschuldigten sprach sein Bedauern aus und überreichte Olaf Plum 750 Euro in einem Umschlag – eine Anzahlung Schmerzensgeld, weil ja die Höhe bislang nicht feststehe. Aber damit wolle man schon mal den Willen bekräftigen, den Schaden wieder gut zu machen. Judith Hippenstiel zeigte sich „fassungslos“, warum der Angeklagte sich erneut wegen einer Straftat verantworten müsse. „Bei Ihnen sind mal wieder die Sicherungen durchgebrannt. Da hat es Klick im Kopf gemacht.“ Dass der Angeklagte beim Schlag mit dem Glas sogar den Kopf noch von hinten gestützt habe, sei besonders verwerflich. „Sie haben den Rand des rechten Auges getroffen. Das Opfer ist heute noch in ärztlicher Behandlung.“ Die erheblichen Verletzungen, die hier entstanden seien, schlügen besonders zu Buche.

Eine Geldstrafe mache keinen Sinn

„Außerdem haben Sie viele und einschlägige Vorstrafen, meistens begangen unter Alkoholeinfluss. Dass der 22-Jährige nun eine Therapie begonnen habe und diese auch fortführen wolle, nahm Judith Hippenstiel dem Beschuldigten ab. „Aber wer sagt mir, dass Sie beim nächsten Male nicht wieder zuschlagen?“ Ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung forderte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft.
Alle zwei Wochen solle der Angeklagte anderthalb Jahre lang in Therapie gehen. Außerdem erwarte sie die Zahlung eines Schmerzensgeldes von 2000 Euro für den Geschädigten. „Eine Geldstrafe macht hier keinen Sinn, weil Sie lieber das Schmerzensgeld des Opfers bedienen sollen.“ Die 2000 Euro plus die 750 Euro, so hieß es im Gerichtssaal, sollten sozusagen als erste Abschläge dienen – für das, was da sicher noch alles kommt. Richter Torsten Hoffmann verurteilte den Angeklagten zu einer einjährigen Bewährungsstrafe und zur Zahlung von 2000 Euro Schmerzensgeld. Was die Therapie anbetrifft, so soll die ein Jahr lang fortgeführt werden. In welchem Rhythmus, das müsse man erst besprechen.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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