Bosseln in der »Fleischwurstrunde«

BSG Wittgenstein hat in der relativ unbekannten Sportart erste Erfolge vorzuweisen

wette Bad Berleburg. Ein taktisches Denken ist in diesem Sport eigentlich das A und O - nein, von Schach ist nicht die Rede. Wichtig ist auch, dass entsprechende Sportgerät zur rechten Zeit im rechten Winkel aus der Hand gleiten zu lassen. Nein, wieder weit verfehlt, auch bowlen und kegeln soll nicht Gegenstand dieses Artikels sein. Dritter Versuch: Der Sportler, der nicht aufpasst, könnte kurz darauf mit Sicherheit einen ziemlich blauen Zeh bewundern – in Ordnung, da auch keine Kampfsportart beschrieben werden soll, folgt nun die Auflösung: Gemeint ist das bosseln.

Mit der Frage »Wissen Sie, was bosseln ist?« hätte die Siegener Zeitung vielleicht eine gute Frage für ihre Rätselserie nutzen können, denn bosseln dürfte sicherlich nur den wenigsten Wittgensteinern ein Begriff sein. Dies soll und wird sich aber sicherlich bald ändern, denn die Frauenmannschaft der Behindertensportgemeinschaft (BSG) Wittgenstein errang jetzt sozusagen ihren ersten größeren Erfolg. Und dies ist mehr als bemerkenswert, denn die aus drei Frauen bestehende Mannschaft bosselt sozusagen erst seit Anfang dieses Jahres.

»Die anderen Mannschaften, die zu unserem Turnier in die Stöppelhalle kamen, bosseln zum größten Teil schon seit Jahrzehnten«, stellte der seit zwölf Jahren amtierende Vorsitzende der BSG Wittgenstein, Hans-Dieter Kehrle, die eigentlichen Kräfteverhältnisse klar. Eine Männermannschaft konnte bislang noch nicht gemeldet werden, was aber Anfang kommenden Jahres auch der Vergangenheit angehören soll, hofft sicherlich nicht nur Hans-Dieter Kehrle, der jetzt schon ein Experte zumindest in der Regelkunde des aus der Nachkriegszeit stammenden Sportes zu sein scheint. Im Prinzip stellt das Bosseln eine Ableitung des wohl bekannteren Eisstockschießens dar.

Das Spielgerät, ein um die fünf Kilo schwerer Bossel, muss mit viel Geschick möglichst nah an der Daube, einem kleinen roten Holzklotz, platziert werden. Beim Verlassen aus der Hand bis zur Daube hat der Bossel eine Strecke von 14 Metern bei den Herren, zwölf bei den Frauen, zu bewältigen. Verlässt ein Bossel dabei die zwei Meter breite Spielbahn oder befindet er sich nach seinem Stillstand nicht im zwei mal vier Meter großen Zielfeld, in dessen Mitte sich die Daube befindet, wird er aus dem Spiel genommen. Dies wäre hinsichtlich der zu erreichenden Punktzahl nicht förderlich, könnte die maximale Punktzahl von vier Zählern doch nicht mehr erreicht werden.

»Maximal vier Punkte kann ein Team erreichen, denn zwei Punkte werden für den Bossel berechnet, der den geringsten Abstand zur Daube vorweisen kann. Jeweils einen weiteren Punkt werden dann für jeden Bossel vergeben, der sich im Zielfeld befindet«, erklärte Hans-Dieter Kehrle die wesentlichen Regeln des Spiels. Während einer Runde kommen alle drei Sportler eines Teams ebenso wie die drei Konkurrenten zu jeweils einem Wurf, nach sechs gespielten Runden erfolgt die Endabrechnung, die über Sieg oder Niederlage entscheidet. »Mit Geschick kann natürlich der Bossel seines Gegners aus dem Spielfeld gestoßen werden, die Gefahr besteht aber, dass auch der Bossel seines Mannschaftskameraden herausgestoßen wird«, so der BSG-Vorsitzende. Spannung war also vorprogrammiert während der »Fleischwurstrunde«, die jetzt in Bad Berleburg Halt machte und am 18. November in Lennestadt ihr Ende finden wird. »Fleischwurstrunde nennen wir unsere Turniere, da jeder einmal Ausrichter des Turniers ist und wir anschließend bei einer Fleischwurst und leckeren Getränken gemütlich beisammen sitzen«, erklärte Hans-Dieter Kehrle. Freundschaft wird ohnehin groß geschrieben unter den einzelnen Parteien, stellen die Bosselrunden doch keine Meisterschaftsspiele dar, »sondern sind eher mit Freundschaftsspielen vergleichbar«.

So war das Ergebnis eigentlich zweitrangig. Dennoch freuten sich bei den Männern die Lennestädter über den ersten, Finnentrop über einen zweiten und Ferndorf über einen dritten Platz, während bei den Frauen das Team aus Burbach vor dem aus Geisweid die Nase vorne hatte. Und wie gesagt: Einen beachtlichen dritten Platz belegten vor immerhin vier anderen Teams die Damen des BSG Wittgenstein.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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