Brutale Schläge: Nase brach am Schützenplatz

29-jähriger Berleburger zu 4500 E Strafe verurteilt

Bad Berleburg. Ein unschönes Ende nahm das Wemlighäuser Schützenfest Anfang Juni für einen 38-jährigen Berleburger: Ein doppelter Nasenbeindruch, ein Jochbeinbruch und der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns waren die Folgen mehrerer brutaler Schläge, die der Festgast seinerzeit einstecken musste.

Verantwortlich für die Faustschläge war ein 29-Jähriger aus einem Bad Berleburger Stadtteil, der sich gestern wegen Körperverletzung vor dem Bad Berleburger Strafrichter verantworten musste. Neben ihm auf der Anklagebank nahm ein 19-Jähriger aus einem anderen Berleburger Stadtteil Platz, dem die Staatsanwaltschaft ebenfalls Körperverletzung vorwarf. Er soll dem 38-Jährigen in der besagten Schützenfest-Nacht zu Hilfe geeilt sein, dann aber auf den 29-jährigen Anstifter eingeschlagen haben.

Der 29-jährige Angeklagte konnte gestern nicht viel zur Aufklärung der Geschehnisse beitragen. Er habe ab nachmittags gemeinsam mit Freunden getrunken und selbst eine Flasche 43er-Likör geleert. Auf dem Schützenplatz seien dann noch einmal zehn bis zwölf Bier hinzu gekommen. An die Schlägerei habe er leider überhaupt keine Erinnerung mehr, erklärte der Maurer. Um anschließend hinzuzufügen: »Ich kann daher auch nicht abstreiten, dass ich geschlagen habe.« Leider sei die Sache nicht mehr rückgängig zu machen.

Sehr detailliert schilderte der 19-jährige Angeklagte, was in der Juni-Nacht vor der Theke in der Schützenhalle passiert sei. Der 29-jährige Angeklagte habe den 38-jährigen Geschädigten zunächst angerempelt. Der Angestoßene habe dem 29-Jährigen dann gesagt, er solle ein wenig halblang machen. Dann sei alles ganz schnell gegangen: Zunächst habe es für den 38-Jährigen einen Schlag an den Hinterkopf gegeben, als er sich dann herumgedreht habe, seien Faustschläge ins Gesicht gefolgt: »Das Blut lief wie Wasser aus der Nase, Die Nase war sichtbar versetzt, kein sehr schöner Anblick.« Er habe dann, so der 19-Jährige, Zivilcourage bewiesen, und den Schläger zu Boden befördert. Dabei habe es natürlich ebenfalls Schläge gegeben, »weil ich mich bedroht fühlte«. Der 38-jährige Geschädigte schilderte gestern, dass sein Helfer zwar energisch dazwischen gesprungen sei, aber danach gegen den 29-jährigen Verursacher der Prügelei nicht übermäßig eingestiegen sei. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde das Strafverfahren gegen den 19-Jährigen eingestellt. Der junge Mann und sein Verteidiger Erdmann von Gersdorff durften darauf hin die Anklagebank verlassen.

Für den 29-jährigen Angeklagten forderte Staatsanwalt Wolfgang Nau eine sechsmonatige Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Außerdem solle der Beschuldigte 2000 e Geldstrafe zahlen. Der Angeklagte sei zwar nicht einschlägig vorbelastet und auch die Entschuldigung in Richtung des 38-Jährigen sei durchaus glaubwürdig, »dennoch dürfen wir hier nicht die ganz erheblichen Verletzungen vergessen.« Verteidiger Norbert Hartmann hielt indes eine Geldstrafe für ausreichend. Der Anwalt sprach von »einer typischen Rangelei bei solchen Festivitäten«. Zudem sei sein Mandant strafrechtlich unvorbelastet. Andererseits dürfe nicht vergessen werden, dass die Schlägerei aus einem nichtigen Anlass entstanden sei und die Folgen für den Geschädigten großen Ausmaßes seien.

90 Tagessätze à 50 e bei nicht auszuschließender verminderter Schuldfähigkeit wegen des hohen Alkoholkonsums – so lautete das Urteil von Richter Torsten Hoffmann. Er nehme dem Angeklagten seine ehrliche Entschuldigung ab, allerdings sei es bei der Schlägerei zu schlimmen Verletzungen gekommen: »Folgeschäden sind leider nicht auszuschließen.« Während die Verteidigung das Urteil akzeptierte, hielt sich die Staatsanwaltschaft die Tür für eine mögliche Berufung offen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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